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Breiter Protest gegen antisemitischen Aufmarsch

, Bielefeld

Viele tausend Menschen protestierten gegen den Aufmarsch von rund 400 Rechtsextremen in Bielefeld. Die Partei „Die Rechte“ hatte zu einem Marsch anlässlich des Geburtstags der inhaftierten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aufgerufen. In Reden und Parolen äußerten sich Teilnehmende unverhohlen antisemitisch: So rief ein Teilnehmer die Parole „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit!“, die mittels Auflage untersagt worden war. Andere Rechtsextreme skandierten wiederholt „Nie wieder Israel!“. Der Redner Christian Bärthel führte die Inhaftierung Haverbecks darauf zurück, dass sich Juden als „Christusmörder“ einen anderen „Mythos“ hätten schaffen müssen. Dieser Mythos sei der Paragraph 130 (Volksverhetzung). Seinen antisemitischen Überlegungen stellte er antijudaistische Bibelzitate voran. Als Redner trat neben den neonazistischen Funktionären Sven Skoda, Thorsten Heise, Edda Schmidt, Arnolf Höfs und dem genannten Bärthel auch der rechtsextreme YouTuber Nikolai Nerling auf. Während der Versammlung zeigte mindestens ein Teilnehmer den sogenannten Kühnengruß, der als Variante des Hitlergrußes in der Vergangenheit bereits von Gerichten als strafbar beurteilt wurde. Die Pressestelle der Polizei teilte mit, dass die Polizei sechs Platzverweise ausgesprochen und mindestens 19 Strafanzeigen, unter anderem wegen des Zeigens des Hitlergrußes, angefertigt habe. Sechs Personen wurden außerdem in Gewahrsam genommen. Bei insgesamt zehn Kundgebungen brachten mehrere tausend Menschen ihren Protest gegen den rechtsextremen Aufzug zum Ausdruck.