Ausgabe Nr. 157, Februar 2019

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Deutschland ist für vieles berühmt in der Welt. Es gilt als solide, stabil, verlässlich. Aber wer sich heute in der Zivilgesellschaft engagiert, hat eher selten das Gefühl, die Dinge laufen gut. Oder dass Engagierte wirklich etwas ausrichten könnten. Sie denken ganz sicher nicht, dass alles solide und verlässlich läuft. Das tut es in vielen Bereichen auch nicht. Dass rechtsextreme Gewalttaten oft nicht geahndet werden, dass Nazis untertauchen können, dass für Menschrechte Engagierte offen und folgenlos bedroht werden, ist eine Tatsache. Das geschieht in einem Klima, in dem Rechtsextreme und „Rechtspopulisten“ durch schrille Töne Angst verbreiten. Sie versuchen alles, damit niemand auf die Idee kommt, es gäbe andere Themen als die, die sie vorgeben.

Doch ist das wirklich überall und immer so? Schaut man genauer hin, gibt es durchaus Verlässlichkeit und Stabilität. Studien wie Statistiken sehen wieder eine Zunahme der Willkommenskultur und einen besseren Integrationsindex. Deutsche mit Migrationshintergrund haben es nach wie vor schwer und doch sind sie längst Teil der Berufswelt, der Verwaltung, der Politik also des öffentlichen Alltags. Die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft geht auch voran, wenngleich mühsam. Dennoch ist das Thema weitaus präsenter geworden und Diskriminierungen sowie Stereotypisierungen stoßen schneller und lauter auf Gegenwehr. Das gleiche gilt für die LGBTI*-Community, sie ist sichtbar und ihre verbrieften Rechte haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der Artikel 3 des Grundgesetzes also, nach dem niemand diskriminiert werden darf, erfüllt sich Schritt für Schritt. Das alles passiert in Deutschland. Das alles gehört dazu und wurde hart erkämpft.

Ja, die Gegenwehr ist erheblich und sie wird nicht nachlassen. In die Institutionen hinein, Organisationen, Vereine und Verwaltungen weht ein neuer, oft bösartiger oder feindseliger Wind. Die gewählten Vertreter der „Rechtspopulisten“ nutzen jede Chance – und sie tun das systematisch – die Arbeit im Bereich Antidiskriminierung zu behindern, schlecht zu machen oder sogar gezielt zu sabotieren. Eine Studie über die Situation der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten beispielsweise, die von der Amadeu Antonio Stiftung im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft Kommunale Frauenbüros und Gleichstellungsstellen durchgeführt wurde, belegt das in drastischer Klarheit.

Dass die Grundsätze der Demokratie, nämlich die der rechtlichen Gleichheit eines jeden Menschen vor dem Gesetz und das Verbot der Diskriminierung derzeit offen infrage gestellt wird, ist schon erstaunlich. Diese Grundsätze und alles Erreichte offensiv verteidigen zu müssen, mag eine ungute und manchmal sogar neue Erfahrung sein, aber sie steht jetzt auf der Tagesordnung. Das gilt für jedes Projekt, jede Initiative, jede kleine oder große Organisation. Das gilt für die Zivilgesellschaft wie für die Politik, für die Kunst, die Wissenschaft und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wir haben uns daran zu gewöhnen. Nicht nur an die Verteidigung als Abwehr, sondern auch als Anerkennung. Denn Deutschland ist am Ende doch solide, verlässlich und stabil, dank der Menschen, die ihren Alltag nicht von Hysterie steuern lassen wollen. Die Demokratie ist und bleibt der denkbar größte Gegensatz zum Nationalsozialismus. Bei aller Kritik, bei allen Bemühungen und politischen Kämpfen. Und solange wir die Grundsätze dieser Demokratie gestalten und verteidigen können, machen wir das auch. Besser kann man auf den Nationalsozialismus und die Shoa nicht antworten. Dafür steht die Amadeu Antonio Stiftung. Und für nichts Anderes. 
 

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Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane

 

Im Fokus

„Ene mene muh – und raus bist Du!“ – Ein Rückblick

 

Im Dezember und Januar hatte die Amadeu Antonio Stiftung mit den Folgen von vielen Falscherzählungen und mutwillig verkürzten Darstellungen aus unserer Kita-Broschüre „Ene mene muh – und raus bist Du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ zu tun. Wir blicken zurück auf viel zu viel Hass, aber auch eine Welle der Solidarität in den Sozialen Medien, vielfältige Unterstützung aus Wissenschaft und Fachpublikum und ermutigende Landtagsdebatten.

 

Rechtsextremismus in der Polizei

© Pixabay.com/fshh

 

In Hessen wird nach Drohschreiben an die Anwältin Seda Basay-Yildiz wegen Rechtsextremismus innerhalb der Polizei ermittelt – und ein Fall nach dem anderen kommt ans Licht. Aufklärung über Rechtsextremismus in der Polizei ist nicht die Regel, Statistiken werden nicht geführt. In die Öffentlichkeit gelangen diese Einblicke im Zuge von Gerichtsverfahren oder wenn aufmerksame Bürger*innen oder Medien davon berichten. Eine Auflistung von Vorfällen aus den vergangenen Jahren zum Überblick.

 

Tagung „Zivilgesellschaft Online 2019 – Under Pressure“: Jetzt anmelden!

 

Hate Speech, „Fake News“, Trolling, Doxing und Shitstorms – der Ton in Sozialen Netzwerken ist oft rau und menschenverachtend. Die Plattformen wandeln sich vom Ort für die Demokratie 2.0 zu Schauplätzen der Bedrohung. Regelmäßig werden Menschen, die sich für Demokratie und Menschenrechte engagieren, mit Hass-Stürmen überzogen. Was haben wir dem Hass entgegen zu setzen?

Am 12. April wollen wir mit Ihnen auf der Konferenz „Zivilgesellschaft Online 2019 – Under Pressure“ den aktuellen Zustand analysieren und Lösungen finden: Mit welchen Strategien machen sich Rechtsextreme Soziale Netzwerke zu eigen? Wie können demokratische Erzählungen im Netz wirksam verbreitet werden? Und was kann und muss Medienbildung in diesem Zusammenhang leisten? 

 

 

Ermutigen. Beraten. Fördern. Ihre Spende hilft!

Die Amadeu Antonio Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diejenigen zu unterstützen, die vor Ort Menschenfeindlichkeit bekämpfen - indem sie eine demokratische Kultur ganz praktisch gestalten. Es geht um nicht weniger als die Gleichwertigkeit aller Menschen. In Zeiten massiver Angriffe gegen die demokratische Zivilgesellschaft gilt unser besonderer Dank unseren Spenderinnen und Spendern, die uns den Rücken stärken, sodass wir unbeirrt weitermachen können. 
 

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„Da fehlt einfach was!“ Münchener Nachwuchsfilmer kämpfen gegen das Vergessen

 

Am Anfang stand die persönliche Betroffenheit, der Schock über die Nähe zu den Opfern des Attentats im Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Im Rahmen eigener Recherchen fiel den Nachwuchsfilmern schnell auf: „Es gibt keine angemessenen Portraits der Opfer, immer nur ein bis drei Zeilen. Da fehlt einfach was!“. Das brachte die Schüler dazu, Skripte zu entwerfen, einen Film zu drehen, der sich ausschließlich den Opfern des Anschlags widmet.

 

Rechte Gewalt in Sachsen: Neue Dokumentationsplattform geht online

 

Demokratie ist manchmal langsam, behäbig und nur in kleinen Schritten zu verwirklichen. Manchmal versteckt sie sich: hinter einer Datenbank. Man möchte die Welt verändern, und findet sich wieder: vor einer Excel-Tabelle. Dann ist Liebe für’s Detail gefragt und viel, viel Geduld. Zwei Menschen aus Leipzig lassen sich davon nicht beirren. Mit beeindruckendem Ergebnis: Das "Dokumentationsarchiv Ressentiment und Gewalt" ist jetzt online! 

 

Aktuelle Publikation

"Man wird ja wohl Israel noch kritisieren dürfen..."?

 

Was tun, wenn antisemitische Stereotype im Klassenzimmer geäußert oder jüdische Kinder im Hort mit israelbezogenem Antisemitismus konfrontiert werden? Wir möchten Pädagog*innen bei der Auseinandersetzung mit den heute dominanten Formen des Antisemitismus zur Seite stehen. Die Broschüre zeigt Wesen und Funktionen von Antisemitismus auf und stellt eine Vielzahl von pädagogischen Ansätzen und Handlungsmöglichkeiten vor.

 

Termine

4.-9.2.2019 I Mit uns statt über uns! // Stammtischgespräche I Weimar
Werden Minderheiten in Deutschland ausreichend vor Benachteiligung, Diskriminierung, Hass und Gewalt geschützt? Wie können Gleichberechtigung, Inklusion und Vielfalt gelingen? Die Diskussionsreihe des Deutschen Nationaltheaters in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) der Amadeu Antonio Stifftung lädt zur Diskussion ein.
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16.02.2019 I Vernissage der Ausstellung "Drei Steine" I Berlin
In seiner autobiografischen Graphic Novel beschreibt Nils Oskamp, wie Neonazis mit SA-Manier eine Schule und einen Vorort von Dortmund in Schrecken versetzen. Nachdem sich Nils gegen das propagieren der Auschwitz-Lüge auflehnt, beginnt die Spirale der Gewalt und endet in zwei Mordanschlägen gegen ihn. Die Originialzeichnungen sind jetzt in Berlin zu sehen, begleitet von einer Multimediastation mit Filmbeiträgen und Infotafeln.
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16.02.2019 I "Wir*hier! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust" - Ausstellungseröffnung, Vortrag und Konzert von Lady Lazy I Greifswald
Wie wird heute an Menschen erinnert, die aufgrund ihrer (vermeintlichen) Homosexualität im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden? Wie war die Situation von Lesben, Schwulen, Trans* in der DDR? Auf diese Fragen antwortet die Ausstellung "Wir*hier! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust" und wird mit Vorträgen und einem Konzert der queer-feministischen Rapperin Lady Lazy in Greifswald eröffnet. 
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23.02.2019 I Fortbildung Planspiel zu Verschwörungsideologien und Antisemitismus "Die Welt am Abgrund" I Berlin
„Verschwörungstheorien“ sind im Laufe der letzten Jahre zu einem zentralen Problem der politischen Meinungsbildung und damit auch der politischen Öffentlichkeit geworden. Besonders ein latent vorhandener Antisemitismus wird zunehmend offen ausgedrückt. Das Projekt No World Order. Handeln gegen Verschwörungsideologien entwickelt seit dem Jahr 2015 Bildungsmaterialien zur Bekämpfung von „Verschwörungstheorien“ und Antisemitismus. Die Veröffentlichung des frei zugänglichen Materials wird von einem Anwendungsworkshop in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin begleitet.
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13.03.2019 I Grenzenlos gestärkt in den Alltag: Soziale Arbeit und die Bedrohung durch Rechtspopulismus I Berlin
Seit der Berlin-Wahl im Jahr 2016 gerät Soziale Arbeit verstärkt in den Fokus rechtspopulistischer Parteien in unserer Stadt. Menschenrechtsorientierte und diversitätsbetonte Soziale Arbeit wird dabei als "linksextrem" verunglimpft und angegriffen. Der Druck auf Fachkräfte der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nimmt weiter zu. Wie können wir den Angriffen ein demokratisches und solidarisches Verständnis von Gesellschaft entgegensetzen? Diese Fragen werden im kollegialen Rahmen diskutiert.
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Copyright (c) 2018
Redaktionsschluss: 07. Februar 2019

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Redaktion: Franziska Schindler, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Robert Lüdecke, Ibo Muthweiler

 
 


Die Amadeu Antonio Stiftung wird zur Entwicklung als bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 

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