Amadeu Antonio Preis 2017 für Tribunal „NSU-Komplex auflösen“

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Engagierte Kunstprojekte mit Amadeu Antonio Preis 2017 geehrt

Mit dem Amadeu Antonio Preis 2017 wurde am Abend des 28. November 2017 in Eberswalde der Verein Lückenlos e.V. aus Köln ausgezeichnet. Der mit 3000 Euro dotierte Hauptpreis würdigt damit das Kunstprojekt Tribunal „NSU-Komplex auflösen“.

Der Prozess gegen Beate Zschäpe und die Unterstützer des NSU nähert sich seinem Ende. Die versprochene Aufklärung über die rechten Netzwerke und staatliches Versagen fand nicht statt. Das Tribunal-Netzwerk aus mehr als 100 Engagierten lenkt immer wieder die Aufmerksamkeit auf die staatlichen Strukturen, die die Verbrechen des NSU tatenlos beobachtet, indirekt unterstützt oder ihre Aufklärung verschleppt haben. Im Mai 2017 kamen mehr als 3.000 Aktivisten zum Tribunal in Köln zusammen. Filme, Theateraufführungen und Ausstellungen gaben den Perspektiven der Betroffenen und ihrer Angehörigen eine Bühne. Zum Abschluss klagte das Bündnis symbolisch rechten Terror, staatliche Verstrickungen und gesellschaftlichen Rassismus an.

„In Zeiten, da öffentliche rassistische Parolen wieder traurige Realität werden, brauchen wir engagierte Künstler, die daran erinnern, wie gefährlich es für uns alle ist, wenn Rechtsextremismus kleingeredet und Opfer zu Tätern gemacht werden“, so Anetta Kahane von der Amadeu Antonio Stiftung. „Die Kunst kann den Finger in die Wunde legen, wo Politik und Medien sich scheuen, klar Stellung zu beziehen und Rassismus als solchen zu benennen.“

Ein weiterer mit 1000 Euro dotierter Preis wurde verliehen an Evelyn Rack und Billie Mind für die interaktive Ausstellung „Add your Heroine!“. Das Projekt bricht mit traditionellen Rollenvorstellungen und fordert das Publikum auf, die Sammlung mit eigenen Heldinnen zu ergänzen.

Ebenfalls mit einem Preisgeld von 1000 Euro ausgezeichnet wurde Raman Zaya für die literarische Performance „träumen auf deutsch ohne untertitel“. Seine Fluchtgeschichte von Teheran nach Deutschland bildet den Rahmen für eine Performance, die alle Sinne anspricht und Fragen nach Heimat und Zugehörigkeit neu stellt.

Die Laudationes wurden von der Sängerin Marianne Rosenberg, dem Architekten Van Bo Le-Mentzel und dem Bürgermeister der Stadt Eberswalde, Friedhelm Boginski, gehalten. Zur Jury gehörten neben den dreien auch die Schriftstellerin Pham Thi Hoai, die Künstlerin und Aktivistin Noah Sow, die Journalistin Güner Yasemin Balci, der Künstler Fabian Bechtle sowie Augusto Munjunga vom Afrikanischen Kulturverein „Palanca“ in Eberswalde.

Amadeu Antonio wurde im November 1990 von Rechtsextremen in Eberswalde erschlagen und ist eines der ersten von mindestens 193 Todesopfern rechter Gewalt seit der deutschen Wiedervereinigung. Der nach ihm benannte Preis wird alle zwei Jahre von der Amadeu Antonio Stiftung und der Stadt Eberswalde vergeben und würdigt diejenigen, die sich in kreativer und künstlerischer Form gegen Rassismus und Diskriminierung stark machen.

 

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