Ein kleines Land ganz groß in der Arbeit gegen Rechts

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Ein kleines Land ganz groß in der Arbeit gegen Rechts

"Cheeno" war eine von zahlreichen Bands, die beim erfolgreichen "Aktionstag gegen Rechts" im Saarland auftraten - gefördert von der Amadeu Antonio Stiftung ©Jennifer Sick, Saarbrücker Zeitung

 

Die stern-Aktion "Mut gegen rechte Gewalt" fördert Projekte, die sich kreativ gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus engagieren. Zum Beispiel den erfolgreichen „Aktionstag gegen Rechts“ im Saarland, organisiert vom Netzwerk für Demokratie und Courage Saar.  

Am letzten Schultag vor den Sommerferien wird im Saarland immer noch gelernt. Doch die Jugendlichen drücken an diesem Tag nicht die Schulbank, sondern rocken gemeinsam gegen Rassismus – und erfahren nebenbei viel Wissenswertes über das Thema Rechtsextremismus und über Initiativen, die sich mit Mut und Ideenreichtum dagegen engagieren. Bereits zum sechsten Mal fand jetzt im Saarland ein „Aktionstag gegen Rechts“ statt, und der Erfolg war auch in diesem Jahr überwältigend. Über 4000 Schülerinnen und Schüler besuchten am 27. und 28. Juni die insgesamt fünf Standorte im gesamten Saarland. Einer davon war das Bosenbachstadion in St. Wendel, wo zahlreiche regionale Bands mit ihren Auftritten für eine ausgelassene Stimmung sorgten. Die Besucher konnten sich auf Flugblättern und Plakaten über Aktivitäten gegen Rassismus und Rechtsextremismus informieren.

„Wir wollen auch in diesem Jahr mit unserem Aktionstag ein Zeichen gegen Rassismus und für eine tolerante, offene und couragierte Gesellschaft setzen“, so Holger Meuler, Vorsitzender des Netzwerks für Demokratie und Courage Saar e.V. Der Verein ist Hauptorganisator des Festivals, das neben St. Wendel auch in Saarbrücken, Saarlouis und weiteren Städten seine Zelte aufgeschlagen hatte. Doch warum eigentlich ein Aktionstag gegen Rechts im Saarland? Sind Neonazis und organisierter Rechtsextremismus nicht in erster Linie ein Problem Ostdeutschlands?

Zunehmende Vernetzung rechtsextremer Kräfte im Saarland

Weit gefehlt. Auch im Saarland – wie in ganz Südwestdeutschland – wird mit Sorge eine zunehmende Vernetzung der rechtsextremen Szene beobachtet. Sowohl die NPD als auch Freie Kameradschaften verzeichnen steigende Mitgliederzahlen und versuchen, teilweise mit Erfolg, in der Region Fuß zu fassen. Nur drei Beispiele:

  • Die bundesweit agierende Kameradschaft Saarlautern mit Sitz in Saarlouis fällt immer wieder durch Gewalttaten auf, kooperiert eng mit der NPD Saar und unterhält gute Kontakte zur Szene im gesamten südwestdeutschen Raum und zur rechten Musikszene;
  • 2004 verfehlte die NPD nur knapp den Einzug in das sarländische Landesparlament: die Partei erhielt damals immerhin 4 % der Stimmen, wobei insbesondere junge Wählerinnen und Wähler zu diesem Erfolg beitrugen (13 % unter den Erstwählern stimmten für die NPD!);
  • Die NPD ist mittlerweile mit Sitzen in zwei Kommunalparlamenten in Saarbrücken und einer Fraktion im Völklinger Stadtrat vertreten und damit im Großraum Saarbrücken fest verankert; ähnlich wie auch in Brandeburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen richtet die Partei ihre Kampagnen verstärkt auf Jugendliche und Familien aus, organisiert beispielsweise Sommerfeste und verteilt an Schulen eigene CDs mit rechtsextremer Musik.
 

Prävention gegen Menschenfeindlichkeit – eine gesellschaftliche Daueraufgabe

Auf diese beunruhigende Situation hinzuweisen ist das Hauptanliegen des „Aktionstages gegen Rechts“. Das Netzwerk für Demokratie und Courage Saar kann dabei auf eine mehrjährige Erfahrung in diesem Themenbereich zurückblicken. Zahlreiche Jugendverbände haben sich in diesem saarlandweiten Netzwerk zusammengeschlossen, so unter anderem der Juso Landesverband und die AWO-Jugend Saar. Seit 1999 gibt es die Projekttage „Für Demokratie Courage zeigen“, die in der Absicht entstanden sind, in Schulen, Berufsschulen und Jugendeinrichtungen über antidemokratische Tendenzen, Rassismus und Rechtsextremismus aufzuklären und Jugendliche über ihre demokratischen Grundrechte zu informieren. In den Projekttagen kommen „frische, jugendgemäßige und zum Teil spielerische Methoden zum Einsatz“, so die Initiatoren. Das heißt konkret: die Meinungen der Jugendlichen werden ernst genommen, der erhobene Zeigefinger der Projektleiter kann sich ausruhen. Die jugendlichen, ehrenamtlich arbeitenden Teamer wissen, wovon sie sprechen und finden die richtigen Worte, wenn sie mit den Jugendlichen diskutieren. Die Zielgruppe sind junge Leute, die noch kein gefestigtes rechtsextremes Weltbild haben – sie sollen ermutigt werden, sich zu engagieren und nicht wegzusehen, wenn rassistisches Gedankengut verbreitet und rechtsextreme Gewalt ausgeübt wird.

Mit dem landesweiten Aktionstag vor den großen Ferien setzt das Netzwerk ein wichtiges Zeichen für Zivilcourage und demokratische Vielfalt, und das seit nunmehr fünf Jahren. Das Projekt entstand 2003 aus Einzelinitiativen im Landkreis St. Wendel, mittlerweile ist es im südwestdeutschen Raum das größte Event gegen Rechtsextremismus am letzten Schultag. Begleitend zum Aktionstag verstärkt das Netzwerk für Demokratie und Courage sein Angebot an Schulprojekttagen, um im Vorfeld der Veranstaltung die wichtigen Themen in den Mittelpunkt zu stellen. Der langfristige Ansatz ist einer der Gründe, warum "Mut gegen rechte Gewalt" (ein Projekt des Magazin stern und der Amadeu Antonio Stiftung) den Aktionstag unterstützt. Die Veranstaltung leistet einen Beitrag zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Daueraufgaben: präventiv und langfristig gegen menschenfeindliche Einstellungen und organisierten Rechtsextremismus wirken – denn die Neonazis schlafen nicht, sondern versuchen zunehmend, in der Mitte der Gesellschaft Fuß zu fassen. Und das nicht nur in Hoyerswerda, Angermünde oder Magdeburg. Sondern eben auch im Saarland.

Jan Schwab

 

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