Ausgabe Nr. 147, Dezember 2017

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Ende des Jahres werden zwar die Tage weniger, doch es häufen sich die Rituale. Die Weihnachtzeit und das, was wir „zwischen den Jahren“ nennen, sind voll von Traditionen, Gewohnheiten und manchmal sogar von Wiederholungszwängen. Das ist schön, denn irgendwie schaffen wir dabei etwas, worauf wir uns verlassen können: Den Stress und die Freude, ja sogar die Erschöpfung, die all den Ritualen folgt. Das Nachdenken über das vergehende Jahr gehört dazu. Für mich ist die Zeit auch eine Gelegenheit das Kommende in den Blick zu nehmen. Mein Ritual besteht darin, mich an meine Vermutungen über das Vorjahr zu erinnern und was davon sich am Ende bewahrheitete. Denn seien wir ehrlich: Vorhersehen oder vorausplanen lässt sich nicht wirklich viel. Einige persönliche Vorsätze vielleicht, aber sonst?

Angesichts der politischen Situation stritten wir beim Jahresbeginn 2017 vor allem darüber, ob der Rechtsruck in Deutschland bereits schlimm wäre oder ob es noch noch viel schlimmer kommen würde. Das Ausmaß an Polarisierung der politischen Debatte und den Hass, der sie begleitete, hatte es in Deutschland so noch nicht gegeben. Konflikte wurden sichtbar, lange Verdrängtes wie der Rassismus im Mainstream, die kaum überwundene Teilung und der Rechtsextremismus als verleugnetes Problem - sie stießen nun mit Wucht durch die dünne Oberfläche von Politik und Gesellschaft. So wurde 2017 das Jahr, in dem es das deutschtümelnde Gebrodel mit all seiner Aggression, seinem Hass und seiner Verachtung auf die politische Bühne schaffte. Hatte es zuvor vor allem in den sozialen Netzwerken gegiftet, begann in diesem Jahr der Marsch durch die Mainstreammedien. Überall diskutierte man über oder mit den Vertretern der AfD. Das half, diese rechte Bewegung als Faktor in der Bundespolitik zu etablieren. Auf Landesebene geschah das schon früher. Die Gewalt, die damit einherging, die Überfälle auf Geflüchtete oder Menschen, die dafür gehalten wurden, blieb. Sie erschien nur immer weniger in den Medien. Es entstand sogar der Eindruck: Je mehr AfD die Öffentlichkeit erreichte, desto weniger drang die gewalttätige Folge ihres Hasses durch.

Durch die Bundestagswahl materialisierte sich der Konflikt in der Gesellschaft. Die Wähler entschieden hier aktiv, ob sie sich der antimodernen Rechten mit dem gefährlichen Menschenbild der Ungleichwertigkeit anschließen wollten oder nicht. Die AfD war inzwischen populär genug und hatte keineswegs den Ruf der Unwählbarkeit wie die NPD. Nun, es sind 12,6% geworden. Nicht mehr und nicht weniger. Doch der Konflikt, die Polarisierung, hat jetzt schon Einfluss auf die Politik einer Regierung, die noch immer nicht zustande gekommen ist. Eine schwierige Situation. Damit müssen wir jetzt arbeiten.

Was 2018 geschehen muss? Wir werden weitermachen. Die Amadeu Antonio Stiftung wird sich weiter um die Opfer von Hass und Gewalt kümmern. Das steht fest. Ohne Wenn und Aber. Wir werden auch weiter diejenigen unterstützen, die den großen gesellschaftspolitischen Konflikt, ob Deutschland nun völkisch geprägt sein soll oder eine offene Gesellschaft bleibt, vor ihrer eigenen Haustür austragen. Das sind all diejenigen, die sich aktiv engagieren, die in Diskussionen Haltung zeigen, die sich trotz aller Stimmungsmache nicht beirren lassen. Sie sind Teil dessen, was wir zivile Gesellschaft nennen. Sie zu unterstützen durch Rat und Förderung wird der Stiftung eine Ehre sein.

Im kommenden Jahr werden wir uns auch weiter in die Debatte einmischen. Ja, wir werden sogar viel Praktisches darüber sagen, wie man debattiert und was geschieht, wenn mit unlauteren Mitteln gekämpft wird. Interessant wird sicher auch zu beschreiben, wie Rechtspopulisten geschult und trainiert werden.

Wir werden auch 2018 dabei helfen, Dinge zur Sprache zu bringen, die sonst gern verdrängt werden. Es hat keinen Sinn die Augen zu verschließen und zu hoffen, dass Probleme einfach vorbeigehen. Ein Gradmesser dafür ist immer wieder der Antisemitismus. Er ist nicht nur eine dumme Welterklärung ewig Gestriger, sondern ein handfestes Indiz für eine Krise in allen Teilen der Gesellschaft. Gerade in der Einwanderungsgesellschaft. Antisemitismus ist ein Problem und deshalb werden wir uns auch damit weiter beschäftigen. Wir werden weiter unsere Expertise zu all diesen Fragen teilen. Weil es wichtig ist, Dinge zu wissen und sie zu gestalten - statt einfach abzuwarten. Mal sehen, wie dieses neue Jahr wird. Ich vermute, das Jahr 2018 wird eher von viel Detailarbeit geprägt, als von großen Erkenntnissen über den Zustand der Gesellschaft. Ich vermute, dass jeder und jede viel darüber lernen wird, wie der große Konflikt zwischen völkisch und weltoffen zu führen ist. Ich vermute, wir haben viel zu tun.  Und ich vermute, nächstes Jahr um die Weihnachtszeit sind wir schlauer.

Wir, das Team der Amadeu Antonio Stiftung, bedanken uns herzlich bei Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern für Ihre Unterstützung. Wir wünschen Ihnen einen guten Rutsch, Gesundheit und ein gutes Jahr!

Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane

 

Im Fokus

Gewalt gegen Flüchtlinge 2017: Von Entwarnung kann keine Rede sein

 

Die Amadeu Antonio Stiftung und Pro Asyl dokumentieren für das Jahr 2017 in ihrer gemeinsamen Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle bundesweit 1713 Straftaten. Trotz deutlich rückläufiger Zahlen von Asylsuchenden bleibt rassistisch motivierte Gewalt gegen Geflüchtete ein deutschlandweites, flächendeckendes Problem. Im Schnitt mehr als vier Straftaten täglich richten sich gegen Flüchtlinge oder ihre Unterkünfte.

 

Wann wird aus Kritik an Israel eigentlich Antisemitismus?

Demonstration gegen eine Pro-israelische Kundgebung Bild: Boris Niehaus (CC BY-SA 4.0)

 

Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, hat antisemitische Parolen und Gewalt mit sich gezogen – auch in Deutschland. Wenige Themen der öffentlichen Debatte sind so schwierig und derart überladen wie der israelbezogene Antisemitismus, daher stellen wir uns die Frage, wann eine vermeintliche Kritik an Israel antisemitisch ist.

 

„Zu viele Fragen sind offen geblieben“ - Im NSU-Prozess kommen endlich die Betroffenen zu Wort

Gegen Rassismus

Foto: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag (CC BY-NC 2.0)

 

Der NSU-Prozess nähert sich seinem Ende. Endlich gehört die Aufmerksamkeit den Überlebenden der Anschläge und den Angehörigen der Mordopfer. In dieser entscheidenden Phase trägt die Nebenklage ihre Perspektive auf die rassistischen und rechtsextremen Hintergründe des NSU-Komplexes vor. Ein zentraler Kritikpunkt ist auch die mangelhafte Arbeit der Ermittlungsbehörden.

 

NSU-Tribunal mit Amadeu Antonio Preis 2017 geehrt

Einer der Preise ging an das Kunstprojekt "Add Your Heroine"

 

Der Amadeu Antonio Preis für Menschenrechte und gegen Rassismus ging 2017 an das Kunstprojekt "Tribunal NSU-Komplex auflösen". Sie sind mutig - das verbindet all die Künstler_innen, deren Werke für den Preis nominiert wurden. Sie bekennen sich zu Demokratie und Menschenrechten, thematisieren gesellschaftliche Schieflagen. Und sind damit ein wichtiger Bestandteil einer couragierten Zivilgesellschaft.

 

Das Jahresende wollen wir nutzen,um Danke zu sagen! Stellvertretend für die zahlreichen Projekte und Personen, die wir mit Ihrer Hilfe unterstützen konnten. Und auch in unserem Namen: Wir danken für all Ihren Zuspruch, der uns ermutigt. Und für all das viele beeindruckende Engagement, das wir in unserer täglichen Arbeit erleben und begleiten dürfen. Engagement lebt vom Zupacken, vom Loslegen, vom Dranbleiben, vom Mutmachen. Und nicht zuletzt von finanzieller Unterstützung, die dieses Engagement auf sichere Beine stellt. Spenden Sie hier und helfen Sie uns, den Grundstein für die Herausforderungen des kommenden Jahres zu legen. Dankeschön!
 

Spenden

 

Probleme in Chancen verwandeln - Spendenideen 2017

 

Sie haben uns noch nie mit einer Spendenbüchse vor dem Kaufhaus stehen sehen? Das ist richtig, doch es gibt sie, diese Spendenbüchsen. Wir verleihen sie gelegentlich an Menschen, die für uns sammeln wollen – ob zu Geburtstagen und anderen besonderen Anlässen, auf Konzerten oder am Rande einer Fachkonferenz. Hier einige der Aktionen, die uns 2017 besonders beeindruckt haben.

 

Geförderte Projekte

Ein Jahr für Demokratie gegen Rechtspopulismus

 

Dank der Unterstützung von Spender_innen konnte die Amadeu Antonio Stiftung im Jahr 2017 mehr als 90 Projekte fördern, die sich für eine demokratische Zivilgesellschaft und gegen Rassismus engagieren. Wer sind diese mutigen Menschen und ihre Initiativen? Hier stellen wir unsere Förderschwerpunkte des Jahres und einige unserer Projekte stellvertretend vor.

 

Sachsen rechts unten

© Kulturbüro Sachsen

 

Hoyerswerda, Bautzen, Chemnitz sowie Dresden, der Geburtsort von Pegida. Rechtsextreme Übergriffe sind hier leider keine Seltenheit. Die neue Broschüre „Sachsen rechts unten“ nimmt, gefördert von der Amadeu Antonio Stiftung, die rechtsextremen Strukturen in der Region in den Blick.

 

Aktuelle Publikation

Neues aus dem IDZ

 

Diskriminierung schadet der Gesundheit der Betroffenen und dem Zusammenhalt unserer Gesellschaft – so könnte man die Befunde des zweiten Bandes der Schriftenreihe „Wissen schafft Demokratie“ mit dem Schwerpunkt „Diskriminierung“ zusammenfassen. Die Publikation des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft kann kostenlos bestellt werden. Alle Beiträge sind auch online lesbar.

 

Außerdem ist das IDZ im Auftrag der Stiftung den Ursachen für den hohen Wahlerfolg der AfD auf den Grund gegangen. Das deutliche Ergebnis der bundesweiten Analyse: die AfD ist dort besonders erfolgreich, wo Politikverdrossenheit herrscht, das Problem des Rechtsextremismus lange verharmlost wurde und früher schon die NPD große Erfolge feiern konnte.

 

Termine

11.01.2017 I Sexismus und Antifeminismus als Demokratiegefährdung!? Vortrag und Diskussion mit Regina Frey und Anne Wizorek I Berlin
Die #metoo-Kampagne hat weltweit für Aufsehen gesorgt und zu einigen längst fälligen Konsequenzen geführt. In Deutschland hingegen ist es bislang ziemlich ruhig geblieben. Gibt es hier keinen Sexismus oder ist dies eher ein Hinweis auf ein fehlendes gesellschaftliches Bewusstsein für Ungleichheiten?
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Fortbildungsangebote: Für eine brückenbauende Willkommensstruktur
Was kann ich für Flüchtlinge tun? Wie funktioniert Asyl? Wie kann ich Vorurteilen widersprechen? Muss ich jetzt Angst vor Nazis haben, weil ich mich für Geflüchtete einsetze? Diese und andere Fragen treiben derzeit viele Menschen, wenn sie über die weltweit größte Fluchtbewegung seit dem 2. Weltkrieg nachdenken. Die Amadeu Antonio Stiftung hat deshalb gemeinsam mit Kooperationspartner_innen sechs Fortbildungen erarbeitet, um Engagierte in ihrer Arbeit zu unterstützen. Unsere Angebote richten sich an Menschen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Fortbildungen sind in diesen Bundesländern für Sie kostenlos!
>Ausführliche Informationen zu den Seminarinhalten (PDF-Dokument)

 

Impressum

Copyright (c) 2017
Redaktionsschluss: 28. Dezember 2017

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Spenden


Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.


Redaktion: Robert Lüdecke, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Franziska Schindler, Sophie Schlüter

 
 


Die Amadeu Antonio Stiftung wird zur Entwicklung als bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 

Kontakt

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