Mehr als 70 bunte Projekte gegen Nazis in 2011


Ermutigen, Beraten, Fördern – unter diesem Motto konnte die Amadeu Antonio Stiftung auch 2011 wieder zahlreiche Initiativen und Einzelpersonen unterstützen. Unseren Spenderinnen und Spendern sind wir dabei zu besonderem Dank und Transparenz verpflichtet.

Im Zuge der „Extremismusklausel“ und immer knapper werdenden finanziellen Mitteln im Bereich der Rechtsextremismusbekämpfung erlebte die Stiftung in diesem Jahr einen wahren Ansturm an Projektanträgen. Daraus die förderungswürdigsten und notwendigsten herauszusuchen, ist nicht immer leicht. Vor allem weil wir uns einem verantwortungsvollen Umgang mit Spenden verpflichtet fühlen.

Fast 200 Spenderinnen und Spender haben die Arbeit der Stiftung bis jetzt (Stand: 21.11.) mit insgesamt 165.139,41 Euro unterstützt und damit überhaupt erst ermöglicht. Die Spenden für die Förderung von kleinen Projekten und Initiativen machten dabei mit 125.475,90 Euro den größten Anteil aus. Für das Neonaziaussteigerprojekt EXIT im Rahmen der stern-Aktion „MUT gegen rechte Gewalt“ wurde ein Betrag von 25.935 Euro gespendet. „MUT gegen rechte Gewalt“ erhielt darüber hinaus 4.842,51 Euro an Spenden. Die Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ wurde mit 5.866 Euro bedacht, der Opferfonds CURA mit 3.020 Euro.

Insgesamt konnten mehr als 70 Projekte, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus und für eine demokratische Kultur einsetzen, durch die Spenden gefördert werden. Der Förderschwerpunkt liegt hier nach wie vor auf Initiativen, die sich dort gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus einsetzen, wo es sonst niemand tut. Besonders am Herzen lag uns in diesem Jahr die Förderung von Schulprojekten, denn die Mittel für demokratiefördernde Projekte in Schulen sind oft knapp bemessen. Dabei sind diese Projekte von unschätzbarem Wert – schließlich bildet die Schule für Kinder und Jugendliche einen wichtigen Sozialisationsraum.

Hector-Peterson-Schule Berlin

So konnten wir zum Beispiel die Hector-Peterson-Schule in Berlin bei einem Projekt zur Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit historischem und aktuellem Rechtsextremismus unterstützen. An der Hector-Peterson-Schule befindet sich eine Gedenktafel, welche an vier Lehrerinnen und Lehrer erinnert, welche von den Nazis entlassen, verfolgt und ermordet wurden. Vielen Schülerinnen und Schülern ist die Bedeutung der Tafel nicht bewusst gewesen – so entstand die Idee, ausgehend von der Tafel, eine Gedenktour durch Berlin-Mitte zu machen, um den Schülerinnen und Schülern so den Rassenwahn und Antisemitismus des Nationalsozialismus vor Augen zu führen. Interessant an diesem Projekt ist, dass die Schülerinnen und Schule alle einen Migrationshintergrund haben, vor allem beim Antisemitismus konnte so auf nicht nur in Deutschland herrschende Stereotypen eingegangen werden. Ein weiteres Schulprojekt, das wir in diesem Jahr unterstützten, war „Kinder in Theresienstadt“ der Arbeitsgemeinschaft Geschichte der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Weinheim.

 
Nazikneipen laut und bunt# Kein Ort für Neonazis

„Aktion Ladenschluss“

Die Kampagne "Aktion Ladenschluss" des Friedenskreises Halle e.V. verdient ebenfalls besondere Erwähnung. Sie thematisiert die Bedeutung von beliebten Neonazimarken. Die Initiative konzentriert sich dabei konkret auf die Aufklärung der lokalen Bevölkerung über den Laden „Oseberg“ im Zentrum der Stadt Halle (Saale). Durch Workshops zum Thema „Thor Steinar und neonazistisches Gedankengut“ konnten ungefähr 340 Jugendliche an mehreren Schulen in und um Halle erreicht werden. „Viele Jugendliche sind ins Nachdenken gekommen. Wir hatten auch einige ‚Thor Steinar’-Träger bei den Workshops – die meisten von ihnen wissen schon ziemlich genau, was sie da tragen. Aber vor allem die jüngeren Träger in der achten und neunten Klasse machen sich nicht sehr viele Gedanken darüber, insofern hoffen wir natürlich diese noch zu erreichen“, resümiert Sandra vom Friedenskreis Halle e.V.

Herzlichen Dank an alle Stifter und Spender

Der Dank für die vielen Jugendprojekte, Aufklärungsaktionen, Infoveranstaltungen, kommunalen Projekte, Flugblattverteilungen und bunten Kampagnen gebührt den Spenderinnen und Spendern, Stifterinnen und Stiftern der Amadeu Antonio Stiftung. Wir würden uns auch über weitere Unterstützung im laufenden Jahr freuen.

Geförderte Projekte:

  1. Förderung des Projekts der ifak e.V.: „nicht deutsch - abgelehnt?“ um die Auswirkungen von Rassismus und Abschiebung in Deutschland zu reflektieren.
  2. Zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus wird die Ausstellung "Regina Jonas - 75 Jahre Ordination zur Rabbinerin" der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum unterstützt.
  3. Förderung der Hector-Peterson-Schule in Berlin bei einem Projekt zur Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit historischem und aktuellem Rechtsextremismus.
  4. Förderung des Gymnasiums bei St. Anna bei der Umgestaltung zu einer Informationsschule gegen Rechtsradikalismus.
  5. Unterstützung des Vereins zur Förderung kommunikativer Eingriffe beim Projekt "Conzepte. Neuen Fassungen politischen Denkens" zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus
  6. Bündnis gegen Rechts Trier: Antirassistische Kampagne für Demokratie und kulturelle Vielfalt Label Noir: antirassistisches Theaterspiel in Bremen und anschließende Diskussion mit Schülerinnen und Schülern
  7. ZDK – Gesellschaft für demokratische Kultur: „Demokratie stärken – Auseinandersetzung mit Islamismus und Ultranationalismus“  in Berlin
  8. Bund der Pfadfinderinnen & Pfadfinder e.V.: Vortrag in Berlin über völkische und rechtsextreme Gruppen zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus
  9. Unterstützung des RAA Sachsen e.V. bei dem Publikationsprojekt "Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini" zur kritischen Auseinandersetzung mit neonazistischer Gewalt besonders in Sachsen
  10. Förderverein der Gedenkstätte Ahlem: Projekt „Rukeli oder die Regeln des Respekts" in dem Jugendliche  den Nationalsozialismus reflektieren sollen, um so ein besseres Miteinander gestalten zu können.
  11. Unterstützung des KIEZ e.V. bei der Kampagne "Stolpersteine in Dessau Roßlau 2011" zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus.
  12. Politische Jugendverbände Worms: "Game Over Nazis" zur politisierung Jugendlicher in Worms gegen Nazis
  13. Unterstützung Aktion Zivilcourage e.V. in Pirna ein FSJ Politik anzubieten damit Jugendliche politische Prozesse und Strukturen kennenlernen können (MUT)
  14. Evangelische Gemeinde Joachimsthal: antirassistisches Musikprojekt BAFF (Bands auf festen Füßen) (MUT) zur Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus
  15. mehr als lernen e.V.: Jugendmediencamp mit Schwerpunkt Rechtsextremismus (MUT) 
  16. ZDK Gesellschaft für demokratische Kultur GmbH: Förderung der Neonaziaussteigerinitiative EXIT (MUT)
  17. Miteinander e.V.: „Kein Ort für Neonazis“-Kampagne in Sachsen Anhalt (MUT) 
  18. DJR Jena e.V.: Antirassismustraining für MultipikatorInnen in Jena (Thüringen) (MUT) 
  19. Diakonisches Werk Havelland e.V.: Laut & Bunt-Festival: Das Festival soll junge Wäherlinnen und Wähler über rechtsextremes Gedankengut der NPD aufklären (MUT)
  20. THO Hilfsdienst für Opfer rechtsextremer Gewalt: Entschädigung eines Opfers rechter Gewalt (CURA)
  21. Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung e.V.: Unterstützung einer Kampagne wegen rassistischer Diskriminierung beim Zugang zu Diskotheken (CURA)
  22. AUFANDHALT: Weiterförderung: Netz von betroffenen rechtsextremer Gewalt und rassistischer Diskriminierung (CURA) 
  23. Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt: finanzielle Hilfe für Betroffene rechter Gewalt (CURA)
  24. Opferperspektive: Fahrtkostenübernahme für Rechtsanwaltsbesuch eines Betroffenen rechter Gewalt (CURA)
  25. Arbeit und Leben: Filmprojekt „Neonazistinnen – Frauen als rechte Täterinnen. Zur Auseinandersetzung mir Frauen im Rechtsextremismus (Lola für Lulu)
  26. Jugendkulturnetz Ludwigslust e.V.: „Grrrrls statt Groupies“. Zur Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau in der neonazistischen Szene (Lola für Lulu)
  27. Kultur mit Sahne e.V.: „Keine Stimme für Nazis!“ zur Aufklärung der Wahlkampfmethoden der NPD (Kein Ort für Neonazis) 
  28. Soziale Bildung e.V.: Jugendbildungsprojekte gegen Rechtsextremismus und Rassismus in M-V. Förderung von Workshops an verschiedenen Schulen (Kein Ort für Neonazis)
  29. Bürgerbündnis Quedlinburg: Kampagne gegen den Einzug der NPD in den Landtag Sachsen-Anhalt  (Kein Ort für Neonazis) 
  30. Berufsbildende Schule Salzwedel: Kein Ort für Neonazis, Biographischer Vortrag eines Aussteigers aus der rechten Szene und anschließende Diskussion (Kein Ort für Neonazis)
  31. Afrikanischer Kulturverein "Palanca" e.V. Finanzierung von Räumen und Schulprojekten
  32. Grüne Hochschulgruppe Magdeburg: Konzert mit Ira Atari "Laut gegen Nazis"  zur Auseinadersetzung mit der neonazistischen Szene (Kein Ort für Neonazis)
  33. filmArche e.V.: "Tanzende Erinnerungen", mit dem Ziel politisches Interesse auch außerhalb von schulischen Institutionen und Massenmedien
  34. Förderverein tolerantes Sachsen e.V.: "Alles inklusive - von der Normalität des Unterschieds" zur Schaffung von politischen Partizipationsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten (MUT)
  35. Arbeit und Leben, Landesarbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V.: Rechtsextremismus in MV - Strategien, Inhalte, Personen: Workshops, die sich gezielt mit der Hetze gegen Polen auseinandersetzen
  36. Förderverein zum Gedenken an die Naziverbrechen auf und um das Tempelhofer Flugfeld e.V.: Informationsveranstaltungen zum Tempelhofer Feld
  37. Mideast Freedom Forum e.V.: Veranstaltungsreihe "Die 2. Gaza Flotilla und die aktuelle Situation in Gaza"
  38. LOBBI Ost: Broschüre "Gesicht zeigen!?" - Handreichung zum Umgang mit bedrohlichen Situationen im Umgang mit Neonazis (Kein Ort für Neonazis)
  39. Friedenskreis Halle e.V.: Kampagne "Aktion Ladenschluss" in Halle/Saale gegen von Neonazis häufig getragende Kleidermarken und neonazistisches Gedankengut
  40. SJD - Die Falken: Ausstellung "Invisible Borders" in Luckenwalde mit dem Thematischen Schwerpunkt "Flucht, Migration und Asyl"
  41. Mensch und Sound im Kollektiv, IKuWo: Kundgebung "Im Freien Befreiung feiern", Greifswald (Kein Ort für Neonazis)
  42. Jüdische Gemeinde Landkreis Barnim e.V.: Reperaturen, Einrichtung von Sicherheitssystemen (CURA)
  43. Kulturbüro Sachsen e.V.: Buchprojekt "Arbeit für demokratische Kultur ist Arbeit gegen Rechtsextremismus"
  44. Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum e.V. "Wintertagung in Leipzig vom 25 - 27. März 2011"
  45. Verein zur Förderung der Schule des Alexander von Humboldt Gymnasiums e.V. "Banner zum 1. Mai" (Kein Ort für Neonazis)
  46. AWO Landesverband Schleswig-Holstein e.V.: Kostenübernahme einer Glasrechnung, die in Folge eines antisemitischen Angriffs auf eine Familie entstanden ist (CURA)
  47. Soziale und politische Bildungsvereinigung L.-O. e.V.: Unterstützung des Workshops "Stay Rebel 2011"
  48. Förderverein Netzwerk Selbsthilfe e.V. : Förderung  des Festivals "MV Rock" zur politischen Motivation für Jugendliche
  49. Evangelische Kirchengemeinde Joachimsthal: Unterstützung des Projekts "Spiel Grenze"
  50. Kulturbüro Sachsen e.V.: Förderung der Ringvorlesung "Gesellschaftliche Umfeldbedingungen von Rassismus"
  51. Opferperspektive e.V.: Kostenübernahme für einen Sprachkurs zur psychosozialen Stabilisierung eines Opfers rassistischer Gewalt (CURA)
  52. Aktion Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Schleswig-Holstein e.V.: Übernahme von Prozesskosten
  53. Förderung der ostdeutschen Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zum Themenfeld "lokale Intervention" und Vernetzungstreffen
  54. IIBSA International Insitut for Education and Research on Antisemitism: Förderung des Projekts "Perceptions of the Holocaust and contemporary antisemitism"
  55. Initiative zur Förderung der Waldorfpädagogik Greifswald e.V.: "Banner  zum 1. Mai" (Kein Ort für Neonazis)
  56. Förderung des größtem jüdischen Volksfestes, dem Limmud Festival 2011 am Werbellinsee in Brandenburg zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus.
  57. Förderung der Kampagne "Wake up - Stand up! Keine Stimme den Nazis in MV" des Bund Deutscher PfadfinderInnen in Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen des aktuellen Wahlkampfes in MV.
  58. Hilfe für SJD - Die Falken beim Wiederaufbau des abgebrannten Anton-Schmaus-Haus in Neukölln in Folge eines politisch motivierten Anschlags (CURA)
  59. Förderung einer Fortbildung der ostdeutschen Beratungsstellen für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt durch die Opferperspektive Potsdam zum besseren Umgang mit rassistischer Gewalt
  60. Studententheater EMAU Greifswald e.V.: Förderung des Projektes "Mensch sein. Auch Du bist Antifaschist - für eine demokratisch-freiheitliche Gesellschaft"
  61. Augen auf e.V. Zittau: Förderung des Projektes Klausels Extremis Mus
  62. Dietrich-Bonhoeffer-Schule Weinheim: Förderung des Projektes der Arbeitsgemeinschaft Geschichte: "Kinder in Theresienstadt"
  63. Sophie Medienwerkstatt Ruhetal: Förderung von "Rock gegen Rechts - Wählen gehen für mehr Demokratie"
  64. Workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.: Förderung des Temporären Denkmals für den sinto-deutschen Boxer Johan "Rukeli" Trollman
  65. Kultur- und Begegnungszentrum "Ariowitsch-Haus" Leipzig: Förderung der Ausstellung "Israelfeindliche Karikaturen in der Presse der DDR"
  66. RAA Leipzig e.V.: Unterstützung für Messaoud Semoud (CURA)
  67. RAA Leipzig e.V.: Unterstützung für Familie von Kamal Kilade (CURA)
  68. Aktion Zivilcourage e.V. Pirna: Förderung des Freiwilligen Sozialen Jahres Politik 2012 (MUT)
  69. Förderung eines Jugendkongresses in Greifswald vom 28.-30.10. (Kein Ort für Neonazis)
  70. Evangelische Kirchengemeinde Joachimsthal: Förderung des Projektes "Brücken aus Musik" (MUT)
  71. HATiKVA e.V. Dresden: Förderung des Projektes "Ehe im Schatten"
  72. RAA Sachsen: Förderung des Projektes "Quadratkilometer Bernsdorf"
     
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