Ausgabe Nr. 156, Dezember 2018

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

die Zeit „zwischen den Jahren“ heißt vermutlich so, weil wir uns in diesen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr in einem Nirgendwo befinden. Zwischen Ende und Anfang, zwischen Reflexion und Pläne schmieden, zwischen Vergessen und neuen Vorsätzen, zwischen Vergeblichkeit und Hoffnung. Eine Art Schwebezustand sozusagen, den wir selbst erzeugen, um das alte Jahr langsam gehen zu lassen und die Anstrengungen des neuen noch einen Moment von Ferne zu betrachten.

Für mich war das Jahr 2018 vor allem von einem Satz geprägt, den die Amadeu Antonio Stiftung in diesem Jahr auch zu ihrem Motto gemacht hat: Ohne Wenn und Aber. Für demokratische Kultur. Ohne Wenn und Aber gegen Rassismus. Ohne Wenn und Aber gegen Antisemitismus. Dieser Slogan stand schon vor genau einem Jahr in unseren Wünschen für das neue Jahr. Ich finde, er passt zu unserer Zeit, in der alles Mögliche verhandelt wird, was nicht verhandelbar sein sollte: Die Würde des Menschen, seine bedingungslose Gleichwertigkeit, seine unveräußerlichen Grundrechte. Das alles sind Dinge, die in unserem Grundgesetz festgeschrieben wurden und zwar für alle Zeit. Dieses Grundgesetz mit seinem höchsten Anspruch an Universalismus, Menschlichkeit und Recht wird 2019 genau 70 Jahre alt. Nach all den schrecklichen Relativierungen seines Grundgedankens, den wir in diesem Jahr von der extremen Rechten erleben mussten, nach all dem Hass und der Hetze gegen Geflüchtete oder Eingewanderte oder Frauen, kann es doch nur diesen Slogan geben. Ohne Wenn und Aber. Das Grundgesetz enthält Grundsätze. Sie lassen keinerlei Aufweichen zu. Wenn es Menschen gibt, die dieses Grundgesetz verteidigen.

Das schönste Bild des Jahres 2018 war für mich eine Aufnahme von den Protesten gegen die Nazidemo in Chemnitz. Wir erinnern uns: In Chemnitz konnten wir live miterleben, wie die Neonaziszene mit der AfD den Schulterschluss vollzog. Hier fand symbolisch zusammen, was Europa umtreibt. Die nationalrevolutionären brutalen Neonazis, wie wir sie aus Osteuropa und eben auch aus Ostdeutschland kennen und die bürgerlichen extrem Nationalkonservativen, heute Rechtspopulisten genannt, die in Westeuropa gerade wieder im Aufwind sind. Da war er, der Schulterschluss – und das Chaos, das die Polizei nicht zu regeln in der Lage war. Inmitten dieser Turbulenzen machten einige Leute etwas Unerwartetes. Anstelle einer Straßensperre aus Gegenständen und sitzenden Menschen, stellten sie den Rechten Reihe für Reihe kleine Bücher auf den Weg. Sie stellten diese Bücher aufrecht hin, vorsichtig und leicht aufgeklappt, damit sie nicht umfallen. Es waren Exemplare des Grundgesetzes. Nicht tausende, sondern gerade so viele, um klar zu machen, worum es jetzt in Chemnitz, in ganz Deutschland geht. Ohne Wenn und Aber.

Es ist nicht nötig aufzuzählen, was alles geschehen ist in diesem Jahr, viel wichtiger wird der Blick in die unmittelbare Zukunft. 2019 stehen Wahlen an, drei davon im Osten. Die prominenteste wird wohl die in Sachsen sein, doch auch in Brandenburg und Thüringen werden die „Rechtspopulisten“ an Einfluss gewinnen. Sie werden alles dafür tun, mitzuregieren. Doch wer auch immer dann die Regierung schließlich bildet, die Zeiten werden schwer. An erster Stelle für die Initiativen und Projekte zur Demokratieförderung. Die AfD wird alles daransetzen, diese Projekte abzuschaffen oder ihnen zumindest das Leben zur Hölle zu machen. Ähnliches kennen wir schon aus anderen Bundesländern. Der Druck auf die Engagierten wird sich weiter erhöhen. Auf ihre Vereine, wie auf die Menschen selbst in ihrem persönlichen Umfeld. Egal wie die Wahlen am Ende im Detail ausgehen, wir müssen damit rechnen, dass genau dort, wo die Arbeit am Dringendsten gebraucht wird, sie am meisten erschwert werden wird.

Was wir tun können? Ganz einfach. Die Engagierten müssen sich auf die Aufmerksamkeit und die Solidarität der gesamten Gesellschaft verlassen können. Sie müssen erfahren, dass wir sie weiter unterstützen. Mit Ihrer Hilfe egal ob aus Ost oder West, Nord oder Süd. Denn wo immer in einem Teil Deutschlands die Dämme brechen, überfluten sie irgendwann auch andere Teile. Wir brauchen eine gemeinsame Anstrengung, damit das Grundgesetz nicht einfach überrollt wird. Nirgendwo in Deutschland. Es zu verteidigen ist heute nicht mehr nur eine Sache der Worte, sondern die wirkliche Barriere gegen Menschenfeindlichkeit. Ohne Wenn und Aber.

Spenden

Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane

 

Im Fokus

Chemnitz – Synonym rechter Gewalt

Der "Probelauf" der mutmaßlichen Terrorzelle fand am Rande einer "Pro Chemnitz"-Demonstration am 14.09.2018 statt.

© BTN

 


Chemnitz wurde zum Synonym extrem rechter Gewalt des Jahres 2018. Nur vordergründig ging es um den gewaltsamen Tod des 35-jährigen Daniel Hilbig, mutmaßlich erstochen von zwei jungen Migranten. Vor allem eröffnete sich die Chance, die Ethnisierung eines Verbrechens dafür zu nutzen, eine bundesweite Protestmasse in Gang zu setzen - weit über das stabile „Pegida“- Potenzial hinaus. Es bildete sich ein explosives Gemisch aus Fakenews, Empörung und Hass.

 

10 Gründe, weiterzumachen

 


Ein intensives Jahr geht zu Ende. Das politische Klima ist nicht besser geworden, aber wir haben einiges geschafft. Alle Erfolge sind für uns Grund, noch entschlossener weiterzumachen. Hier stellen wir zehn Höhepunkte der Stiftungsarbeit im Jahr 2018 vor.

 

Ermutigen. Beraten. Fördern. Ihre Spende hilft!

Wir blicken auf ein Jahr zurück, das in seiner Themenvielfalt nicht reicher hätte sein können: von einer Kampagne gegen rechte Gewalt in Berlin über Workshops zu antisemitismuskritischer Jugendarbeit, Studien zu Hasskriminalität, Antifeminismus und Gesellschaftlichem Zusammenhalt bis hin zu digitaler Straßensozialarbeit und der kritischen Begleitung des NSU-Prozess. Die Liste ist lang und noch längst nicht zu Ende.

Aber das ist nur der eine Teil der Geschichte. Die Amadeu Antonio Stiftung konnte dieses Jahr bereits 85 Projekte und Initiativen mit mehr als 176.000 Euro fördern. Hinter den Zahlen verbergen sich mutige Menschen, die sich bestimmt und engagiert gegen die Normalisierung von Menschenfeindlichkeit und für eine demokratische Kultur einsetzen. Ohne die Unterstützung unserer Spender*innen und Stifter*innen wäre das niemals möglich gewesen. Sie möchten, dass wir weitermachen? Dann unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende. Wir danken Ihnen bereits jetzt für Ihr Vertrauen.

Sie möchten Ihre Zuwendung noch für 2018 steuerlich geltend machen? Aufgrund der Feiertage und der Bankfristen können wir Lastschriften, die ab heute ausgelöst werden, erst im neuen Jahr einziehen. Spenden per Überweisung oder PayPal hingegen werden – abhängig von Ihrer Bank – noch bis zum 28.12. steuerlich für 2018 wirksam.



Spenden

 

Förderbilanz: Engagiert für eine demokratische Zivilgesellschaft

© Amaro Drom/Amaro Foro

 


In diesem Jahr förderte und unterstützte die Amadeu Antonio Stiftung mit Hilfe unserer Spender*innen 85 Projekte mit mehr als 176.000 Euro. Insgesamt half der Opferfonds CURA in 46 Fällen mit über 29.000 Euro Betroffenen rechter Gewalt. Ein Einblick in unsere Projektförderung.

 

 

Kein Platz für Romafeindlichkeit im Stadion

© Schalker gegen Rassimus und Diskriminierung

 


Als 1992 Unterkünfte von Asylsuchenden brannten, war den Schalker Fans klar: sie müssen etwas tun. Der spürbare Rassismus in der Gesellschaft sollte im Stadion keinen Platz haben. Mit Flugblättern und Infoveranstaltungen fing es an. Die Herausforderungen haben sich verändert, kleiner geworden sind sie nicht. Heute stellt sich die Faninitiative "Schalker gegen Rassismus und Diskriminierung" auch gegen Romafeindlichkeit im Stadion.

 

Spendenideen

Events und andere (Ver-)Sammlungen: Spendenideen 2018 zum Mit- und Nachmachen

© Philipp Lindenau

 


Von der Chemnitzer „Kopfpauschale“ bis zur „Glamourösen Gutmenschengala“: Unsere Spender*innen begeisterten uns in diesem Jahr einmal mehr mit kreativen Spendenideen. Wir freuen uns, dass wir auch 2018 einige dieser schönen Geschichten weitererzählen dürfen.

 

Aktuelle Publikation

Kinder an die Macht! Kinderrechte als Chance für Demokratielernen

 


Wie wird Demokratie im Alltag für Kinder und Jugendliche erlebbar? Ein Teil der Antwort liegt in den Kinderrechten. Kinderrechte regeln, dass alle Kinder diese Rechte haben. Darüber hinaus stellen sie klar, dass jedes Kind auf dieser Welt gleich viel wert ist. Die neue Handreichung rückt Kinderrechte ins Bewusstsein der (Erwachsenen-)Gesellschaft und gibt praktische Handlungsempfehlungen für kinderrechtsbasierte pädagogische Arbeit.

 

Neuer Podcast: „Digitaler Hass in der Einwanderungsgesellschaft“

 


Frauenverachtung, Hass auf Andersdenkende, Antisemitismus und Homofeindlichkeit sind Grundpfeiler neurechter Ideologien. Verbreitet werden diese Phänomene auch und vor allem online, als “Hate Speech”. Doch Hassrede kommt nicht nur aus rechtsextremen Szenen. Auch in Communities, die selbst von Diskriminierung betroffen sind, stellt die Verbreitung von Hassrede ein enormes Problem dar. Ihnen widmet sich die achte Folge des de:hate-Podcasts.

 

Termine

07.01.2019 I Ausstellungseröffnung: „Wir* hier! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust“ I Bad Doberan
Wie wird heute an Menschen erinnert, die aufgrund ihrer (vermeintlichen) Homosexualität im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden? Wie war die Situation von Lesben, Schwulen, Trans*personen in der DDR? Wie haben Menschen damals und heute Widerstand gegen Homo- und Trans*diskriminierung organisiert? Der Verein "Lola für Ludwigslust" eröffnet am 07.01.2019 die Ausstellung „Wir* hier! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust“ in Bad Doberan  und gibt Antworten.
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11.01.2019 I "Meet Your Neighbour" – Lesung und Diskussion mit Lehrerinnen aus Deutschland und Syrien I Rostock
"Meet Your Neighbours" bringt Perspektiven von neuangekommenen und schon immer hiergewesenen Personen aus verschiedenen Arbeitsfeldern zusammen. Im Mittelpunkt des Nachbarschaftsgesprächs in Rostock steht der Lehrer*innenberuf. Neu angekommene Lehrer*innen tauschen sich mit deutschen Lehrer*innen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer beruflichen Praxis in Syrien und Deutschland aus.
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24.01.2019 I Die Rhetorik der Rechten. Rechtspopulistische Diskursstrategien und die Rolle von Antifeminismus I Berlin
Wie geht Rechtspopulismus rhetorisch vor? Welche stilistischen, inhaltlichen und nicht zuletzt manipulativen Mittel werden benutzt? Und welche Rolle spielen dabei antifeministische Argumentationen? Franziska Schutzbach stellt dazu ihr neues Buch „Die Rhetorik der Rechten. Rechtspopulistische Diskursstrategien im Überblick“ vor.
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4.-9.2.2019 I Mit uns statt über uns! // Stammtischgespräche I Weimar
Werden Minderheiten in Deutschland ausreichend vor Benachteiligung, Diskriminierung, Hass und Gewalt geschützt? Wie können Gleichberechtigung, Inklusion und Vielfalt gelingen? Die Diskussionsreihe des Deutschen Nationaltheaters in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) der Amadeu Antonio Stifftung lädt zur Diskussion ein.
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Impressum

Copyright (c) 2018
Redaktionsschluss: 27. Dezember 2018

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Redaktion: Franziska Schindler, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Britta Kollberg, Robert Lüdecke

 
 


Die Amadeu Antonio Stiftung wird zur Entwicklung als bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 

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