Eine Opferberatung für Schleswig-Holstein

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Eine Opferberatung für Schleswig-Holstein

© Amadeu Antonio Stiftung

 

Opfer rechter Gewalt erleben nach einem Übergriff oftmals ein Gefühl der Hilf- und Machtlosigkeit. Aus Angst vor den Tätern oder einer geringen Hilfserwartung wenden sie sich nicht an die Polizei – gerade dann ist eine Solidarisierung der Mehrheitsbevölkerung und eine Unterstützung bei der Organisation der Betroffenen von entscheidender Bedeutung. In Schleswig-Holstein fehlt bisher eine derart professionelle Einrichtung – umso lauter ist deshalb die Forderung nach einer solchen.

Die Fachtagung „Rechte Gewalt in Schleswig-Holstein“ in Kooperation der Böll- Stiftung Schleswig-Holstein und der Rosa-Luxemburg Stiftung hat am 22. Juni 2013 deutlich gezeigt, welcher Nachholbedarf hinsichtlich eines angemessenen Beratungsangebots für die Opfer rechter Gewalt in Schleswig-Holstein besteht und wie ein solches Angebot strukturiert sein sollte. Dabei kamen die Referierenden und Teilnehmenden zu dem Ergebnis, dass eine erfolgreiche Opferberatung institutionell unabhängig, offen, finanziell stabil und eindeutig auf der Seite der Opfer sein muss. Nur so können die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche – von der Recherche rechter Gewalttaten, über die Beratung der Opfer, bis hin zur Dokumentation des Problemumfangs – in weitreichendem Umfang abgedeckt werden.

Auf dem Weg zu diesem Ergebnis hat Gabi Jaschke von der Amadeu Antonio Stiftung erläutert, dass es sich bei Gewalttaten von rechts weniger um Auseinandersetzungen zwischen Individuen, sondern um politische Angriffe handelt, bei denen es um die Herstellung einer Raumhoheit geht. Da sich die Opfer jedoch häufig im Nachgang einer solchen Tat aus Angst vor den Tätern oder einer geringen Hilfserwartung nicht an die Polizei wenden, ist eine Solidarisierung der Mehrheitsbevölkerung und eine Unterstützung bei der Organisation der Betroffenen von entscheidender Bedeutung. Dabei nehmen in anderen Bundesländern kleine, unabhängige Vereine gezielt die Perspektive der Betroffenen ein und definieren einen Angriff von rechts über ein einziges Merkmal: das subjektive Empfinden der Opfer.

Wie Sabine Seyb von ReachOut, Berlin erklärt hat, sollte bei dem Aufbau eines solchen Vereins, der bei dem „Weg zurück in die Normalität“ hilft, darauf geachtet werden, sich mit bestehenden Organisationen zu vernetzen, um Parallelstrukturen zu vermeiden. Darüber hinaus sollten sich die Akteure ihrer Gratwanderung zwischen staatlicher Finanzierung und struktureller Unabhängigkeit bewusst sein, jedoch den Staat nicht aus seiner Verantwortlichkeit entlassen. Hierbei nimmt ReachOut nicht nur aktiv Kontakt zu den Betroffenen eines Angriffs auf, um ihre Beratung anzubieten, sondern erfassen und veröffentlichen auch das Ausmaß der Angriffe, um Öffentlichkeitsarbeit zu initiieren und zu unterstützen.

Der Bogen zu der Situation in Schleswig-Holstein wurde dann in einem Vortrag von Nils Cordruwisch gespannt, der einen Eindruck des Umfangs von rechter Gewalt in diesem Bundesland geliefert hat. In dessen Folge wurde festgestellt, dass es hier keine professionelle und allgemeine Hilfe für Opfer rechter Gewalt gibt. So sind zwar spezielle inhaltliche Angebote von Gruppen (Migrantinnen und Migranten, Frauen etc.) vorhanden, die eine Schnittmenge zu den Opfern rechter Gewalt aufweisen; eine Beratung, die den oben genannten Maßstäben entspricht, fehlt jedoch. Aus diesen Gründen wurde der Blick in die Zukunft gerichtet und diskutiert, wie die Situation vor Ort verbessert werden kann.

Hierfür soll es eine Nachfolgeveranstaltung geben, deren Ausgangspunkt die folgenden drei Fragen sind:

- Wie ist die Ausgangssituation bei den einzelnen Organisationen, die sich bisher um die Betreuung von Opfern rechter Gewalt gekümmert haben?

- Was wird bisher von diesen Organisationen geleistet – und was nicht?

- Welche Aufgaben müssten dementsprechend von einer unabhängigen Opferberatung übernommen werden?

Aus diesem Grund sind alle Interessierten auf, Ihre Antworten auf diese Fragen bis Ende August an Prof. Melanie Groß zu schicken:
melanie.gross@fh-kiel.de

Das Folgetreffen soll dann Ende September stattfinden.

Zur Einladung der Veranstalten: http://www.boell-sh.de/fileadmin/user_upload/boellfiles/dokumente/HBS_Fachtagung_Rechte_Gewalt_2013_v1.pdf
(PDF-Dokument)
Plädoyer der Amadeu Antonio Stiftung für eine Opferberatung in Schleswig-Holstein: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/3-opferschutzbericht-schleswig-holstein

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

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Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

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