Ein Jahr für Menschenrechte und Demokratie

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
Geförderte Projekte

Ein Jahr für Menschenrechte und Demokratie

Dank der Unterstützung von Spender_innen konnte die Amadeu Antonio Stiftung im Jahr 2017 mehr als 90 Projekte fördern, die sich für eine demokratische Zivilgesellschaft und gegen Rassismus engagieren. Wer sind diese mutigen Menschen und ihre Initiativen? Hier stellen wir unsere Förderschwerpunkte des Jahres und einige unserer Projekte stellvertretend vor. 

 

Opfer rechter Gewalt nicht alleine lassen

Allein im Jahr 2016 zählte der Verfassungsschutz 1600 rechtsextremistische Gewalttaten – mit unbekannter Dunkelziffer. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen mit individuellen Lebens- und Leidensgeschichten, denen körperlicher, materieller und seelischer Schaden zugefügt wurde. In den meisten Fällen bleiben die Geschädigten und ihre Angehörigen allein. Mit dem Opferfonds CURA engagiert sich die Amadeu Antonio Stiftung schnell und unkompliziert für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. CURA übernimmt Anwaltskosten und unterstützt beim Weg zurück in den Alltag.  indem Kosten für Sachbeschädigungen übernommen werden. Der Opferfonds übernimmt kurzfristig den Ersatz von zerstörten, aber dringend benötigten Dingen wie Brillen oder Handys, um Hilfe holen zu können. CURA ermöglicht aber auch psychologische Beratung, wenn diese nicht von der Krankenversicherung gedeckt ist und hilft, ein Gefühl von Sicherheit wiederherzustellen, indem ein für den Schutz notwendiger Umzug oder eine Alarmanlage finanziert werden.

 

So unterstützte CURA in diesem Jahr zum Beispiel zwei syrischen Familien, die nicht in ihren Wohnungen bleiben können: Im April 2016 wurden Herr D. und Herr S. zum ersten Mal von ihren Nachbarn körperlich attackiert, während Frau D. und Frau S. - die beide schwanger waren  - den Angriff nur tatenlos vom Fenster aus mitverfolgen mussten. Da die Nachbarn in stark alkoholisiertem Zustand waren, konnten Herrn D. und Herr S. die Angriffe weitestgehend unbeschadet abwehren, jedoch erlitten die beiden Frauen durch die Belastung einen Schock und Blutungen im Unterleib. Frau S. verlor wenige Tage später ihr Kind. Beide Familien wurden seitdem immer wieder verbal und körperlich in ihrem Wohnumfeld angegriffen. Sie verbringen so wenig Zeit wie möglich in ihren Wohnungen, denn wenn sie sich dort aufhalten, sind sie ständig dem Stress und der Angst ausgesetzt, wieder einem rassistisch motivierten Übergriff ausgeliefert zu sein. Sie können nicht in der Wohnung bleiben - CURA unterstützt sie deswegen beim Umzug und der Anschaffung vom nötigsten Mobiliar.

 

Digitale Zivilgesellschaft stärken

Das Internet stellt heutzutage die meistgenutzte Informationsquelle dar – vor allem die Sozialen Netzwerke übernehmen eine wesentliche Rolle in der politischen Meinungsbildung. Gleichzeitig hat der digitale Raum sowohl die Verbreitung von menschenverachtenden Inhalten als auch Radikalisierungsprozesse beflügelt. Das Netz wird strategisch und gezielt genutzt, um gegen Minderheiten zu polarisieren und Andersdenkende anzugreifen, Hetze und Hass werden oft ohne Scham und unter Klarnamen gepostet. Auch wenn es vergleichsweise wenig User_innen sind, die sich Hate Speech gezielt zu Nutze machen, zögert mittlerweile jede_r zweite aus Angst vor Beleidigungen, sich aktiv in Online-Diskussionen einzubringen. Um dieser gefährlichen Entwicklung etwas entgegenzusetzen, fördert die Amadeu Antonio Stiftung Projekte, die die digitale Zivilgesellschaft und eine demokratische Debattenkultur stärken und sich gegen Hass und Hetze positionieren.

 

Genau das hat sich  #ichbinhier zum Ziel gemacht: die Mitglieder_innen der Facebookgruppe diskutieren mit vereinter Kraft in den Kommentarspalten mit, wenn es dort besonders hasserfüllt zur Sache geht. Und sie zeigen damit, dass Hass und Hetze nicht unwidersprochen bleiben. Sie haben die unterschiedlichsten Hintergründe und Meinungen, aber alle vertreten ihre Positionen sachlich, faktisch und empathisch, und setzen sich dafür ein, dass Vorurteile, Fake News oder beleidigende Kommentare enttarnt und nicht weiter verbreitet werden. Das Resultat: die 36 000 Gruppenmitglieder_innen sorgen für ein freundlicheres Klima in den Kommentarspalten und eine bessere Diskussionskultur im Netz. Inzwischen hat sich #ichbinhier als Verein gegründet und den Grimme Preis gewonnen. Die Amadeu Antonio Stiftung hat die Entwicklung der bislang ausschließlich im digitalen Raum organisierten Gruppe gefördert. Mit der Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung konnten sich endlich alle Moderator_innen und Gründer von #ichbinhier offline treffen, gemeinsam Zukunftspläne schmieden und die Herausforderungen der rasant anwachsenden Gruppe angehen.

 

Engagement gegen rechts

Täglich werden Menschen aus rassistischen Motiven beleidigt, bedroht, angegriffen oder sogar getötet. Nicht zuletzt durch die enorme Präsenz der AfD in der Bundespolitik erlebten wir in den letzten Monaten eine bisher beispiellose Diskursverschiebung nach rechts, die menschenverachtende und demokratiefeindliche Positionen salonfähig macht. Mit ihrer Projektförderung unterstützt die Amadeu Antonio Stiftung die Zivilgesellschaft dabei, sich Rassismus und Rechtsextremismus entgegenzusetzen und für Demokratie und Vielfalt zu streiten. Dazu gehören Gegendemonstrationen und Straßenfeste, Comics zur politischen Bildung, Konzerte und Theaterstücke, Recherche- und Dokumentationsprojekte, Bildungsinitiativen und Jugendbegegnungen. Das besondere Anliegen der Stiftung ist es, kleine lokale Initiativen zu fördern, die anderswo wenig Aussicht auf finanzielle Unterstützung haben.

 

Das Projekt „Macht der Angst“ macht beispielhaft vor, wie Kinder und Jugendliche an die Thematik der Ausgrenzung herangeführt werden: Die Schüler_innen der Oberschule im Park Oslebshausen, einem sozialen Brennpunkt Bremens, erarbeiten gemeinsam ein Theaterstück, in dem sie sich mit Angst und Extremismus auseinandersetzen. Es erzählt die Geschichte von Hannah, in deren Schule eine gewaltbereite Gruppe die Macht über Schulregeln und Mitschüler_innen ergreift. Das schüchterne Mädchen zieht sich in eine Fantasiewelt zurück - solange, bis sie gezwungen wird, Position zu beziehen. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und stellt sich den Meinungsmacher_innen entgegen. „Die Kinder erkennen sich in der Geschichte wieder“ sagt Hans König, künstlerischer Leiter des Projekts. Sie alle erleben Ausgrenzung, haben Ängste und oft schwere Schicksale, grenzen aber wiederum auch selbst andere aus. In der Erarbeitung des Theaterstücks lernen sie spielerisch, was es bedeuten kann, sich den eigenen Ängsten zu stellen, ohne dabei andere abzuwerten, und trotz der eigenen Unsicherheit Zivilcourage zu zeigen.

 

Geflüchtete unterstützen

Mit dem vermehrten Zuzug von Geflüchteten nach Deutschland haben wir eine überwältigende Hilfsbereitschaft und unermüdliches Engagement der Zivilgesellschaft erlebt. Dennoch ist die Situation vieler Geflüchteter mehr als schwierig: flüchtlingsfeindliche verbale oder körperliche Übergriffe sind an der Tagesordnung, die Sammelunterkünfte oft menschenunwürdig, die Ungewissheit des Asylverfahrens belastend. Damit aus dem Willkommen ein Ankommen wird, unterstützt die Amadeu Antonio Stiftung bundesweit Projekte, denen es darum geht, die Situation von Geflüchteten vor Ort zu verbessern. Insbesondere werden Projekte gefördert, in denen Geflüchtete sich selbst organisieren, ein Bewusstsein für ihre Rechte entwickeln und an Teilhabemöglichkeiten herangeführt werden. Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich dafür ein, dass die Anliegen von Geflüchteten in den öffentlichen Raum getragen werden. Ganz besonders wird die Perspektive von geflüchteten Frauen* gestärkt, deren besondere Bedürfnisse sowohl während der Flucht, als auch nachdem sie in Deutschland angekommen sind, marginalisiert sind.

 

Refugee Emancipation e.V. beispieslwise startete 2017 ein Projekt, das für diese Anliegen steht. Im Mai eröffnete in Berlin Marzahn-Hellersdorf ein Fraueninternetcafé. Das antwortet gleich auf mehrere Schwierigkeiten im Leben der geflüchteten Frauen: In den Sammelunterkünften sind sie nicht nur der ständigen Unsicherheit des Asylprozesses ausgeliefert, sondern auch vielfach männlicher Dominanz ausgesetzt. Sich wohl oder sogar zu Hause zu fühlen ist außerordentlich schwierig. Das Internetcafé schafft einen sicheren Raum, an dem die Frauen sich über ihre Situation austauschen, gemeinsame Bedürfnisse identifizieren und Selbstvertrauen gewinnen können. Gleichzeitig erlernen die Frauen im Internetcafé in einer geschützten Atmosphäre und ohne Druck Computerkenntnisse, die eine enorme Fülle an digitalen Unterstützungsangeboten und Teilhabemöglichkeiten zugänglich machen. Mithilfe der Amadeu Antonio Stiftung kann Refugees Emancipation e.V. Workshops durchführen, die die Frauen darin schulen, das Internetcafé eigenständig zu leiten und Treffen für die geflüchteten Frauen zu organisieren.

 

Weitere Projekte

Über diese Schwerpunkte der Förderung hinaus unterstützt die Amadeu Antonio Stiftung Initiativen und Projekte, die sich gegen Antisemitismus, Homo- und Transphobie, Antiziganismus und für eine lebendige Erinnerungskultur engagieren. Helfen Sie mit Ihrer Spende, damit wir im nächsten Jahr weiterhin großartige Projekte unterstützen können!

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

Spendenkonto

Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 00
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
BIC: GENODEM1GLS

 
 
 
 
 

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