Ausgabe Nr. 145, Oktober 2017

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

nun, die Wahlen sind vorbei und die AfD ist im Bundestag. Wir sind uns alle im Klaren darüber, dass dies eine Herausforderung für alle Demokraten wird. Die AfD wird mit Skandalen und weiteren Tabubrüchen in die Öffentlichkeit drängen, sie wird den parlamentarischen Alltag mit allerlei Schmutz prägen. Sie wird in den Ausschüssen und mit ihren Anfragen nerven und versuchen, die Debatten zu vergiften. Sie wird in den Gremien sitzen und viel Personal einstellen. Damit werden wir leben müssen. Doch ich hoffe vor allem eines: dass der Umgang mit diesen Leuten in Zukunft klüger, härter und gelassener zugleich sein wird. Denn mit ihren 12% ist die AfD zwar eine politische Kraft, aber nicht der Nabel der Welt! Die wichtigen Themen und Diskussionen der nächsten 4 Jahre dürfen nicht von völkischen Querulanten bestimmt werden. Also machen wir nicht den gleichen Fehler, wie es viele vor der Wahl taten. Kein Stöckchengehopse vor diesen Menschenfeinden.

12% der Deutschen haben diese Rassisten gewählt und das ist schlimm genug, weil sie sich mit ihrer Wahl bewusst dafür entschieden haben. Deshalb werden wir ihnen nicht mit Verständnis und Appeasement begegnen, sondern ihre Positionen bekämpfen! Nichts an dieser Wahlentscheidung ist mit irgendwelchen Umständen zu entschuldigen. Diese Wähler sind erwachsene Menschen und sie haben rassistische und teils demokratiefeindliche Auffassungen. Ihre Wut gehört weder zu irgendeiner Not, noch Angst, noch zu einer Folklore des Ostens. Ihre Entscheidung bedeutet, der modernen Demokratie und ihrer Vielfalt offen ins Gesicht zu spucken.

Gut zu wissen, was schon lange klar war. Bedauerlich ist nur, dass Politik und Medien erst diesen Zirkus durchmachen mussten, um sich der Erkenntnis zu stellen, dass es in Deutschland ein Problem mit Rechtsextremen gibt. Es so lange zu ignorieren, hat sich gerächt. Nun sitzen Braune in verschiedenen Schattierungen im Bundestag.

Wenn Sie sich fragen, was man tun kann, dann ist die Antwort: weitermachen. Das Patentrezept gegen völkische Ideologien ist eine überzeugende Zivilgesellschaft. Das bedeutet, Menschen zu aktivieren und in Bildung, Kompetenz und Vielfalt zu investieren. Ja, investieren, das ist das richtige Wort. Wer nicht selbst und persönlich Zeit und Kraft investieren kann, dem stehen auch andere Wege offen. Unterstützen Sie die örtlichen Initiativen, spenden Sie für gute Projekte. Manche Leute sagen, was bringen die Projekte denn, die AfD ist trotzdem stark geworden? Eine berechtigte Frage. Doch was sollte die Alternative sein? Nichts tun? Nein. Die Frage ist nicht, ob unsere Anstrengungen viel oder wenig genützt haben, sondern was geschehen würde, wenn sich die Demokraten resigniert zurückzögen.

Die Ergebnisse waren erschreckend, aber nicht überraschend, besonders im Osten. Doch insgesamt sind es sind nur 12%. Lassen wir uns davon nicht ablenken! Es geht nicht nur um die AfD. Die anderen Themen sind viel wichtiger. Die 12% mögen als bleierne Last an den Debatten hängen, dennoch müssen wir die Zukunftsthemen vorantreiben. Wirtschaft, Umwelt, Integration, Gehälter, Einwanderung, Infrastruktur, Digitalisierung - und sehr viel Bildung. Auch im Onlinebereich. Wir brauchen viel mehr und besseres Europa, wir brauchen sehr viel mehr Partizipation in den Kommunen. Regionales und globales Handeln müssen sich ergänzen. Diese Welt hat sich geändert, darauf kann man verschieden reagieren – gestaltend oder spaltend. Wir haben keine Lust auf Spaltung, die Menschen die Gleichwertigkeit abspricht und den freien Willen. Wir brauchen keine Identitätspolitik, die sich allein auf die Herkunft beruft. Wir wollen Themen, mit denen wir uns identifizieren und universalistische Werte, an die wir uns binden. Was wir brauchen ist ein echter Sinn für die Zukunft. Und Mut und Verstand, das unsrige zu tun, damit sie besser wird! Darum geht’s. Und nicht um die...Sie wissen schon.

Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane

 

Im Fokus

AfD macht Jagd auf Demokraten zum politischen Programm

 

Der Wahlerfolg der AfD war absehbar. Wie befürchtet, haben die ständigen Provokationen und Tabubrüche der AfD nicht abgeschreckt, sondern Wähler_innen mobilisiert. Gerade als starke Oppositionspartei wird die AfD das Parlament als Instrument und Bühne nutzen, polarisieren und Ängste schüren. Nichts anderes meint AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland, wenn er mit Blick auf die kommende Bundesregierung droht: "Wir werden sie jagen!"

 

Die Lüge von der Protestpartei

 

60 Prozent der AfD-Wähler_innen geben an, die Partei aus "Enttäuschung" gewählt zu haben. Nur 31 Prozent stehen laut Umfrage aus Überzeugung zu den Rechtspopulisten. Aber entspricht diese Selbsteinschätzung überhaupt der Wahrheit? Oder hat man es nicht zum Großteil eher mit ewiggestrigen Demokratieverweigernden zu tun, die für Rassismus, Antisemitismus und völkisches Denken stehen?

 

Parteien-Check: Hate Speech, Rechtsextremismus und Rassismus

 

Wie und wo wollen die Parteien eine klare Grenze zu Rechtsextremismus und Rassismus ziehen? Wie soll mit Menschenfeindlichkeit umgegangen werden? Belltower.news hat sich die Programme der Parteien im neuen Bundestag angesehen und auf ihren Inhalt in Sachen Rechtsextremismus und den Umgang mit Hate Speech untersucht.

 

Aus Schockstarre wird Aktion

 

Für viele, auch für uns, war das Wahlergebnis ernüchternd. Doch die Schockstarre wich schnell auch Hoffnung. Denn zahlreiche Menschen zeigten uns mit viel Zuspruch und Spenden für demokratische Initiativen Ihre Unterstützung. Ein ermutigendes Gefühl und ganz praktische Wertschätzung in stürmischen Zeiten.

 

Geförderte Projekte

Die Notwendigkeit der praktischen Arbeit für eine gelebte Demokratie vor Ort ist wieder deutlich sichtbar geworden. Und die Herausforderungen der Initiativen werden nicht kleiner, im Gegenteil. Jetzt ist der Zeitpunkt, dieses Engagement für die nächsten Jahre auf sichere Füße zu stellen. Mit Ihrer Spende helfen Sie uns, die Menschen dort zu unterstützen, wo sie tagtäglich für Vielfalt und eine offene Gesellschaft streiten. Herzlichen Dank für Ihren finanziellen Beitrag dazu!

Spenden

 

Jetzt erst Recht – Initiativen vor Ort stärken!

 

Das Engagement der vielen Initiativen und Projekte vor Ort, die sich für demokratische Werte und eine offene Gesellschaft einsetzen, wird immer wichtiger. Und sie werden auf eine neue Probe gestellt, denn sie werden mit mehr Gegenwind zu rechnen haben. Dank Ihrer Spende kann die Amadeu Antonio Stiftung Projekte unterstützen, die mit viel persönlichem Einsatz das Klima vor Ort zum Besseren wenden. Ein Überblick.

 

Opferfonds CURA hilft nach Angriff auf Engagierte in Mecklenburg-Vorpommern

 

Nur wenige Tage, nachdem eine Jugendgruppe aus Israel im ehemaligen Kleinbahnhof in Schmarsow untergebracht war, dringen Unbekannte in das Gebäude ein und hinterlassen einen Ort der Verwüstung – samt eingeritztem Hakenkreuz. Der Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung leistet schnell und unbürokratisch Hilfe.

 

Aktuelle Publikation

Positionieren. Konfrontieren. Streiten. Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD

 

Mit dem Einzug in den Bundestag muss sich der Umgang mit der AfD ändern. Themen, welche die AfD bislang dominiert hat, müssen neu angepackt und besetzt werden. Die Handreichung der Amadeu Antonio Stiftung ermutigt zur sicheren und inhaltlichen Auseinandersetzung mit Positionen und Strategien der AfD.

 

Termine

07.10.2017 I Konferenz: Connect - Willkommensstruktur trifft Selbtsorganisation I Berlin
Zum 2. Mal findet unserer große Konferenz Connect statt, in diesem Jahr gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung. Die Konferenz bietet eine Plattform, damit geflüchtete Menschen, Migrant_innen und deutsche Unterstützer_innen zusammen kommen, sich gegenseitig zuhören und gemeinsam diskutieren können. Es wird Podiumsdiskussionen und Workshops geben, die sich in diesem Jahr fragen, wie sich die deutsche (Zivil-)Gesellschaft für die Geflüchteten öffnet, wie wir Integration mittels Engagement fördern können und warum migrantische Selbstorganisationen einen elementaren Bezugspunkt für viele Geflüchtete bilden.
>mehr

09. bis 10.10. I „Odin mit uns!“ – Fachtagung zu Wikingerkult und Rechtsextremismus I (Schleswig-Holstein)
In vielen Bereichen, in denen angeblich authentische Darstellungen von Wikingern eine Rolle spielen, finden Rechtsextreme mit ihren Wertvorstellungen viele Anknüpfungspunkte. Die Fachtagung will aus multidisziplinärer Perspektive mit Expert_innen aus Theorie und Praxis den Verbindungslinien von Wikingerkult und Rechtsextremismus nachgehen. Mit dabei ist Enrico Glaser von der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung.
>mehr

27.10.2017 I 25 Jahre NSU: Aufklärung Verantwortung Erinnerung I Jena
Die Veranstaltung des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft untersucht die Vorläufer, Ursachen und Folgen des NSU-Terrors sowie den Umgang mit dem NSU-Komplex in Städten, in denen das rassistische Netzwerk Menschen tötete und verletzte. Außerdem wird über den Stand der juristischen und parlamentarischen Aufklärung sowie die Schlussfolgerungen für aktuelle Herausforderungen debattiert.
>mehr

06.11.2017 I Verleihung des Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2017 I Dresden
Der Sächsische Förderpreis für Demokratie ehrt seit 2007 jedes Jahr das Engagement der demokratischen sächsischen Zivilgesellschaft. Die ausgezeichneten Initiativen sind ein lebendiger Ausschnitt des vielfältigen Engagements in Sachsen für gelebte Demokratie.
>mehr

28.11.2017 I Verleihung des Amadeu Antonio Preis 2017 I Eberswalde
Zum zweiten Mal wird in diesem Jahr der Amadeu Antonio Preis für kreatives Engagement für Menschenrechte – gegen Rassismus und Diskriminierung vergeben. Mit ihm sollen Projekte gewürdigt werden, die sich gezielt mit künstlerischen Mitteln mit den Themen Rassismus, Menschenrechten und Diversität auseinandersetzen. Zugleich erinnern wir mit dem Preis an den gewaltsamen Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jahren und an die vielen weiteren Opfer rassistischer Gewalt.
>mehr
 

 

Impressum

Copyright (c) 2017
Redaktionsschluss: 28. September 2017

Amadeu Antonio Stiftung
Schirmherr: Wolfgang Thierse

info@amadeu-antonio-stiftung.de
www.amadeu-antonio-stiftung.de
Novalisstraße 12 | 10115 Berlin
Tel.: 030. 240 886 10
Fax: 030. 240 886 22

 

 

Spendenkonto der Amadeu Antonio Stiftung: 
GLS Bank | BLZ 43060967 | Konto 6005000000
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00 | BIC: GENODEM1GLS
 

Spenden


Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.


Redaktion: Robert Lüdecke, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Maximilian Kirstein, Franziska Schindler

 
 


Die Amadeu Antonio Stiftung wird zur Entwicklung als bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

Spendenkonto

Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 00
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
BIC: GENODEM1GLS