Ausgabe Nr. 129, Mai 2016

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
 

In eigener Sache

Bild Anetta neu
 

Liebe Leserinnen und Leser,

wissen Sie was? Ich habe keine Lust mehr über die Partei zu reden, deren Logo an ein Potenzmittel für ältere Herren erinnert, deren verzweifelte Hoffnung es ist, dass sich alles nach oben richten möchte. Dazu ist bereits alles gesagt. Ich finde, wir beschäftigen uns viel zu viel damit. Die menschliche Natur dürstet nach Aufregung. Und nichts regt mehr auf als Skandale und schlechte Nachrichten. Darüber zu diskutieren ist nicht nur adrenalinträchtig, sondern auch wichtig. Doch es kostet Energie, manchmal zu viel davon. Wenn wir keine Kraft mehr haben, in eine andere Richtung zu blicken als die, die uns die Aufregung vorschreibt, dann machen wir etwas ganz Entscheidendes falsch. Deshalb sollten wir uns für einen oder mehr Augenblicke von der Impotenz in Parteiform abwenden und eine andere, ebenso aufregende Bewegung betrachten: Die Willkommenskultur lebt noch! Sie hatte nie aufgehört zu leben, auch wenn sich viele tagtäglich bemühen, sie schlecht- oder wegzureden.

Gewiss ist die Gesellschaft gespalten: In diejenigen, denen das Schicksal der geflüchteten Menschen im besten Falle schnurzegal ist und jenen, die sich praktisch gefordert fühlen, hier Solidarität zu zeigen. Diese Spaltung findet sich überall, es gibt keinen Ort, der davon frei wäre – weder geographisch noch sozial. Die Mehrheiten sind zuweilen unterschiedlich verteilt. So lehnen im Osten mehr Menschen Flüchtlinge ab als sie unterstützen und im Westen ist es meistens andersherum. Doch es gibt immer beides gleichzeitig. Das Helle und das Dunkle. Absurderweise denken wir alle, einschließlich der Medien, das Helle strahle von selbst und brauche deshalb keinen Spot, der es herausstellen würde. Stattdessen richtet sich alles Licht und alle Aufmerksamkeit auf das Dunkle, um es auszuleuchten und weil es so schön gruselig ist. Doch das ist unsinnig und falsch, denn es prägt und bestätigt eine einseitige Wahrnehmung – auch bei uns. Und es raubt uns zu viel Energie.

Die Stimmung in Deutschland ist nicht gekippt, das Helle wird nur nicht mehr gesehen. In allen Berufszweigen, in der Industrie, im öffentlichen Dienst machen Menschen, was sie können, um Flüchtlinge zu unterstützen. Anwälte zum Beispiel stellen sich als Vormund für Minderjährige zur Verfügung, Betriebe richten Lehrstellen und Praktika für junge Geflüchtete ein, Fußballvereine stellen Mannschaften für oder mit Flüchtlingen zusammen. Und dann sind da noch die vielen, vielen, die einfach nur machen – freiwillig, manchmal spontan, ohne große Anbindung an Vereine oder Verbände, die es dann auch noch gibt. Junge Leute aus der Start-Up Szene richten Onlinekurse ein, die eigentlich ein vollwertiges Studium sind, es gibt viele Hackergruppen von Flüchtlingen, geflüchtete Künstler, die mit anderen an Musik, Theater, Literatur arbeiten. Deutschlehrer, Kinderbetreuer, Hausaufgabenhelfer, Jugendtrainer, Clowns – sie alle machen einfach weiter, egal was die parteigewordenen Rechtspopulisten über ihre eigene Potenz sagen. Und es gibt viele von Flüchtlingen selbst organisierte Veranstaltungen und Aktivitäten. Überhaupt: Geflüchtete Menschen und Menschen, die selbst Migrationserfahrungen haben, sind die besten Experten, wenn es um Fragen und Probleme der Neuangekommenen geht.

Die Qualität all dieser Aktivitäten ist unglaublich hoch, die Leute voller Motivation, die auch in den kommenden Jahren da sein wird und das Selbstverständnis von Millionen Deutschen bleibt eine gleichsam solide wie leidenschaftliche Solidarität mit geflüchteten Menschen. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt diese Bewegung so gut sie kann mit Rat, Tat und Lebenshilfe sozusagen. Die von uns geförderten Projekte sowie alle, die in unseren Netzwerken wie bei der „Aktion Schutzschild“ mitarbeiten, sind jedes für sich eindrucksvoll, gescheit, gut aufgestellt und voll von guten Ideen für die Zukunft. Das einzige Problem: Sie bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Ich kann Ihnen nur sagen, es lohnt sich, sie näher zu betrachten. In ihnen stecken so viel Energie und Lebensfreude, so viel Hoffnung und Kultur, so viele spannende und emotionale Geschichten wie sonst nirgends derzeit in Deutschland. Wir sollten der Partei mit dem Potenzproblem nicht so viel Aufmerksamkeit zukommen lassen, die ernähren sich davon. Und sie sind bei aller Dunkelheit – im Gegensatz zu Deutschlands neuen Engagierten – am Ende doch nur langweilig und öde. Ich freue mich, Ihnen hier zwei der interessanten Projekte der Flüchtlingsarbeit vorstellen zu dürfen.


Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane


PS: Zum Launch der Graphic Novel "Drei Steine" möchte ich Sie noch herzlich nach Berlin in die Stiftung einladen. Am 20. Mai stellt Nils Oskamp seine Geschichte persönlich bei uns vor, die als Graphic Novel von der Amadeu Antonio Stiftung herausgegeben wird. Ich freue mich auf Ihr Kommen!

 

Im Fokus

Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Netzwerken entgegentreten

 

Die rechtsextremen Strategien in den Sozialen Netzwerken zielen immer stärker auf die Mitte der Gesellschaft ab. Das zentrale Thema ist aktuell die Hetze gegen Flüchtlinge. Über Gegenstrategien sprachen wir mit Johannes Baldauf, Koordinator des Projekts no-nazi.net der Amadeu Antonio Stiftung.

 

"Drei Steine" – ein Betroffener rechter Gewalt erzählt seine Geschichte

 

Nils Oskamp erzählt in seiner autobiografischen Graphic Novel „Drei Steine“ die Geschichte seiner Jugend in den 1980er Jahren in Dortmund-Dorstfeld, wo er Opfer rechter Gewalt wurde. Er dokumentiert, wie die damaligen rechtsextremen Jugendlichen fast unbestraft davonkommen und es bis in die Politik schaffen.

 

Geförderte Projekte

Über 60 Projekte hat die Amadeu Antonio Stiftung bereits in diesem Jahr gefördert. Projekte und Initiativen, die vor Ort demokratische Alltagskultur prägen, in der kein Platz ist für Flüchtlingsfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende. Gemeinsam können wir viel bewegen!

Spenden

 

Eine Skatehalle bringt Menschen in Mühlhausen zusammen

Foto: Thuringia Funpark

 

Die Frage, wie Geflüchteten gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden soll, wird nach wie vor vielerorts in Deutschland diskutiert. Ein Skateprojekt aus dem thüringischen Mühlhausen macht vor, wie einfach Inklusion im Alltag gelingen kann.

 

"Musik öffnet die Herzen - Musik verbindet."

Foto: Pro Gospel e.V.

 

Neben den alltäglichen Problemen und Herausforderungen, die derzeit viele Geflüchtete bewältigen müssen, kann ein gemeinsames Hobby Sorgen für kurze Zeit vergessen lassen und Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen. So lädt der Berliner Verein ProGospel Geflüchtete zum gemeinsamen Singen ein.

 

Publikationen bestellen

Nachfragen, Klarstellen, Grenzen setzen.

 

In der neuen Handreichung der Amadeu Antonio Stiftung dient die AfD als Beispiel, um auf Möglichkeiten im Umgang mit Rechtspopulismus hinzuweisen. Neben Handlungsempfehlungen werden Anlaufstellen genannt, die Fort- und Weiterbildungen im Zusammenhang mit Rechtspopulismus anbieten und konkret weiterhelfen können.

 

Termine

11. Mai | Projektvorstellung | Berlin
Neues Jugendprojekt mit der Praxisstelle ju:an der Amadeu Antonio Stiftung gestartet: Der Evangelische Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf, das Erzbistum Berlin und das Ökumenische Gedenkzentrum Plötzensee starten in Kooperation mit der „ju:an“-Praxisstelle ein neues Modellprojekt zu Gedenkkultur in der Einwanderungsgesellschaft.
>mehr

12. Mai | Buchpremiere "Drei Steine" | Dortmund
Der Autor Nils Oskamp wird seine von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Graphic Novel "Drei Steine" erstmalig vorstellen. Begleitet wird die Präsentation von einer Podiumsrunde mit dem Journalist David Schraven dem Gründer und Leiter des Recherchebüros CORRECT!V, der auch Autor der Graphic Novel „Weisse Wölfe“ ist, in der er sich mit den Dortmunder Neonazis der neuen Generation beschäftigt. Mit dabei ist auch Timo Reinfrank, Stiftungskoordinator der Amadeu Antonio Stiftung.
>mehr

19. Mai | Fachtag | Leipzig
Der Fachtag "Chillen, WhatsApp, Freundinnen treffen…und montags zu PEGIDA! Rechtsaffine Mädchen* und präventive soziale Arbeit" richtet sich an Multiplikator_innen aus der Kinder- und Jugendhilfe in Sachsen, an Student_innen sowie alle Interessierten.
Im Rahmen des Workshops "Nur die Freundin* von?" hält Enrico Glaser von der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung einen Vortrag.
>mehr

19. Mai | Fachtag | Bremen
Auf dem Fachtag zur geschlechtergerechten Jugendarbeit mit dem Titel „Gleich? Anders? Beides? Oder mehr?“ wird Michael Rogenz die von der Praxisstelle ju:an der Amadeu Antonio Stiftung erarbeiteten 15 Punkte für eine Willkommensstruktur in Jugendeinrichtungen vorstellen und dabei einen besonderen Blick auf die geschlechterreflexive Jungenarbeit legen. Im Anschluss moderiert er den Thementisch „Solidarischer Support von queeren Geflüchteten“.
>mehr

20. Mai | Premiere der Graphic Novel "Drei Steine" | Berlin
Der Autor Nils Oskamp wird seine von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Graphic Novel "Drei Steine" und Frau Dr. Britta Schellenberg die dazugehörigen pädagogischen Begleitmaterialien vorstellen. Die Veranstaltung findet in der Amadeu Antonio Stiftung statt.
>mehr

23. Mai | Fachtag | Bad Segeberg
Im Rahmen des Fachtags „Flucht als Thema der Jugendarbeit“ des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung und des Landesjugendring Schleswig-Holstein gestaltet Judith Rahner von der Amadeu Antonio Stiftung einen Vortrag zum Thema „Inklusion, Diversity und Empowerment - Impulse für eine Willkommensstruktur in der Jugendarbeit“ und diskutiert anschließend in dem Workshop „Von der Willkommenskultur zur Willkommensstruktur: Was Jugendarbeit für junge Geflüchtete tun kann“ pädagogische Konzepte für eine Öffnung von Jugend(verbands-)arbeit.
>mehr

23. Mai | Workshop | Hameln
Im Rahmen des Workshops "Umgang mit rassistischen Aussagen in der Jugendarbeit" wird der Bildungsreferent des Praxisstelle ju:an der Amadeu Antonio Stiftung, Michael Rogenz, mit einem Input zunächst zentrale Begriffe klären und Ansätze der rassismuskritischen Jugendarbeit vorstellen. Im Anschluss werden wir uns in einer Gruppenarbeitsphase dem Thema konkret und praxisbezogen nähern.
>mehr

23. Mai | Vernetzungstagung | Celle
Auf der 6. Vernetzungstagung zur Förderung der zivilgesellschaftlichen Bündnis- und Netzwerkarbeit möchte sich die Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen mit dem Rechtspopulismus als „soziale“ Bewegung auseinandersetzen und gemeinsam mit Expert_innen aus verschiedenen Regionen Deutschlands Erfahrungen austauschen und Handlungsstrategien erörtern. Simone Rafael von Netz gegen Nazis der Amadeu Antonio Stiftung wird einen Workshop zur Sprachfähigkeit gegen Rechtspopulismus am Stammtisch halten.
>mehr

26.-29. Mai | Vorstellung der Graphic Novel "Drei Steine" beim inernationalen Comic Salon | Erlangen
Die von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Graphic Novel "Drei Steine" wird auch im Rahmen des internationalen Comic Salons vorgestellt. Auf der Bühne des Kleinen Saals in der Heinrich Lades Halle werden Originale, Studien, Dokumentation, Multimedia-Exponate und Leseproben zu sehen sein. Am Panini-Stand im gleichen Saal finden täglich Signierstunden mit dem Autor Nils Oskamp statt.
>mehr

27. Mai | Auftaktveranstaltung der "Woche gegen Rechts - für Demokratie" | Hannover
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der "Woche gegen Rechts - für Demokratie" in Hannover werden Golschan Ahmad Haschemi von der Praxisstelle ju:an der Amadeu Antonio Stiftung und Verena Mayer vom Mädchenhaus zwei13 ein Empowerment-Netzwerktreffen für Jugendliche und junge Erwachsene of color veranstalten.
>mehr

31. Mai | Workshop | Berlin
Im Rahmen der Tagung "Gegner*innenaufklärung - Informationen und Analysen zu Anti-Feminismus" des Gunda-Werner-Instituts in der Heinrich Böll Stiftung wird Judith Rahner von der Amadeu Antonio Stiftung einen Workshop zu dem Thema „Strategien im Umgang mit Antifeminismus: Konzepte antisexistischer und antirassistischer Jugendarbeit" leiten.
>mehr

02. - 04. Juni | Fachtag | Käbschütztal/Krögis
Im Rahmen eines dreitägigen Fachtags "Im Osten was Neues?! Interkulturelle Arbeit mit Mädchen* und jungen Frauen*" zum Thema Interkulturelle Mädchenarbeit begleitet Pasquale Rotter von der Amadeu Antonio Stiftung am 2. Juni 2016 einen Workshop mit dem Titel „Rassismuskritische Präventationsarbeit und Empowerment in der Mädchenarbeit“ (Arbeitstitel).
>mehr

 

Impressum

Copyright (c) 2016
Redaktionsschluss: 04. Mai 2016 

Amadeu Antonio Stiftung
Schirmherr: Wolfgang Thierse

info@amadeu-antonio-stiftung.de
www.amadeu-antonio-stiftung.de
Novalisstraße 12 | 10115 Berlin
Tel.: 030. 240 886 10
Fax: 030. 240 886 22

 

Spendenkonto der Amadeu Antonio Stiftung: 
GLS Bank | BLZ 43060967 | Konto 6005000000
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00 | BIC: GENODEM1GLS

Spenden


Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Redaktion: Timo Reinfrank (verantwortlich), Sofia Vester. Mitarbeit: Anna Brausam, Johannes Baldauf, Anetta Kahane, Mick Prinz.

 
 


Die Amadeu Antonio Stiftung wird als Bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

Spendenkonto

Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 00
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
BIC: GENODEM1GLS