„Engagement älterer Bürger gegen Rechtsextremismus im Internet“: Einbeziehen, fordern, fördern

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„Engagement älterer Bürger gegen Rechtsextremismus im Internet“: Einbeziehen, fordern, fördern

Im Rahmen der diesjährigen "Woche des bürgerschaftlichen Engagements" startete das Internetportal Netz-gegen-Nazis.de Anfang Oktober das Projekt "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis" und ist damit auf großes Interesse gestoßen. Am 03. Dezember lud sie zum Fachgespräch zum Thema "Engagement älterer Bürger gegen Rechtsextremismus im Internet", u.a. mit Professorin Rita Süßmuth, Bundestagspräsidentin a.D. und Professor Andreas Zick, Universität Bielefeld.
 

Das Projekt "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis" möchte die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen fördern, den Dialog der Generationen ermöglichen, die demokratische Diskussionskultur im Internet und das ehrenamtliche Engagement stärken.
 

Anlässlich eines Fachgesprächs zu den Themen am 03. Dezember 2009 in der Amadeu Antonio Stiftung betonte Rita Süßmuth, Bundestagspräsidentin a.D.: "Das ehrenamtliche Potenzial älterer Menschen muss stärker genutzt, die Menschen gefördert und ermutigt werden." Allerdings wären viele Menschen dieser Generation oft vorsichtig, wenn es um politisches Engagement ginge. "Ich wünsche mir, dass sich mehr ältere Bürgerinnen und Bürger trauen, Rechtsextremismus entgegen zu treten und damit Demokratie zu leben", so Süßmuth, "denn eine Demokratie ohne gesellschaftliches Engagement ist keine Demokratie!"
 

Loring Sittler vom Generali Zukunftsfonds, der das Projekt "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis" fördert, sagte: "Aufgabe der Wirtschaft ist es, Ermöglichungsbedingungen für gesellschaftliches Engagement zu schaffen." Dabei hätten Unternehmen eine klare Verantwortung: "Unternehmen sollten vor einem klaren politischen Statement nicht zurückschrecken."
 

Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung konstatierte: "Durch die Anonymität des Internets gibt es dort eine Verrohung der Sitten." Dagegen helfe nur eine demokratische Öffentlichkeit im Internet: "Wichtig ist etwa eine Solidarisierung der User einer Community bei rechtsextremen Beiträgen oder Beleidigungen."
 

Sozialforscher Professor Andreas Zick von der Universität Bielefeld betonte, dass das Projekt an richtigen Punkten ansetze: "Ältere Menschen werden immer aktiver im Bereich des Ehrenamts - die Generation 55+ hat die höchsten Wachstumsraten im Bereich des Bürgerschaftlichen Engagements". Zugleich würde die Rolle unterschätzt, die gerade die Älteren in der Weitergabe des politischen Weltbildes an die jüngere Generation einnähmen - sowohl im rechtsextremen Spektrum als auch im demokratischen. "Jeder, der in solchen Workshops sensibilisiert wird, trägt das hinterher in seinen Betrieb, seine Familie, seinen Freundeskreis - so können auch scheinbar kleine Projekte eine große Wirkung haben."
 

Simone Rafael, Chefredakteurin von netz-gegen-nazis.de, sagte: "Die älteren Menschen profitieren vom Zugang zum Web 2.0, das ihnen neue Beteiligungsformen ermöglicht. Der Diskurs im Internet profitiert von der Lebenserfahrung, Sachkenntnis und Überlegtheit der Teilnehmer und Teilnehmerinnen." Die Internet-Community müsse sich, wenn sie weiterhin einen freien Meinungsaustausch wünsche, Strategien überlegen, wie demokratische Grundsätze und Menschenrechte gewahrt werden: "Dazu leistet 'Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis' einen Beitrag, weil er die Teilnehmende fit für mehr demokratische Kultur im Internet macht."
 

Mit dem Projekt "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis" soll es engagierten älteren Menschen ermöglicht werden, sich im Web 2.0 zu bewegen, sich mit Jugendlichen auf www.Netz-gegen-Nazis.de auszutauschen und gemeinsam mit diesen Strategien gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu entwickeln. In Workshops werden sie fit gemacht in der Nutzung interaktiver Internetangebote, über Argumentationsstrategien Rechtsextremer im Internet und entsprechende Gegenstrategien geschult und auf ehrenamtliche Moderationstätigkeiten für Netz-gegen-Nazis.de oder andere Webportale vorbereitet.
 

Unterstützt wird das Projekt "Generation 50plus aktiv im Netz gegen Nazis" vom Zukunftsfonds der Generali Deutschland Holding AG, der Freudenberg Stiftung und dem Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt. Die Schirmherrschaft hat Dr. Henning Scherf übernommen. Netz-gegen-Nazis.de ist ein Projekt der Amadeu Antonio Stiftung und der Wochenzeitung DIE ZEIT.

 

03.12.2009

 

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