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Was haben zehn Jahre Stiftungsarbeit gegen Rechtsextremismus bewirkt? Diese Frage diskutierten im Deutschen Bundestag Wolfgang Thierse, Anetta Kahane, Friedemann Bringt und Jörn Menge (Foto: J. Schwab)

10 Jahre Amadeu Antonio Stiftung - eine Bilanz


Vor zehn Jahren wurde in Berlin die Amadeu Antonio Stiftung gegründet - um kleine Initiativen für Zivilgesellschaft und demokratische Kultur zu ermutigen, zu beraten und zu fördern. Auf einer Pressekonferenz im Deutschen Bundestag zog die Stiftung heute Bilanz: Was hat sich seit 1998 verändert? Und was ist noch zu tun?






Die Frage an den Gastgeber musste ja kommen: Warum er vor zehn Jahren Schirmherr der Amadeu Antonio Stiftung geworden sei, wurde Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse gleich zu Anfang der Pressekonferenz gefragt, die in einem Konferenzsaal des Bundestags stattfand. Seine Antwort: Das sei doch „selbstverständlich“. Er habe „nicht glauben wollen, dass Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit der Preis für die Wiedervereinigung sein sollten“. Deshalb sei es für ihn selbstverständlich gewesen, sich auf diesem Feld zu engagieren und Initiativen wie der Amadeu Antonio Stiftung zu „kontinuierlicher Aufmerksamkeit für ihre gesellschaftspolitisch wichtige Arbeit zu verhelfen“.

Unter den Projekten der Stiftung habe ihm besonders die Aussteigerinitiative EXIT und der Opferfonds Cura, ein Hilfsfonds für Opfer rechter Gewalt, imponiert, denen er mehr Unterstützung wünsche – und der Stiftung „wohlmögende Stifter“ für eine Kapitalerhöhung. Als er vor einigen Jahren gewarnt habe, das Problem des Rechtsextremismus und Rassismus setze sich in der Mitte der Gesellschaft fest, sei die Reaktion Empörung gewesen, vor allem seitens der CDU. Das sei heute gänzlich anders. In den vergangenen zehn Jahren sei „das Problembewusstsein für Rechtsextremismus zwar gewachsen, das Problem allerdings nicht kleiner geworden“, sondern „bürgerlicher“ und daher nicht mehr an einer Glatze erkennbar.

 

"Zahlreiche Projekte sind durch die Unterstützung der Stiftung erst möglich geworden": Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen (re.), Foto: J. Schwab

Genau dies sei die Herausforderung für die Gesamtgesellschaft, in der sich auch Unternehmer nicht mehr verstecken sollten. Denen sei jedoch „Demokratie zu politisch“, habe ihr einmal ein Industrievertreter geantwortet, den Anetta Kahane um Unterstützung bat.

Die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung zog eine zwiespältige Bilanz. Es sei ein "sehr großer Erfolg", dass in Städten wie Hoyerswerda und Eberswalde kaum noch organisierte Aktivitäten von Neonazis möglich seien, allerdings gebe es "noch eine Menge zu tun". In einem Jahr, in dem deutschlandweit fünf Menschen von Rechtsextremisten getötet wurden, sei es schwer, eine positive Bilanz zu ziehen.

Kahane sagte, vor zehn und auch noch fünf Jahren habe es als "unfein" und "linksextremistisch" gegolten, überhaupt von Problemen mit Neonazis zu sprechen, obwohl sie jeder mit offenen Augen wahrnehmen konnte. Das habe sich mittlerweile geändert.

 

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung Anetta Kahane (Foto: J. Schwab)

Die Unterstützung durch die Amadeu Antonio Stiftung sei für zahlreiche Projekte existenzermöglichend und lebensrettend gewesen, um überhaupt an die Öffentlichkeit treten zu können, berichtete Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen. Kleinspenden in Höhe von oftmals nur 500 oder 1000 Euro erwiesen sich als sehr nützlich, vergleichbar mit "Mikrokrediten".

Jörn Menge, der in Hamburg die Kampagne "Laut gegen Nazis" leitet, berichtete von einem "steigenden Alltagsrassismus". Gleichzeitig rief er die Wirtschaft dazu auf, Initiativen gegen Rechts stärker zu unterstützen. Als er kürzlich bei 200 Unternehmen um Geld warb, habe die Erfolgsquote bei 0,5 Prozent gelegen. Eine Gastronomen-Umfrage habe ergeben, dass 60 Prozent unter ihnen Rassismus an ihren Kneipentischen zu hören bekämen. Dagegen mache jetzt eine Gastronomenoffensive mobil - ebenfalls unterstützt von der Amadeu Antonio Stiftung.

Holger Kulick


Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens gibt die Stiftung eine Zeitung heraus - hier für Sie kostenlos zum Downloaden:
"Ermutigen" (PDF, 1.917 KB) (PDF-Dokument, 1.9 MB)

Hier erfahren Sie mehr über 10 Jahre Engagement für Demokratie:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/10-jahre  

 

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