Bremen

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
Aktionswochen gegen Antisemitismus 2013

Veranstaltungskalender Bremen

 

Mittwoch, 30. Oktober, 19:30 Uhr
Antisemitismus – Formen des Judenhasses von der Antike bis zur Gegenwart

Vortrag mit Dr. Ingo Elbe

Der Hass auf die Juden hat eine lange Tradition und ist auch im 21. Jahrhundert weltweit verbreitet. Nicht immer nimmt er solch offene Formen an, wie in Äußerungen der ägyptischen Muslimbrüder, in denen die Juden mit Bezug auf den Koran als „Affen und Schweine“ bezeichnet werden oder wie in der Meinung von mehr als der Hälfte der spanischen Schüler von 12-18 Jahren, die es 2008 ablehnten, mit einem Juden im selben Raum zu sitzen und zusammenzuarbeiten. Spätestens nach Auschwitz und nach der Gründung des Staates Israel artikuliert sich der Hass auf die Juden oft in indirekteren Formen. Auf den öffentlichen Diskurs der westlichen Demokratien trifft zu, was Max Horkheimer und Theodor W. Adorno bereits 1947 halb ironisch konstatierten: „Aber es gibt keine Antisemiten mehr“ – also kaum jemanden, der sich offen dazu bekennt, etwas gegen Juden zu haben. Judenhass nimmt nun meist die Form des Zu-verstehen-Gebens, der Andeutung und vor allem der vermeintlich um den Weltfrieden besorgten „ehrbaren Israelkritik“ an.
Der Vortrag behandelt mit dem christlichen Antijudaismus, dem modernen Antisemitismus und dem Antizionismus verschiedene Formen des Judenhasses und fragt danach, wie man die Kritik an der Politik einer israelischen Regierung von Antisemitismus unterscheiden kann.

Ort: OstKurvenSaal, Weser-Stadion
Veranstaltet von Caillera – Ultras SV Werder
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Samstag, 2. November
Tagesseminar: Einführung in die Geschichte des Antisemitismus

Mit Olaf Kistenmacher

Um die Judenfeindschaft im 20. und 21. Jahrhundert kritisieren zu können, ist es notwendig, zwischen verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus zu unterscheiden. Anders als beim historischen Antijudaismus ist diese Feindschaft nicht mehr vornehmlich religiös motiviert. Seit dem 19. Jahrhundert diente der moderne Antisemitismus dazu, mehrere komplexe Phänomene der modernen Gesellschaft scheinbar zu erklären. An den kapitalistischen Krisen, der abstrakten Vergesellschaftung schienen demnach „die Juden“ schuld zu sein, pogromartige Gewalt gegen Jüdinnen und Juden konnte so gerechtfertigt werden. Auf dieser Basis entwickelten die Nationalsozialisten ihre einzigartige Form des eliminatorischen Antisemitismus. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Deutschland andere, verstecktere Formen der Judenfeindschaft eher verbreitet. Selbst Neonazis hetzen selten offen gegen Jüdinnen und Juden. Allerdings spuken antisemitische Stereotype, z.B. dass „die Juden“ eine besondere Verbindung zum Kapital hätten und über eine besondere Macht verfügten, nach wie vor in vielen Köpfen herum. Am offensten zeigt sich eine Voreingenommenheit gegenüber „Juden“ in den Diskussionen über den Staat Israel. Bei der Entstehung des antizionistischen Antisemitismus spielte die politische Linke eine besondere Rolle. Der Workshop wird an historischen Beispielen die Geschichte des modernen Antisemitismus nachzeichnen und verdeutlichen, wie er mit anderen Phänomenen wie dem Antiamerikanismus verbunden ist.

Ort. Infoladen / St. Pauli-Str. 10-12

Anmeldung bitte unter talpe@gmx.net
Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich, die Toilette nicht.
Eine Veranstaltung von associazione delle talpe in Kooperation mit der Amadeu-Antonio-Stiftung.
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Donnerstag, 7. November, 15 Uhr
Stadtrundgang zur Geschichte des 9. November 1938 in Bremen

Ein Stadtrundgang mit Joachim Bellgart zu Leben und Verfolgung der Bremer Jüdinnen und Juden.
Bei diesem Stadtrundgang geht es um den 9.11.1938 in Bremen, um seine Vor- und Nachgeschichte. Gezeigt wird die Geschichte von Jüdinnen und Juden in Bremen und ihre Spuren, die sie in dieser Stadt hinterließen. Wir werden Orte ihrer Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus aufsuchen, die mit dem 9.11. nur ihren vorläufigen Höhepunkt nahm. Zu guter Letzt werden wir uns auch mit den Hinterlassenschaften der Täter_innen beschäftigen.

Ort: Bremer Touristikzentrale Liebfrauenkirchhof/Ecke Obernstraße.
Dauer: ca 1,5 Stunden
Eine Veranstaltung von associazione delle talpe
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Donnerstag, 7. November, 19:30 Uhr
„They were not silent“

Filmvorführung und Vortrag mit Martin Schmitt

„They were not silent!” – Die jüdische Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in den USA und ihr Kampf gegen NS-Faschismus und Holocaust
Als Hitler 1933 an die Macht kam, nahm kaum jemand die Gefahren ernst, die vom Antisemitismus der Nazis ausgingen – weder innerhalb noch außerhalb Europas. Anders die stark durch osteuropäische Einwanderer geprägte jüdische Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in New York City: Mit Demonstrationen und Kundgebungen, Aktionen und Kampagnen wurde versucht, die amerikanische Öffentlichkeit über die Vorgänge in Deutschland zu informieren, gegen die einsetzende antisemitische Ausgrenzung und Verfolgung zu protestieren und insbesondere die amerikanische Arbeiterschaft zur aktiven Unterstützung des antifaschistischen Kampfes zu motivieren. Verschiedene gewerkschaftliche, sozialdemokratische, sozialistische und arbeiterzionistische Gruppierungen schlossen sich daraufhin im „Jewish Labor Comittee” (JLC) zusammen, um eine entschiedene antifaschistische Haltung in die zum Isolationismus neigende amerikanische Arbeiterschaft hineinzutragen.
Nach dem Ausbruch des Krieges galt es für das JLC, bedrohten Sozialisten und Gewerkschaftern aus Europa die Flucht in die USA zu ermöglichen. Nur dank umfangreicher Spenden und der beherzten Hilfsbereitschaft der amerikanischen Arbeiterbewegung konnte auf diesem Weg zur Rettung von unzähligen Menschen beigetragen werden. Als schließlich erste Berichte über die systematische Vernichtung von Juden in den von Nazideutschland okkupierten Ländern Osteuropas die USA erreichten, begann das JLC damit, jüdische Partisanen- und Untergrundgruppen in u. a. Polen und der Ukraine mit Geld und Waffen zu unterstützen – so beispielsweise auch im Vorfeld des Aufstandes im Warschauer Ghetto 1943.
Der im Jahr 1998 im Auftrag des Robert F. Wagner Archivs (New York University) produzierte, in Europa unbekannte Dokumentarfilm erzählt eine in deutschen Museen, Schulbüchern und Fernsehsendungen ignorierte Geschichte: Die Geschichte vom aktiven Kampf der jüdischen und amerikanischen Arbeiterbewegung gegen Nazifaschismus und Holocaust. Der Film (30 min, in englischer Sprache) wird mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Einleitender Vortrag und anschließende Diskussion mit Martin Schmitt (M. A.)
Ort: Kultur im Bunker e. V., Berliner Straße 22C
Veranstaltet von Caillera – Ultras SV Werder
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Freitag, 8. November, 17 Uhr
Gedenkaktion "Mahnwache und STOLPERSTEINE putzen"

Ort: am ehemaligen jüdischen Altenheim an der Gröpelinger Heerstraße 167, anschließend Rundgang zu den Stolpersteinen
Veranstalter: Initiative „Mahnwache und STOLPERSTEINE putzen“
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Dienstag, 12. November, 19 Uhr
Andauernde Umdeutungen – Zur Kritik der Verschwörungsideologie“

Vortrag von Martin Wassermann

Eine stetig wachsende Minderheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass die Anschläge des 11. September durch eine mysteriöse Verschwörung ausgeführt wurden. Der­artige Verschwörungsmythen sind weit verbreitet. Sie sind zugleich wirkungsmächtige Konstrukte, die als Erklärungsmodelle dienen, mit denen die Zustände rationalisiert wer­den. Dabei wird oft­mals eine geheime Gruppe ausgemacht, die hinter den sichtbaren Ereignissen die Fäden ziehen soll und welche die geschichtliche Entwicklung in ihrem Sinne beein­flusst. Es handelt sich dabei oftmals um antisemitische Gebilde, mit denen die kapitalistische Realität fast märchenhaft verklärt wird. Auf der Veranstaltung wer­den aktuelle und historische Verschwörungsmythen präsentiert.
Ort. Infoladen Bremen, St. Pauli Straße 10
Veranstaltet von Contre la connerie des choses
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Donnerstag, 14. November, 19 Uhr

„Film und Shoah“
Vortrag mit Henrik Götte
Kann die industrielle Judenvernichtung Stoff für Film sein? Oder muss jeder derartige Versuch darin enden das Irrationale zu Rationalisieren und den Schrecken und die Barbarei sogleich zum Stilmittel einer solchen Inszenierung verkommen zu lassen? Ist die Shoah überhaupt “theoretisierbar” oder begreifbar? Es gibt Filme, welche die Shoah thematisieren, aber wie funktionieren sie und können sie im Sinne von Aufklärung wirksam werden? Was hieße das in diesem Zusammenhang überhaupt? Diese Fragen sollen an­hand der Beispiele “Shoah” (Claude Lanzmann) und “Schindlers Liste” (Steven Spielberg) diskutiert werden.
Ort. Infoladen Bremen, St. Pauli Straße 10
Veranstaltet von Contre la connerie des choses
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Samstag, 16. November, 18 Uhr
Fussball und Antisemitismus

Vortrag mit Enno Wöhler & Alex Feuerherdt

Im März 2006 hinterließen Fussballfans aus Hannover bei ihrem Besuch in Bremen eindeutige Aufkleber: Sie hatten das Wappen des SV Werder zu einem orangefarbenen Davidstern verfremdet. Ganz ähnlich traten Anhänger von Energie Cottbus Ende 2005 in Dresden auf, als sie ebenfalls das Vereinsemblem des Gastgebers grafisch veränderten, um die Dresdner als »Juden« zu beschimpfen. In der Kreisliga B in Berlin wurde man im September 2006 noch deutlicher. »Vergast die Juden« und »Synagogen müssen brennen« riefen etwa 30 Neonazis beim Spiel von Alt-Glienicke gegen den jüdischen Verein Makkabi Berlin. Deren Mannschaft verließ schließlich aus Protest den Platz.
Antisemitismus ist nicht nur hierzulande nach wie vor präsent, und das zeigt sich auch und gerade im Fussball. Wie er sich darin äußert und wie er funktioniert, wollen wir im Vortrag zeigen. Dabei soll es nicht nur um Vorfälle wie die genannten gehen, denn der Antisemitismus erschöpft sich nicht in solchen offenkundigen Angriffen. Vielmehr spiegelt er sich auch in anderen Bereichen wider, beispielsweise in der Debatte um die Kommerzialisierung des Fussballs oder in den Boykottaktivitäten, die sich gegen Mannschaften aus dem jüdischen Staat richten. Und was haben die Deutschen eigentlich gegen den FC Bayern, der von den Nazis als »Judenklub« verfemt wurde?

Alex Feuerherdt ist freier Publizist und ehemaliger Schiedsrichter, Enno Wöhler ist großer Fan des SV Werder Bremen.
Ort: OstKurvenSaal, Weser-Stadion
Veranstaltet von Caillera – Ultras SV Werder
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Montag, 2. Dezember bis Freitag, 6. Dezember
Antisemitismus gestern und heute: Ausdruck und Aufarbeitung im Film

Referenten: Olaf Kistenmacher/Karl-Heinz Schmid

Seminarzeiten: Mo 10.00 - 18.30 Uhr, Di/Mi/Do 9.00 - 18.00 Uhr, Fr 9.00 - 15.30 Uhr
ganztägig ohne Übernachtung
Antisemitismus ist präsent. Er hat nach 1945 Wandlungen erfahren, doch leben Traditionslinien, Bilder und Narrative fort. Welche sind das und wie haben sie sich historisch, im Nationalsozialismus und bereits davor, entwickelt? Wie unterscheidet sich der heutige Antisemitismus vom Antisemitismus vor dem Holocaust und wieso gibt es sekundären Antisemitismus? Diesen und anderen Fragen möchte das Seminar nachgehen. Es soll einen historischen und aktuellen Überblick geben, und dabei insbesondere auf das Mittel filmischer Darstellung zurückgreifen. Sowohl die antisemitische Filmgeschichte als auch die Möglichkeit zur Aufarbeitung mit und am Film sollen eine Rolle spielen.
Anmeldung/Auskünfte unter der Seminar-Nr. 300.043 bei: Arbeit und Leben Bremen
Bahnhofsplatz 22-28, 28195 Bremen
Tel.: 0421 - 960 89-0
Fax: 0421 - 960 89-20
E-Mail: info@aulbremen.de
Web: www.aulbremen.de
Die Teilnahmegebühr beträgt 60 Euro, für Gewerkschaftmitglieder 55 Euro.
BezieherInnen von Transferleistungen und Studierende zahlen einen ermäßigten Beitrag von 25 Euro.
Ort: City 46 Kino, Birkenstr. 1, Bremen
Veranstaltet von Arbeit & Leben
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Donnerstag, 05. Dezember, 19 Uhr

„Eskimo Limon 9“
Lesung mit Sarah Diehl

Der Roman erzählt die Geschichte einer jüdischen Familie, welche von Tel Aviv in die hessische Provinz zieht. Er beschreibt die Reaktionen, welche der Umzug so­wohl bei der Dorfgemeinschaft als auch der Kleinfamilie hervorruft. Sarah Diehl arbeitet in ihrem Buch die deutsche Gedenkkultur auf ironische Art und Weise auf, indem sie die tradierten Vorstellungswelten miteinander kollidieren lässt. Sie macht deutlich, dass die Deutschen mitunter einiges über die Judenvernichtung wissen, jedoch kaum etwas über Jüdinnen und Juden. Unwissen und die Leerstellen, welche sich um alles Jüdische ranken werden mittels dieses Buches aufgezeigt und aufgebrochen.
Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zu erreichen, die Toilette nicht.
Ort. Infoladen Bremen, St. Pauli Straße 10
Veranstaltet von Contre la connerie des choses
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Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

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Amadeu Antonio Stiftung
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