Unterricht in Geschichte

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Unterricht in Geschichte

Foto: fileccia via flickr, cc

 


In Amerika ist Religion Privatsache. Der 11. September hat die Muslime exponiert, wenn es um Sicherheitsfragen geht. Doch eine antiislamische Stimmung ist daraus nicht geworden. Die neue Kolumne von Anetta Kahane.

Durch die Fenster im Klassenraum blickte die Sonne von schräg oben auf die Köpfe der Kids einer High School in New York. Sie saßen im Kreis. Vier der 15 Jugendlichen leben im sozialen Wohnungsbau, das ist hier ein anderes Wort für Ghetto. Die Gruppe war ethnisch so gemischt wie die Nachbarschaft: Latinos, Asiaten, Schwarze, Weiße. Ihre Religionen: muslimisch, christlich, jüdisch und hinduistisch, 16 oder 17 Jahre alt. Der Gegenstand der Stunde war eigentlich ein Essay über die „Housing Projects“, eben die Sozialghettos von New York und das Für und Wider öffentlichen Wohnungsbaus. Die Lehrerin hatte ihre Schüler sorgsam vorbereitet, doch war das Thema nicht zu halten, und eine andere Diskussion kam auf. Sie redeten über den Anschlag von Boston.

Deswegen solle sich hier niemand Sorgen machen, sagte ein Mädchen, das waren durchgeknallte Typen. Unmöglich, dass aus ihrer Klasse einer fähig wäre zu so einer Tat. Die Bombenleger waren kaum älter als sie. Das machte sie nachdenklich, aber auch wütend. In der Schule kümmere man sich um Außenseiter, sagte ein kleiner Kerl, der jünger aussah als die anderen, leise aber mit Nachdruck. Eine schwere Kindheit sei keine Entschuldigung für solchen Terror, sagte eine Latina, eine aus dem „Project“.

Die Lehrerin fragte: „Fühlen sich Muslime hier in der Schule als Außenseiter?“ Ein asiatischer Junge hob den Finger. Er sei chinesischer Muslim, die Eltern führen ein chinesisches Halal-Restaurant – muslimisch koscher sozusagen. Ein schwarzes Mädchen hob kichernd die Hand. Sonst würde sie nichts mit dem Jungen da verbinden, sagte sie amüsiert. Ein dritter versicherte ernst, wie sehr alle dieser Anschlag mitgenommen habe, nicht ohne einen strengen Blick auf das alberne Mädchen zu werfen. [...]

Lesen Sie die vollständige Kolumne in der Berliner Zeitung.

Anetta Kahane ist Vorsitzende des Vorstands der Amadeu Antonio Stiftung. Ihre Kolumne erscheint alle zwei Wochen in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung.

 

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