"Aufandhalt" hilft Opfern rassistischer Gewalt

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

"Aufandhalt" hilft Opfern rassistischer Gewalt

© AufAndHalt e.V.

Infostand von AufAndHalt

 

„Die zunehmende Präsenz der rechtsextremen Szene geht einher mit einer erschreckenden Zunahme von zum Teil exzessiver Gewalt“, sagt Christel Wagner-Schurwanz von AufAndHalt e.V. zur Lage im thüringischen Gera. Der Verein engagiert sich seit über fünf Jahren in Thüringen für Betroffene von rechtsextremer Gewalt. Öffentlichkeit schaffen nicht für die Täterinnen und Täter, sondern für die Opfer rechtsextremer Gewalt ist das Ziel. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten Unterstützung, Beratung und Begleitung bei rassistischen Übergriffen.

2005 fing alles an: damals kauften Rechtsextreme eine Immobilie in Gera. Seitdem werden regelmäßig Menschen verletzt, beleidigt und bedroht. Kameradschaften und sogenannte „Autonome Nationalisten“ sind als neue Gewalttäter in der Stadt zu beobachten. Die NPD sitzt im Stadtrat von Gera und in allen Kreistagen in Ostthüringen. Seit mehreren Jahren ist Gera auch Schauplatz des Rechtsrock-Festivals „Rock für Deutschland“, das 2009 eine Reihe bekannter Neonazigrößen und ca. 4 000 ihrer Anhänger in die Stadt zog und damit eine der größten Neonazi-Veranstaltungen in Deutschland ist. Doch von Seiten der Stadt werde die Präsenz von Rechtsextremen gerne verschwiegen, wohl um den „Standort Gera“ nicht zu gefährden: „Ich habe den Eindruck, dass der rechtsradikale Hintergrund bei vielen Angriffen rechtsextremer Gewalt weggelassen wird, um die Statistik zu verschönern. Es gibt für mich keinen anderen Grund da drin zu sehen. Für die Opfer ist das natürlich ganz, ganz schlimm. Sie fühlen sich doppelt oder fast dreifach allein gelassen.“, sagt Wagner-Schurwanz.

Hilfe für die Opfer

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von AufAndHalt wollen den Aktivitäten der Rechtsextremen nicht tatenlos zusehen. Unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung setzen sie sich aktiv gegen die Neonaziszene in Gera zur Wehr und ermutigen andere, es ihnen gleich zu tun. Ein Schwerpunkt des Vereins ist die kostenlose Opferberatung. Seit Juli 2008 wurden in 14 Fällen Menschen von rechtsradikalen Schlägertrupps attackiert oder bedroht. Ende Juni wurde ein Mann in Greiz von zwei stadtbekannten Neonazis in seiner eigenen Wohnung überfallen und mit einem Feuerlöscher bedroht. Er wird inzwischen von Mitarbeitern des Vereins betreut.
Ein zweites wichtiges Aufgabengebiet des Vereins ist die Öffentlichkeitsarbeit. In Gymnasien, gewerblichen Schulen und überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen halten die Mitarbeiter des Vereins Vorträge zum Thema Rechtsextremismus und der rechten Szene vor Ort. Mittlerweile fragen auch Sozialverbände, Parteien, kirchliche Einrichtungen und Gewerkschaften den Verein für Informations- und Bildungsarbeit an. Regelmäßig organisiert AufAndHalt Diskussionsrunden im „OK Gera“, dem lokalen Fernsehsender, an der sich auch die Bürger der Stadt beteiligen können. Im Vorfeld der Wahl engagierte sich der Verein im Rahmen der von der Amadeu Antonio Stiftung initiierten Aktion „Kein Ort für Neonazis in Thüringen“, die zur Wahl demokratischer Parteien aufrief. In der Nacht zum Wahltag wurden beispielsweise alle Wahlplakate der demokratischen Parteien in Greiz mit deren Einverständnis mit „Kein Ort für Neonazis“-Plakaten überklebt.

Geschlossenes Vorgehen gegen Rechtsextremismus notwendig

AufAndHalt unterstützt auch andere Akteure vor Ort, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, indem sie ihnen Räume und Infrastruktur zur Verfügung stellt. Mit der Thüringer Opferhilfe und Mobit besteht eine enge Kooperation. Auch wenn die Wahrnehmung der Rechtsextremen in Öffentlichkeit und Presse laut AufAndHalt ein wenig zugenommen hat – finanzielle Unterstützung durch die Stadt erhalte der Verein nicht, aus der Verwaltung schlage ihnen oft Misstrauen entgegen. Wenn sich die Zivilgesellschaft nicht stärker formiere, könnte das schlimme Folgen haben für die Stadt, sagt Wagner-Schurwanz. „Wir wollen und werden nicht tatenlos zusehen, wenn Neonazis sich immer fester etablieren.“

Von Verena Haßler

 

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