Ausgabe Nr. 120, Juli 2015

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern wir uns an den Satz von Willi Brandt „ Nun wächst zusammen, was zusammengehört“, mit dem er die deutsche Vereinigung 1990 kommentierte. Er hatte dabei die Idee einer Nation im Sinn, wie sie über die letzten 200 Jahre üblich war: Ein Territorium, ein Volk, eine Sprache, eine Geschichte und Werte, die daraus hervorgegangen sind. Dazu kommen noch eine Brise Schicksal, etwas Kultur und ein paar Traditionen, das wird ineinander gerührt und schon haben wir die Nation. Die war erst geteilt, dann wieder vereinigt, weil sie ja im Grunde eine Einheit bildet. Was ihm damals nicht präsent war, ist die Tatsache, dass die Bundesrepublik, also der Westen, im praktischen Leben dieses Nationenbild längst hinter sich gelassen hatte. Millionen Einwanderer waren zu Einheimischen geworden – auch wenn diese Normalität auch damals hart umkämpft war und durchaus nicht von allen anerkannt wurde.

Die Vereinigung zeigte dann aber einen Bruch. Denn mit ihr blubberte der alte Nationenbegriff an die Oberfläche, in den die Einwanderer ein weiteres Mal nicht zu passen schienen. „Wir alle wachsen zusammen“ wäre ein besserer Slogan gewesen, denn er hätte nicht vorausgesetzt, dass es ein naturgegebenes WIR gibt, das zusammengehört. Und ein anderes, das nicht dazugehört. Das nationale WIR einfach so vorauszusetzen, ohne dabei auf die Vergangenheit dieser Nation zu schauen, noch die Zukunft im Blick zu haben, gehörte nicht zu den brillantesten Sätzen Willi Brandts. Sie hat Euphorie über den Moment ausgedrückt, als die Mauer fiel, jedoch nicht Weisheit. Denn nur wenige Augenblicke später, als die ersten Asylbewerberheime brannten, zeigte sich die hässliche Fratze vom Nationalen.

Was zusammengehört – und vor allem was nicht – zeigte sich in den Jahren nach der Vereinigung besonders heftig. Mit den Angriffen auf Asylbewerber und Migranten fing es an, später traf es auch jene, die sich gegen Rechtsextremismus wehrten und schließlich war Deutschland wieder geteilt. Im Westen eine Gesellschaft mit Migration, im Osten eine ohne. Nein, Deutschland ist noch lange nicht vereint! Die zweite Wende hat gerade erst begonnen. Nun kommen wieder Flüchtlinge nach Deutschland.

 

Im Fokus

Aktion Schutzschild vor Ort in Freital

 

Unsere Kolleginnen und Kollegen der Initiative "Aktion Schutzschild" der Amadeu Antonio Stiftung vor Ort im sächsischen Freital: Seit Tagen hetzen Bürgerinnen und Bürger Seite an Seite mit Neonazis gegen die örtliche Flüchtlingsunterkunft. Angesichts der Eskalation der Gewalt gegen Flüchtlinge veröffentlicht "Aktion Schutzschild" nun einen „10 Punkte-Plan für eine kommunale Willkommensoffensive“ (PDF-Dokument).

 

ANTISEMITISMUS HEUTE - erfassen. erforschen. bekämpfen.

 

Im Frühjahr diesen Jahres entstand das »Netzwerk zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus« – NEBA – bestehend aus dem American Jewish Committee (AJC) Berlin, dem Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam (MMZ) und uns, der Amadeu Antonio Stiftung. Am 2. Juli 2015 führen wir eine ganztägige Konferenz zum Thema »Antisemitismus heute - erfassen. erforschen. bekämpfen.« "Was wir jetzt brauchen, ist ein politischer Dialog über die Umsetzung konkreter Maßnahmen gegen Judenfeindschaft", erklärt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung.

 

Sächsische Förderpreis für Demokratie 2015

 

In diesem Jahr wird der Sächsische Förderpreis für Demokratie zum neunten Mal verliehen. Mit ihm werden Initiativen und Kommunen in Sachsen gewürdigt, die die Demokratie in ihrer Region stärken, indem sie sich für die Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten einsetzen oder gegen Rechtsextremismus, Rassismus oder Antisemitismus eintreten. Bis zum 1.September können sich Initiativen und Kommunen bewerben oder von anderen nominiert werden. Der Preis wird ausgelobt von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung, der Sebastian Cobler Stiftung und der Stiftung Elemente der Begeisterung.

 

Geförderte Projekte

Dank Ihrer Spende konnte die Amadeu Antonio Stiftung seit ihrem Bestehen mehr als 900 Projekte fördern. Allein in diesem Jahr waren es bereits mehr als 50 gute Ideen, die die Demokratie bereichern. Dass wir so vielen Engagierten dauerhaft helfen können, verdanken wir Ihrer Unterstützung! Helfen Sie auch weiterhin mit! Denn die beste Antwort auf Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind Initiativen, die sich vor Ort ganz konkret für eine demokratische Kultur engagieren. Lassen Sie uns gemeinsam diesen Erfolg fortsetzen.

Spenden

 

Ein km² Bildung für Neubrandenburg

© Thomas Evers

© Thomas Evers

 

In einem Quadratkilometer der Neubrandenburger Oststadt setzt sich ein Bildungsbündnis mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung seit Januar 2015 für bessere Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen ein. Diese räumliche Konzentration führt zu einer intensiven Betreuung der Bildungseinrichtungen vor Ort. Bildung gerät so geografisch und thematisch ins Quadrat.

 

Hip-Hop für die Volksgemeinschaft

© Springstoff

 

Neonazis nutzen Musik, um ihre rechtsextreme Propaganda an vor allem junge Leute heranzutragen und um die internen Strukturen zu stärken. Wie sich Nationalismus und NS-Rap nun auch im Hip-Hop breit machen, zeigt die im Januar diesen Jahres mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung herausgegebene Broschüre der TickTick-Boom Crew.

 

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Frauen und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern

© Oliver Cruzcampo / Endstation Rechts

 

Rechtsextreme Frauen werden mit ihrer politischen Einstellung und ihrem Handeln oft unterschätzt, verharmlost oder überhaupt nicht erst wahrgenommen. Das zeigt nicht nur die Debatte um Beate Zschäpe und ihre Beteiligung an den Taten des NSU. Das Bild der politisch desinteressierten und friedliebenden Frau sitzt tief. Mit schwerwiegenden Folgen: Taten von rechtsextremen Frauen werden häufig nicht oder nur sehr spät erkannt. Der Verein Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern widmet sich in seiner neuen Broschüre „Frauen und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern“ diesem Thema.

 

Termine

2. Juli, Berlin
"Antisemitismus heute - erfassen. erforschen. bekämpfen." 
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3. Juli, Berlin
"Mädchen diskriminieren (anders)?!" - Auftaktveranstaltung des Projekts „GMF und Rechtsextremismus-Prävention aus der Perspektive von Geschlecht"
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6. Juli, Berlin

„Die Welt zu Gast im Jugendclub“ - Was tun bei antisemitischen Sprüchen und rassistischen Bildern in der Jugendarbeit?
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6. Juli, Trier
"Rassismus in den Medien und wie er sich vermeiden lässt" - Podiumsdiskussion mit Simone Rafael, Michael Schmitz, Gerald Keßler und Hans-Jürgen Bucher
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16. Juli, Berlin
"Arenen der Männlichkeit? Zum Ausschluss von Frauen in der Fußball-Fankultur"
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Impressum

Copyright (c) 2015
Redaktionsschluss: 01. Juli 2015

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Spenden


Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Redaktion: Anna Brausam. Mitarbeit: Anetta Kahane, Imke Kummer, Timo Reinfrank (verantwortlich), Karsten Stöber.

 
 

Kontakt

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