Ausgabe Nr. 126, Februar 2016

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist zum Jungehundekriegen: Alle reden von Köln, von Nordafrikanern oder benutzen andere Chiffren, um klar zu machen, dass jetzt Schluss sein muss mit der Flüchtlingsfreundlichkeit. Es herrscht derzeit ein Klima in Deutschland, das mit der Wirklichkeit nicht mehr korrespondiert. Einerseits nämlich helfen und engagieren sich nach wie vor mehr Menschen als je zuvor für Flüchtlinge. Und Kommunen scheitern mitnichten, sondern sorgen dafür, dass die Aufnahme und Eingewöhnung der Flüchtlinge gut klappt. Andererseits arbeitet die Regierung an Einschränkungen des Asylrechts in bisher ungekanntem Ausmaß. Da werden Länder zu sicheren Drittstaaten erklärt, die alles andere als sicher und demokratisch sind. Doch reagiert die Öffentlichkeit kaum. Keine Proteste, keine Demos, gar nichts. Die Leute sind entweder zu sehr mit den Flüchtlingen beschäftigt oder werden mit Nachrichten und Dementis im Stil von Köln zugeballert. Gewiss finden viele auch selbst, dass Deutschland keine Flüchtlinge mehr aufnehmen sollte. Doch alles in allem ist die Stimmung sehr, sehr viel hysterischer, als es die Realität hergibt.

Wir sollten uns nicht allzu sehr davon beeindrucken lassen, sondern auf das Wesentliche schauen: die Hysterie dient an erster Stelle dazu, die täglichen Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte gleichzeitig zu rechtfertigen und zwischen all dem Gekreische unsichtbar zu machen. Jeden Tag geschehen Anschläge, jeden Tag werden Menschen verletzt. Jeden Tag kapituliert der Staat irgendwo vor dieser konzertierten Aktion Rechtsextremer. Quantität und Qualität der Angriffe steigern sich und es scheint, als würden die Medien bei aller guten Absicht, daraus die Randnotiz eines neuen Alltags machen. Und offenbar fehlt es an Kraft und politischem Willen, solche Anschläge zu verhindern und das Gewaltmonopol des Staates durchzusetzen. 

Ein Rechtsstaat kann nur funktionieren, wenn der Schutz der Menschen vor Gewalt funktioniert und sollte er dennoch verletzt werden, dass dies vom Staat geahndet wird. Dazu müssen die zuständigen Organe aber, dem Grundgesetz entsprechend, alle Menschen in Deutschland schützen - nicht nur die sogenannten Ureinwohner, sondern ebenso Flüchtlinge, Migranten oder People of Colour. Das Problem mit dem Rassismus auch und gerade in staatlichen Strukturen ist nämlich keineswegs gelöst, nur weil nun viele Geflüchtete da sind und Menschen sich um sie kümmern. Das Problem ist nicht verschwunden. Wohin auch? Die bisherigen Maßnahmen, das zu ändern sind noch nicht besonders fortgeschritten.

Der Hysterie kann man am Besten begegnen, wenn ihre Anlässe in notwendige Handlungen übersetzt werden. Polizei kann man trainieren, die Lage vor Ort kann besser analysiert werden u.a. mit Hilfe der NGO’s, die sich auskennen. Flüchtlinge schützen und alle, die sich für sie einsetzen, das ist eine lösbare Aufgabe. Die sollte ganz oben auf die Tagesordnung von Staat und Gesellschaft. Denn ihren Schutz aufzugeben bedeutet, jeden Schutz aufzugeben vor Rechtsextremen, Populisten und Kriminellen. Die Gesetze – auch das Asylrecht – gelten ohne Einschränkung. Das haben Gesetze in der Demokratie so an sich. Darauf müssen wir bestehen. Darauf bestehen wir. Junge Hunde hin oder her, Hysterie ist ein schlechter Ratgeber. Der Gesellschaftsvertrag in einer Demokratie baut nicht auf Stimmungen sondern auf das Recht. Und wir sollten es hier unbedingt stärker einfordern!

PS: M
it Hilfe von vielen Spenderinnen und Spendern konnte die Amadeu Antonio Stiftung seit ihrem Bestehen bereits über 1.000 Projekte für eine demokratische Zivilgesellschaft fördern – allein im Jahr 2015 waren es 132 Projekte! Falls Sie sich 2016 vorgenommen haben etwas Gutes zu tun, werden Sie doch Mitglied im Kreis der Freunde und Förderer!

 

 

Im Fokus

Bürgerwehren: Harmlose Hilfssheriffs oder Neonazis?

Screenshot Facebook, 08.02.2016

 

„Fulda passt auf“, „Bürgerinitiative für Sicherheit in Braunschweig“, „Einer für alle, alle für einen Düsseldorf“ oder einfach „Bürgerwehr Memmingen“ – so nennen sich Gruppen, die Deutschlands Straßen nach ihrem eigenen Verständnis sicherer machen wollen. Nicht weniger als 100 solcher Gruppen lassen sich allein auf Facebook zählen. Aber gehen diese Leute tatsächlich nachts und bewaffnet auf Patrouille? Welche dieser Gruppen lassen sich als eindeutig rechtsextrem qualifizieren, bei welchen bestehen Verbindungen ins rechtsextreme Lager? Und: Dürfen die das?

 

Betroffene rechter Gewalt brauchen Ihre Hilfe

 

Flüchtlingsfeindliche Demonstrationen und Angriffe auf Geflüchtete, ihre Unterkünfte, vermeintliche Migrant_innen sowie Unterstützer_innen passieren tagtäglich. Angesichts der traurigen Realität dieser alltäglichen Gewalt in Deutschland sind Projekte wie der Opferfonds CURA unerlässlich, um Betroffenen schnelle und unbürokratische Hilfe bieten zu können. Im Jahr 2015 hat CURA bis zu 30 Betroffene rechter Gewalt und Opferberatungsstellen mit insgesamt 29.206,34 Euro finanziell unterstützt.

 

Geförderte Projekte

Auch 2016 bleibt es die Aufgabe der Amadeu Antonio Stiftung, Menschenfeindlichkeit zu bekämpfen. Wir wollen mehr Gleichwertigkeit der Menschen, faire Bedingungen dafür und einen demokratischen Rechtsstaat, der im Dienste genau dieser Ziele arbeitet. Wir danken an dieser Stelle ganz besonders unseren Spenderinnen und Spendern, die es uns und den Initiativen ermöglichen zu zeigen, dass es funktioniert und wir die Kultur der Gleichwertigkeit verbessern können!

Spenden

 

Sie sind Superheldinnen

© Kulturkosmos Leipzig e.V.

 

Der Verein Kulturkosmos Leipzig begeistert mit einer Idee für ein ganz besonderes Projekt - SUPREMA richtet sich an Leipzigerinnen und geflüchtete Frauen. Gemeinsam erarbeiten sie in einem kreativen Prozess neue Superheldinnen. Genauer gesagt: Superheldinnen des Alltags!

 

 

Jeder ist bei uns willkommen!

© Palanca

 

Dem Andenken an Amadeu Antonio hat sich der Afrikanische Kulturverein Palanca e.V. in Eberswalde verschrieben. Doch nicht die Trauer steht im Vordergrund: Vielmehr setzt sich der Verein erfolgreich  und  kreativ  für  Akzeptanz,  Annäherung und Integration ein.

 

Publikationen bestellen

„Das Bild des übergriffigen Fremden – wenn mit Lügen über sexualisierte Gewalt Hass geschürt wird“

 

Die Handreichung klärt auf über Fakten zur Verbreitung, Täterschaft und Situation der Betroffenen von sexualisierter Gewalt und sexuellen Kindesmissbrauchs und geht der Frage nach, warum das Bild vom "übergriffigen Fremden" so häufig und leicht geglaubt und weiterverbreitet wird. Anhand von Fallgeschichten geben die Autor/innen Empfehlungen, wie in der Jugendarbeit und im Gemeinwesen sinnvoll und wirksam auf Gerüchte über sexualisierte Gewalt reagiert werden kann. 

 

Termine

10. Februar, Hannover
Podiumsdiskussion "Und nun?" 
Über den sexistischen Normalzustand und die rassistische Instrumentalisierung von sexualisierter Gewalt in Deutschland.
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17. Februar, Moers
Fachtag „Angekommen?! (Offene) Kinder- und Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten und Zuwander_innen – Impulse für die Praxis“. Mit einem Fachinput von Judith Rahner, Amadeu Antonio Stiftung zum Thema: „Kochen, Kickern, Karaoke? Oder was Offene Jugendarbeit für Jugendliche Geflüchtete tun kann! 15 Punkte für eine Willkommensstruktur in Jugendeinrichtungen“ 
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7. März, Berlin
Fachtag „Haltung. Perspektive. Begegnung.“ - Die ju:an-Praxisstelle moderiert den zweiten Fachaustausch für Mitarbeiter_innen aus dem Bereich Kinder-/Jugend-/Sozialarbeit für die Bezirke Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Pankow stattfinden.
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Impressum

Copyright (c) 2016
Redaktionsschluss: 08. Februar 2016 

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Spenden


Sollten Sie zur Verwendung von Spenden Fragen haben, können Sie sich jederzeit an uns wenden.

Redaktion: Anna Brausam. Mitarbeit: Maximilian Kirstein, Oliver Saal, Niels Schaffroth, Anetta Kahane, Timo Reinfrank (verantwortlich).

 
 

Die Amadeu Antonio Stiftung wird als Bundeszentraler Träger gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!"

 
 

Kontakt

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