Kameradschaften in Deutschland

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Kameradschaften in Deutschland - eine Übersichtskarte

 

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine Übersichtskarte rechtsextremer Gruppierungen in Deutschland erstellt. Bundesweit gibt es dutzende von Netzwerken, die eine flächendeckende Neonaziszene etablieren wollen und dies auch immer wieder mit Gewalt durchzusetzen versuchen.

Der „NSU“ war kein Einzelfall


Als sich die Neonazis vom selbsternannten Nationalsozialistischen Untergrund Ende 2011 enttarnten, reichten die Reaktionen der breiten Öffentlichkeit von Überraschung bis Fassungslosigkeit. Kaum jemand hätte geglaubt, dass es in Deutschland möglich ist, jahrelang unbehelligt durchs Land zu ziehen, dabei 14 Banken zu überfallen, zwei schwerwiegende Sprengstoffanschläge zu verüben und mindestens zehn Menschen zu töten. Der „NSU“ belehrte uns eines Besseren. Der mediale Rummel um Zschäpe, Bönhardt und Mundlos war groß, es wurde über mögliche Unterstützer und Mitwisser spekuliert.
Heute, über ein Jahr nach dem Auffliegen der Zelle ist es bedeutend ruhiger geworden. Die Anklage gegen die vermutlich einzige Überlebende des angeblichen „Trios“ wurde erhoben, verschiedene Untersuchungsausschüsse in Thüringen, Bayern, Sachsen sowie auf Bundesebene bemühen sich bisher vergeblich um Aufklärung. Meldungen über „Pannen“ bei den Sicherheitsbehörden, darüber dass wichtige Daten gelöscht, brisante Akten vernichtet wurden, schaffen es kaum mehr in die Hauptnachrichten. Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, die Versäumnisse des Verfassungsschutzes schockieren uns längst nicht mehr, sie ringen uns höchstens noch ein müdes Schulterzucken ab.

Die Gleichgültigkeit gegenüber der skandalösen Arbeitsweise von Sicherheits- und Ermittlungsbehörden oder die Übersättigung hinsichtlich „neuer“ NSU-Schlagzeilen darf jedoch nicht den Blick auf das eigentliche Problem verstellen. Die Neonazis sind aktiv wie eh und je. In Deutschland sind sie mal mehr, mal weniger sichtbar in Kameradschaften, losen Zusammenschlüssen, in der NPD oder anderen rechtsextremen Parteien organisiert. Von den zahlreichen unorganisierten Neonazis sowie von rechtsextremen Einstellungen in den Köpfen der Menschen ganz zu schweigen.

Übersichtskarte rechtsextremer Kameradschaften in Deutschland

Mit der Deutschlandkarte möchten wir auf die Gefahr von Rechts aufmerksam machen, die von einer flächendeckenden Neonaziszene ausgeht. Lokale Kameradschaften oder Zusammenschlüsse „Autonomer Nationalisten“ gibt es bundesweit. Die Übergänge zu regionalen NPD-Gruppen sind dabei meist fließend, auch mit den Ortsverbänden der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) gibt es enge Verflechtungen, häufig ist das „Personal“ sogar identisch.

Die Recherche für eine umfassende Übersicht der deutschen Nazi-Kameradschaften gestaltet sich recht schwierig. In erster Linie sind es die Landesämter des Verfassungsschutzes, die darüber Auskunft geben. Es haben jedoch auch viele lokale Initiativen aus dem Bundesgebiet auf unsere Anfragen geantwortet. Aus den gesammelten Informationen ist die Karte entstanden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich rechtsextreme Kameradschaften häufig umbenennen, selbst auflösen oder neugründen. Die auf der Karte gelisteten Gruppen können daher nur als „Momentaufnahme“ gewertet werden. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben wir nicht. An dieser Stelle ist es wichtig zu betonen, dass verbotene Kameradschaften auf der Karte fehlen. Allein in Nordrhein-Westfalen beispielsweise wurden in 2012 vier einflussreiche Neonazi-Gruppen verboten, darunter die „Kameradschaft Aachener Land“ und der „Nationaler Widerstand Dortmund“.
Besonders hinsichtlich des rechtsextremen Personenpotentials ist die Quellenlage äußerst unspezifisch – die Zahlen basieren ausschließlich auf den Angaben in den Verfassungsschutzberichten für das Jahr 2011. Deshalb sind auch DVU-Mitglieder erfasst. Die rechtsextreme Partei löste sich jedoch im Mai 2012 selbst auf.

Braune Kameradinnen


Spätestens seit Beate Zschäpe werden auch Frauen als Akteurinnen in der extremen Rechten wahrgenommen. Sie sind schon lang aktiv, als Mitglieder in gemischtgeschlechtlichen Kameradschaften oder aber in Frauengruppen. In den letzten beiden Jahrzehnten wurden fast 40 rechtsextreme Frauengruppen/-kameradschaften gegründet, mit unterschiedlicher Größe, regionaler Ausdehnung, Relevanz und Lebensdauer (Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, Stand: Januar 2009). Die sichtbaren Aktivitäten von Frauengruppen und vor allem -kameradschaften sind in den letzten Jahren zurückgegangen, viele der Aktivistinnen sind jedoch weiterhin in gemischtgeschlechtlichen rechten Gruppen aktiv. Der Anteil von Frauen in Kameradschaften, Organisationen oder rechten Cliquen bewegt sich, je nach Region und Gruppe, zwischen 10 und 33% (Bitzan 2008).
Die vermeintlich harmlos-völkisch auftretende „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ wurde 2001 gegründet und ist über ihre Regionalgruppen deutschlandweit aktiv. Ihren Regionalgruppen gehören zwischen drei und zwanzig Personen an, die größte Gruppe ist wohl die in der Region Berlin-Brandenburg. Zu berücksichtigen sind auch neue Entwicklungen, wie sie deutlich werden in der überregionalen Initiative „free-gender”: diese ideologisch rechte Gruppe widmet sich vor allem den Themen Feminismus und Gender Mainstreaming als Feindbild.

Für eine detaillierte Ansicht können Sie sich die Übersichtskarte in hoher Auflösung herunterladen (PDF-Dokument, 549.7 KB).

Wir danken unseren lokalen Partnerprojekten herzlich für Ihre Mithilfe bei der Recherche!

Von Ulla Scharfenberg
 

 

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