Opfer rechtsextremer Gewalt müssen ihre schlimmen Erlebnisse verarbeiten, um in ein normales Leben zurückfinden zu können. Doch häufig stehen sie damit ganz alleine da, viele Betroffene ziehen sich aus Angst fast völlig aus der Gesellschaft zurück. Genau hier setzt die Arbeit der „Opferperspektive“ an, die dies verhindern und die Opfer stärken will.
Der von der Amadeu Antonio Stiftung unterstützte Verein Opferperspektive setzt sich für Opfer rechtsextremer Gewalt ein. Er unterstützt die Betroffenen und versucht, sie in ein normales Leben zurückzuführen. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Potsdam wurde 1998 gegründet. Ziel war es, dem Verharmlosen und Verschweigen von Rechtsextremismus und rechtsextrem motivierten Gewalttaten die Solidarität mit den Opfern entgegen zu stellen und den Überfällen dadurch so gut wie möglich die Wirkung zu nehmen. 2000 entstand dann aus dieser Initiative die erste Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Deutschland. Dafür erhielt der Verein im selben Jahr die Carl-von-Ossietzky-Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte und 2003 den „Aktiv für Toleranz und Demokratie“-Preis. Ab 2001 wurde die Opferperspektive vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „CIVITAS – initiativ gegen Rechtsextremismus“ gefördert. Die Arbeit des Vereins bildete darüber hinaus den Ausgangspunkt für den Aufbau vergleichbarer Einrichtungen in den vier anderen neuen Bundesländern und in Berlin.
Die Arbeit der Opferperspektive besteht hauptsächlich darin, die Opfer nach einem Übergriff zu unterstützen und vor allem Perspektiven für die Zeit danach zu entwickeln. Die Betroffenen sollen sich nicht aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen. Die Berater des Vereins suchen die Opfer direkt auf und begleiten sie, um ihnen zu helfen, die Tat zu verarbeiten. Sie kümmern sich dabei gleichzeitig auch um Angehörige, Freunde und Zeugen. Rechtsextreme Gewalt hat immer gesellschaftliche und politische Ursachen. Aus diesem Grund beschränkt sich die Opferperspektive nicht darauf, nur den Opfern zu helfen, sondern erarbeitet Unterstützungs- und Präventionsmaßnahmen vor Ort, damit die Perspektive der Opfer in der öffentlichen Diskussion gestärkt wird. Durch den Solidarisierungsprozess mit den Opfern soll rechtsextremen Straftaten präventiv entgegen gewirkt werden.
Solidarisierung mit Opfern rechter Gewalttaten
Ein anderer Teil der Arbeit ist das Monitoring. Die Opferperspektive veröffentlicht eine fortlaufende Chronologie rechter Gewalttaten in Brandenburg sowie Statistiken und Analysen über die Entwicklung rechter Gewalt. Es gibt inzwischen auch die bundesweite Wanderausstellung „Opfer rechter Gewalt“, die an Vereine, Initiativen und Institutionen verliehen wird. Die Ausstellung porträtiert 136 Menschen, die zwischen 1990 und 2005 Opfer rechter Gewalt wurden. Außerdem organisiert der Verein zahlreiche Veranstaltungen und Seminare zum Thema.
Die Opferperspektive verknüpft die Opferberatung und das Monitoring mit politisch-sozialen Interventionen. Die Gesellschaft soll sich mit den Opfern solidarisieren und dadurch gleichzeitig jegliche Form von Rechtsextremismus und Gewalt verurteilen. Durch die Solidarisierung wird ein klares Zeichen für die Menschenrechte gesetzt, „damit jeder Mensch, gleich welchen nationalen, ethnischen, religiösen, sexuell-orientierten oder weltanschaulichen Hintergrunds, frei und ohne Angst sich bewegen und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann“ (Opferperspektive e.V.).
Sarah Köneke
Weitere Informationen finden Sie unter: www.opferperspektive.de
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