Bremen-Nord: (K)ein rechter Ort?

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Bremen-Nord: (K)ein rechter Ort?

 

Rechtsextreme sind traditionell stark im Stadtteil Blumenthal im Bremer Norden. Genau deshalb feierte das dreizehn°festival hier Ende August 2018 seine Premiere. Das umfangreiche kulturelle Programm und die politischen Veranstaltungen sind die Antwort auf rechtsextreme Raumergreifung.

Von Viktor Weigelin

Bremen-Nord: Nichts los?

Der Name Blumenthal klingt zunächst nach rosigen Verhältnissen. Doch allzu blumig ist die Lage im Bremer Norden nicht. Nicht nur durch die geographische Lage – Blumenthal liegt knapp 23 km vom Zentrum entfernt – gilt der Stadtteil gemeinhin als abgehängt. Mit über 21% ist auch die Arbeitslosigkeit weit vom gesamtstädtischen Durchschnitt von 13,2% entfernt. Die Schließung der Wollkämmerei im Jahr 2008 bedeutete für viele Blumenthaler*innen den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Dennoch erklärt dieser wirtschaftliche Niedergang, der bereits mit der Werftschließung von Bremer Vulkan 1996 einsetzte, keineswegs ein vermeintliches Erstarken rechtsextremer Gruppen in jüngerer Zeit. Denn der Bremer Norden ist traditionell ein Ort mit einer starken rechtsextremen Szene. Trauriger Höhepunkt war das Wahlergebnis der Bundestagswahl im vergangenen Herbst: Mit fast 16% erreichte die AfD in Blumenthal den höchsten Stimmenanteil im gesamten Bundesland. Dass inzwischen der Bremer Verfassungsschutz die Junge Alternative beobachtet, macht ebenfalls deutlich, wie präsent und gefährlich die Rechtsextremen in der Hansestadt sind. Zunehmend engagieren sich Aktivist*innen der rechtsextremen Identitären Bewegung in der lokalen Jugendorganisation der AfD.

Zwar bringen sich immer wieder Menschen im Stadtteil gegen rassistische und rechte Positionen in ihrem direkten Wohnumfeld ein, doch der Gegenwind ist mitunter immens. So wurde die symbolische Umbenennung von Blumenthaler Straßennamen nach Opfern der Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) unter anderem durch einen Anwohner mit gestoppt, der als NPD-Mitglied bekannt ist.

Mit Kulturprogramm gegen Rechts

Ein Festival in Bremen-Nord erschien dem Team von haikultur e.V. als geeigneter Weg, diesem strukturschwachen Teil der Stadt einerseits mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen. Andererseits kann so die lokale Anwohnerschaft angesprochen und ihr ein politisches Bildungsangebot gemacht werden.

Doch zuerst: Nazi-Sticker von Fabrikgelände entfernen

Vorab mussten die Organisator*innen nach eigener Aussage einige „Vorkehrungen gegen Neonazi-Aktivitäten“ unternehmen. So wurden auf dem Gelände der Wollkämmerei nazistische Aufkleber entfernt. Zudem war das Sicherheitspersonal angehalten, Besucher*innen in Neonazi-Kleidung den Zutritt zu verwehren. Glücklicherweise sei es während der Veranstaltung aber friedlich geblieben.

Aus Skepsis wird ernsthaftes Interesse

Kuratorin des dreizehn°festivals und Vorstandsmitglied von haikultur e.V., Katharina Wisotzki, zieht nach der Premiere des Festivals eine positive Bilanz. Viele zunächst skeptische Anwohner*innen seien letztendlich geblieben. „Wir haben uns sehr dolle gefreut, ein Kulturfestival aufzuziehen, wo auch ernste politische Inhalte gut angenommen wurden.“ Insbesondere die Aufführung der NSU-Monologe durch die Bühne für Menschenrechte mit anschließender Diskussion fand besonders großen Anklang. „Viele Besucher*innen, die sich bisher nicht mit der Opferperspektive beschäftigt hatten, haben aktiv mitgemacht", so Wisotzki. Ebenso sei die Lesung des Juristen und Autors von „Empörung reicht nicht!“, Mehmet Daimagüler, sehr gut bei den Besucher*innen angekommen: „Das Publikum wollte nicht gehen, er wollte nicht gehen“, berichtet die Festivalleitung begeistert. Eine Stunde wurde insgesamt überzogen. Das spricht für den Gastredner. Und für die wissbegierige Zuhörerschaft.

Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt haikultur e.V. bei der Realisierung des Festivals finanziell. Die diesjährige Veranstaltung ist nur der Auftakt für weitere Festivals. Auch 2019 soll die ehemalige Wollkämmerei in Bremen-Blumenthal wieder zum Ort für Musik, Lesungen, Theater und politischem Input werden.

 

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