Interview zu Hetze in Sozialen Netzwerken

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
Interview

Flüchtlingsfeindlicher Hetze in Sozialen Netzwerken entgegentreten

 

Die rechtsextremen Strategien in den Sozialen Netzwerken zielen immer stärker in die Mitte der Gesellschaft ab. Das zentrale Thema ist aktuell die Hetze gegen Flüchtlinge. Über Gegenstrategien sprachen wir mit Johannes Baldauf, Koordinator des Projekts no-nazi.net der Amadeu Antonio Stiftung.

Aktuell wird viel über Hassrede und die Verantwortung der Sozialen Netzwerke gesprochen. Vorgehen in der Kritik. Ist Löschen die Lösung?

Rechtsextreme Strategien in Sozialen Netzwerken sind ja viel subversiver. Oftmals werden ganz harmlose Themen genutzt, um die eigene Ideologie drauf zu setzen. Aus dem Thema Naturschutz wird dann schnell der Kampf um den deutschen Lebensraum. Gerade bei dem Thema Flüchtlingen beobachten wir aktuell, dass bewusst Falschmeldungen gestreut werden, die die Geflüchteten in ein schlechtes Licht rücken sollen. Solche Dinge sind problematisch, aber oftmals nicht strafrechtlich relevant, deshalb hilft die Forderung des Löschens da nicht weiter. Der Vorstoß von Justizminister Heiko Maas, der facebook stärker in die Pflicht nehmen will, kann nur ein Anfang sein. Wir müssen eine Debatte über Rassismus in der Gesellschaft führen und können die Verantwortung nicht allein den Unternehmen zuweisen. Die Antwort auf Hass in den Sozialen Netzwerken ist Gegenrede!

Wie kann diese Gegenrede aussehen?

Das kommt natürlich darauf an, was und wen man vor sich hat. Menschenverachtende Inhalte müssen gelöscht werden. Aber wenn sich ein Beitrag erst in eine problematische Richtung entwickelt oder ich denjenigen gut kenne, dann ist eine Diskussion sinnvoll. Denn in Sozialen Netzwerken unterhalte ich mich nicht nur mit meinem Gegenüber, sondern schreibe auch für diejenigen, die stumm mitlesen. Deshalb ist es wichtig, solche Inhalte nicht einfach unkommentiert stehen zu lassen. Wenn also jemand behauptet, dass Flüchtlinge Tausende von Euro an Taschengeld im Monat erhalten, dann kann man einfach sagen, dass das nicht stimmt und eine seriöse Quelle liefern. Wichtig ist, sachlich zu bleiben, Präsenz zu zeigen, nachzuhaken und teilweise dagegen zu halten. Auch Humor kann helfen, wenn man den Ton der Debatte ändern will.

Wie hilft no-nazi.net dabei?

Wir schauen genau, welche Debatten sich im Netz entwickeln und mit welcher Masche Rechtsextreme auf Stimmenfang gehen. Unsere Gegenargumente und Statistiken helfen, um sicher darauf reagieren zu können. So muss niemand bei null anfangen und findet bei no-nazi.net ganz praktisches Handwerkszeug. Mit der Projektseite nichts-gegen-juden.de bieten wir kurze Texte und Grafiken, die die gängigsten antisemitische Vorurteile entkräften. Mit einem Klick können diese auf facebook und twitter geteilt werden.

Wie arbeitet ihr mit Jugendlichen zusammen?

Wir haben ein Format, unsere „Betagruppe“, die sich regelmäßig offline trifft. Mit den Jugendlichen sprechen wir die von uns entwickelten Strategien durch und schauen, ob sie auch bei der Zielgruppe ankommen. Die jungen Leute sind wahnsinnig motiviert, das macht Spaß. Zum anderen sollen sie selbst in ihr Umfeld einwirken und sich für ein hassfreies Netz stark machen. Wir besprechen, welche Themen und Diskussionen die Jugendlichen selbst erleben und erarbeiten dann gemeinsam Möglichkeiten der Gegenrede, wie Texte, Grafiken, Videos. Was da herauskommt ist beeindruckend. Und wir können das mit vielen anderen über die Sozialen Netzwerke teilen.

Kann Gegenrede allein die rechte Hetze entkräften?

Gegenrede ist ein erster wichtiger Schritt zur digitalen Zivilgesellschaft. Deshalb testen wir aus, wie wir die Gegenrede zu denen bringen, die sie dringend brauchen. Aber sie hat auch ihre Grenzen. Die pädagogische Arbeit gegen Ungleichwertigkeit im Netz steht noch ziemlich am Anfang. Wir müssen weiter daran arbeiten, wie wir etablierte Ansätze der Präventionsarbeit auf das Netz übertragen können.

In Kürze veröffentlicht die Amadeu Antonio Stiftung eine neue Handreichung zum Thema: "Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Netzwerken - Handlungsempfehlungen". Eine PDF-Version wird auf der Webseite der Stiftung zur Verfügung stehen.

 

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