Ausgabe Nr. 139, April 2017

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

was ist eigentlich die Negation der AfD und ihres Drumherum? Oder anders gefragt, sind diese Menschenhasser eine Antwort auf irgendwas Schlimmes, wie viele behaupten? Sind sie die Folge von Missständen? Von Ungerechtigkeit? Von ökonomisch bedingten Ängsten? Oder von zu vielen Flüchtlingen? Manchmal habe ich den Eindruck, der Erfolg der Rechtspopulisten wird gern ins Feld geführt, um ungeklärte Probleme der Gesellschaft und des Staates zu adressieren. Rechtspopulismus? Damit, so scheint’s, kann man alle Konflikte auf den Tisch packen und behaupten, sie wären die Ursache des Übels. Ich finde jedoch, wir sollten es andersrum betrachten: In dieser heftigen Zeit liegen längst alle Probleme auf dem Tisch. Es ist einfach so, ob nun mit oder ohne die AfD. Sie liegen da. Also lasst sie uns betrachten! Lasst uns darüber reden und überlegen, auf welche der Fragen wir eine Antwort finden und welche jetzt nun mal zu unserem Leben in einer modernen, globalisierten Demokratie einfach dazugehören. Ich finde es gut, dass viele Dinge jetzt sichtbar sind. Unsichtbarkeit schützt, wie wir wissen, nicht davor, dass das entsprechende Problem verschwindet. Wir rempeln nur dauernd dagegen und wundern uns dann, was so schmerzlich daran ist.

Es hat immer diese 20% rechtsaffine Einstellungen in der Bevölkerung gegeben. Jetzt sehen wir sie klar und deutlich. Es gab schon immer Rassismus. Jetzt springt er uns an. Es gab schon immer Konflikte in der Einwanderungsgesellschaft. Jetzt sprechen wir darüber. Das Gleiche gilt für Diskriminierung unterschiedlichster Art. Es gab sie immer, früher sogar noch heftiger, noch viel mehr als Teil der Normalität. Nur war es kein Thema. Das bedeutet logischerweise nicht, dass deshalb früher alles besser war. Im Gegenteil. Die Gesellschaft ist ohne Zweifel offener geworden, die rechtlichen Voraussetzungen besser, die Stimmung liberaler. Gleichwertigkeit der Lebensstile gehört zum Selbstverständnis der Gesellschaft. Und die Unterschiede der Herkunft ebenso. Noch sind diese Aussichten und Hoffnungen keineswegs erfüllt, wir arbeiten ja alle hart daran, doch es hat sich entwickelt! Oder will jemand ernsthaft zurück in frühere Jahrzehnte mit all den mehr oder wenig verdrucksten Diskriminierungen von allem, was nicht „gesund“, heterosexuell, männlich, weiß und im wehrfähigen Alter war? Wer das heute will, wird vermutlich sehr nah an AfD & Co. sein.

Und da kommen wir der Sache schon näher. Die Negation der Menschenfeindlichkeit ist Gleichwertigkeit. Gleichwertigkeit zu erreichen, darin sehen wir in der Amadeu Antonio Stiftung unsere Aufgabe. Was das aber in einer diversen Gesellschaft bedeutet, ist viel komplizierter als die Formeln, nach denen bisher gearbeitet wurde. In einer offenen, diversen Gesellschaft kann jede Person gleichzeitig Gegenstand möglicher Abwertung wie auch selbst abwertend gegen andere sein. Die Werte des Grundgesetzes und der Aufklärung, auf dem es beruht, müssen für jeden gelten, und allen gebührt der Schutz vor Abwertung. Da wir nicht mehr in den früheren Jahrzehnten mit ihrem Norm-Mann leben, gelten die Werte kreuz und quer. „Biodeutschen“ ihren Rassismus vorzuhalten ist eben nur ein Schritt. Abwertungen kommen heute von allen Seiten. Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, antimuslimischer und einfacher Rassismus, Homo- und Trans*phobie kommen überall vor: bei Frauen, Juden, Migranten, Muslimen, Homo- und Trans*Personen. Was nützt schon ein Jugendclub ohne Rassismus, wenn dort Juden mit dem Tode bedroht werden? Und was ein tolles Trans*projekt, wenn dort Schwarze gedisst werden? Was sollen Anti-Rechts-Projekte, wenn sich die Leute da einig sind, unter keinen Umständen mit Unternehmen zusammenzuarbeiten. Solches Segmentieren müssen wir überwinden. Gleichwertigkeit, Menschenrechte, Universalismus – das sind die Antworten auf die Menschenfeindlichkeit der AfD und ihrer Umfelder.

Das wird sicher spannend, kontrovers und braucht auch für uns viele Debatten. Denn wie in aller Welt sollen wir gegen Rechtspopulismus vorgehen, wenn wir uns unserer eigenen Haltungen nicht bewusst sind?! Dafür sind Debatten da. Dafür liegen die Fragen auf dem Tisch. Lasst sie uns diskutieren!

Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane

P.S.: Ich möchte Ihnen noch die Ausschreibung des Amadeu Antonio Preises ankündigen, die wir Ende dieser Woche veröffentlichen werden. Gesucht und ausgezeichnet wird wieder kreatives Engagement für Menschenrechte - gegen Rassismus und Diskriminierung. Neben eigens eingereichten Bewerbungen, gibt es auch die Möglichkeit, Kunstschaffende oder Projekte für den Preis zu nominieren. 

 

Im Fokus

Stellungnahme

Zum vorgelegten Entwurf des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes

Stellungnahme NetzDG
 

Das Justizministerium hat einen Entwurf für ein Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetzt - NetzDG) vorgelegt. Hintergrund ist die Debatte über den Umgang mit online Hate Speech. Als Mitglied der "Task Force gegen Hassinhalte im Internet" hat die Amadeu Antonio Stiftung eine kritische Stellungnahme zum Gesetzesentwurf veröffentlicht.

 
Pressemitteilung

Aus Netz gegen Nazis wird Belltower News

Belltower.News
 

Unser Internetportal "Netz gegen Nazis" kriegt einen neuen Namen und eine neue Konzeption: „Belltower.News – Netz für digitale Zivilgesellschaft“. Weiterhin wird es um Rechtsextremismus gehen, aber nicht nur: Facetten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Strategien und Argumentationsmuster, aber auch digitale Gewalt und Kommunikationskultur: „Wir wollen berichten, wie etwa Rassismus und Islamfeindlichkeit in Deutschland befeuert werden – auch, wenn dies nicht aus der rechtsextremen Ecke geschieht", so Chefredakteurin Simone Rafael. Belltower.News geht heute, am 3. April, online.

 
Interview

Digital Streetwork – pädagogische Arbeit im Netz

debate dehate
 

Christina Dinar leitet das Projekt debatefür digitale demokratischen Kultur (vormals no-nazi.net) und entwickelt gemeinsam mit Kolleg_innen Online-Präventionsansätze sowie Konzepte zu Digital Streetwork. Sie studierte Soziale Arbeit sowie Theologie, Kulturwissenschaften und Gender Studies in Berlin und Israel. Im Interview sprach sie über pädagogische Arbeit im Netz.

 
EGAM-Seminar

Sarajevo sur Seine - was bleibt?

 

„Netzwerken“, „austauschen“, „voneinander lernen“. Formulierungen, die jeder politisch aktive Mensch schon oft gehört und auch selbst verwendet hat, und die auch in Förderanträgen oft auftauchen. Als Vertreterin der Amadeu Antonio Stiftung beim Seminar des ‚European Grassroots Antiracist Movement‘ in Paris nutzte unsere Praktikantin Anne Gehrmann die Chance diese Worthülsen für sich mit Inhalt zu füllen.

 

Geförderte Projekte

Dieses Jahr konnten wir bundesweit bereits 52 Projekte fördern und in 10 Fällen Betroffene von rechter Gewalt finanziell unterstützen. Neben tätiger und ideeller ist es die finanzielle Hilfe, die diese Initiativen möglich macht. Spenden Sie hier und unterstützen Sie gemeinsam mit uns Engagament vor Ort gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Formen von Menschenfeindlichkeit.

Spenden

 

Wanderausstellung: Von Grenzen und Korridoren

 

In Göttingen wird derzeit eine Ausstellung entwickelt, die zeigt, dass Debatten um Flucht nicht nur mit Worten und im direkten Gespräch geführt werden können. Es geht um Geschichten entlang der Balkanroute, die in Fotografien, Video- und Tonaufnahmen erzählt werden.

 

Veranstaltungsreihe: Wucht der Worte

Wucht der Worte Stiftung Geißstr. 7
 

Dass verbaler Hass und Gewalt miteinander im Zusammenhang stehen, wird nicht erst seit dem drastischen Anstieg von Angriffen auf Geflüchtete und den vorausgegangen Hasstiraden im Netz vermutet. Das Projekt "Wucht der Worte" möchte in Stuttgart und darüber hinaus eine Debatte darüber anzetteln und das Bewusstsein dafür schärfen, dass der zivilisierte Diskurs die Grundlage jeder sozialen Gemeinschaft ist.

 

Aktuelle Publikation

Meme: die Kunst des Remix - Bildsprache politischer Netzkultur

 

Unsere neue Broschüre setzt sich mit Funktionsweisen und Arten von Memen auseinander und entwickelt Ansätze diese in die pädagogische Arbeit miteinzubeziehen. Meme – Konzepte in Form von Links, Bild-, Ton- oder Videodateien, die sich schnell über das Internet verbreiten – sind Schlüsselkomponenten der modernen Netzkommunikation.

Sie beeinflussen den Prozess der Meinungsbildung, insbesondere den der sogenannten Digital Natives. Durch ihr Spaßimage sind ideologisch aufgeladene Meme auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar, weil sie popkulturelle Anleihen und vertraute Ästhetik nutzen. Wo aber hört Satire auf und fängt gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit an?

Die Broschüre kann als Printexemplar kostenfrei bei der Stiftung bestellt werden. 

 

Termine

03./04.04. Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen: „Teilhabe voranbringen – Gemeinschaft stärken“
Unsere Kolleg_innen Laura Piotrowski, Judith Rahner, Teresa Sündermann, Rachel Spicker, Janna Petersen, Georgios Thodos und Tobias Fernholz leiten am 4. April im Rahmen der Bundeskonferenz der Intergrationsbeauftragten in Dortmund in vier Workshopformaten ein "Argumentationstraining gegen Rassismus und Flüchtlingsfeindlichkeit".

05.04.2017 I Theater: Die NSU-Monologe I Jena
Im Vorfeld der Eröffnung des IDZ in Jena am 6.April werden die NSU-Monologe im Kassablanca aufgeführt. Im Anschluss an das Stück diskutieren Vertreter_innen der Bühne für Menschenrechte, Dorothea Marx, Bahar Aslan und Prof. Dr. Wolfgang Frindte über die Eindrücke und den Stand der Aufarbeitung der NSU-Verbrechen entlang aktueller politischer Entwicklungen.
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06.04.2017 I Eröffnung des IDZ I Jena
Das Thüringer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Trägerschaft der Amadeu Antonio Stiftung wird im Volksbad Jena offiziell feierlich eröffnet. Damit verbunden wird der 1. Band der Schriftenreihe des Instituts „Wissen schafft Demokratie“ vorgestellt.
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06.04.2017 I Gedenken an den Völkermord in Ruanda vor 23 Jahren
Unser Kollege Mick Prinz vertritt die Amadeu Antonio Stiftung bei einer Delegation europäischer NGOs und Parlamentarier_innen in Ruanda. Anetta Kahane berichtete vor einem Jahr von ihren Eindrücken der Reise in der Frankfurter Rundschau. Begleitet wurde sie von unserer Kollegin Britta Kollberg, deren Artikel über Microschools und die Entwicklung des Bildungswesens in Ruanda kürzlich veröffentlicht wurde.

13.04.2017 I Fachtagung: Zwischen "Islamisierung" und "Genderwahn" - Vielfaltpädagogik in Zeiten völkischer Mobilisierungen I Dresden
Moderne Jugendarbeit im Sinne einer Pädagogik der Vielfalt bedarf einen Austausch mit Expert*innen, die Kenntnis unterschiedlicher geschlechterreflektierender, rassismuskritischer, migrationspädagogischer, demokratiebildender und empowernder Ansätze und deren Verknüpfung haben. Die Praxisstelle ju:an nimmt an dieser Fachtagung teil: Judith Rahner wird auf dem Podium zu „Vielfalt in die Offensive“ diskutieren und Golschan Ahmad Haschemi bietet den Workshop „Vermintes Gelände?“ an.
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27.04.2017 I Vortrag: „Rechtsextreme Frauen in NRW" I Bonn
Unsere Kollegin Rachel Spicker wird einen Vortrag an der Universität Bonn über rechtsextreme Frauen in NRW halten.

29.04.2017 I Tagung: „Die neue Bewegung von rechts“ I Potsdam
Die Tagung zu neuen rechten Bewegungen in Brandenburg analysiert Themen und Akteur_innen und fragt, wie man diesen begegnen kann, um eine offene, demokratische Gesellschaft zu verteidigen und zu stärken. Unsere Kollegin Rachel Spicker wird einen Workshop zu rechter Geschlechter- und Familenpolitik geben.
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Sind Sie auch gerade bei der Urlaubsplanung? Dann „boosten“ Sie doch! Die Idee dahinter: Mit einem Klick geht ein Teil Ihres Umsatzes – ohne Mehrkosten für Sie – an die Amadeu Antonio Stiftung. Ob Flug-, Bahntickets oder Hotels - Hunderte Online-Shops sind dabei: www.boost-project.com

 

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Redaktionsschluss: 03. April 2017

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Spenden


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Redaktion: Sofia Vester, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Anne Gehrmann, Christina Dinar, Mick Prinz, Simone Rafael

 
 


Die Amadeu Antonio Stiftung wird als bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 

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