Ausgabe Nr. 136, Januar 2016

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht werden Sie mir zustimmen: Es wird Zeit, dass ein neues Jahr beginnt. Das alte stand bereits in der Silvesternacht unter einem schlechten Stern. Aber wir sind nicht abergläubisch und wissen, dass neben all dem Schlechten auch sehr viel Gutes geschehen ist. Sehr viele Menschen haben sich engagiert gegen Hetze und Gewalt, und sie werden es weiter tun: mit Kampagnen, mit Spenden, mit ehren- und hauptamtlicher Arbeit im Sinne der demokratischen Kultur. Und dafür wollen wir uns an dieser Stelle besonders herzlich bedanken. Es war schon immer wichtig, so zu handeln, und im Jahr 2016 hat sich einmal mehr gezeigt, dass es anstrengend und konfliktreich sein kann. Umso größer ist die Notwendigkeit weiterzumachen. Denn wir brauchen mehr denn je Engagement statt Hetze!

Demokratische Kultur zu schützen war für diejenigen, die Rechtsextremismus bekämpfen, noch nie ein Sonntagsspaziergang. Im Jahr 2016 haben viele weitere gemerkt, dass Engagement sogar gefährlich sein kann. Wer immer es für anständig und selbstverständlich hielt, Menschen in Not – also auch Flüchtlingen – zu helfen, bekam den beißenden Wind der Menschenhasser zu spüren. Vor Ort, in den Sozialen Netzwerken oder in der unmittelbaren Umgebung zeigten nach und nach die Rassisten, Islamfeinde, Antisemiten, Demokratieverachter, wie sie wirklich ticken. Immer aggressiver traten sie hervor aus dem Dunst bislang unterdrückten Hasses und ließen ihren Dämonen freien Lauf.
In dieser Situation einen kühlen Kopf zu bewahren, nicht auf jede Provokation einzusteigen und dennoch dagegenzuhalten, ist gewiss schwer. Aber es gehört zu den vielen Herausforderungen, denen wir uns im Jahr 2016 stellten.

Das war auch das Interessante am vergehenden Jahr: Wir haben alle sehr viel gelernt! Beginnend damit, dass lautstarke Hetzer trotz ihres Lärms nicht die Mehrheit bilden, obwohl ihr Gebrüll es suggerieren soll. Wir haben auch gelernt, wie schwer es ist, den Druck auszuhalten, den solche Menschen aufbauen. Viele hat das zu Haltung und Klarheit inspiriert. Manche aber sind eingeknickt und glauben, den Ungeist milde zu stimmen, indem man ihm gut zuredet oder gar vor ihm zurückweicht. Das Gegenteil ist richtig. Vielleicht sind viele Menschen vom Gift des Hasses überrascht worden, der so schnell und heftig in die Kommunikation und das Zusammenleben eindrang. Vielleicht waren wir darauf nicht genug vorbereitet. Vielleicht reichten unsere Antworten nicht aus. Aber jetzt wissen wir es besser. Terror und Hass sollen Chaos erzeugen, das die Demokratie zu zerstören zum Ziel hat. Umso wichtiger ist es, sich diesem Strudel zu entziehen und der eigenen Humanität und der Bereitschaft, sie auch im Konflikt zu verteidigen, bei sich selbst zu versichern.

Und wir haben noch weit mehr gelernt. Dass es auch uns allen selbst oft an Debattenkultur fehlt, zum Beispiel. Andere politische Meinungen auszuhalten, auch wenn sie den unseren gänzlich entgegenstehen, ist nicht so einfach, wie es klingt. Zumal dann, wenn mit unfairen Mitteln gekämpft wird wie mit falschen Behauptungen, persönlichen Beschimpfungen oder bösartigen Vereinfachungen. Wer Demokrat sein will, wer die demokratische Kultur beschützen will, muss selbst lernen, eine Diskussion zu führen. Ohne ideologische oder demagogische oder apologetische Worthülsen. Die Regeln der demokratischen Debatte gelten universell. Für Kritiker wie Befürworter eines Standpunktes. Denn nicht jeder, der die eigenen Positionen nicht teilt, will nur Hass ausdrücken oder, andersherum, alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen. Wir alle müssen da noch ein bisschen üben. Wichtig ist zu verstehen, dass es nicht dasselbe ist, eine Debatte möglich zu machen oder eine Meinung zu vertreten. Beides soll möglich sein. Demokratie ist auch Streit von Ideen und Meinungen. Jeder, der sich darauf einlässt, muss jedoch sicher sein, dafür den Rückhalt zu haben. Deshalb ist Ihre Unterstützung gerade dabei so unendlich wichtig. Engagement statt Hass – debattieren statt hetzen. Dies wollen wir im kommenden Jahr noch stärker entwickeln. Helfen Sie uns dabei.
 
Also: Lasst uns die Debatte führen! Auf ein starkes Jahr 2017!

 

Im Fokus

Jahresrückblick

 

Alle Jahre wieder fragen wir: Was passierte im Bereich Rechtsextremismus und Rechtspopulismus in den verschiedenen Bundesländern? Welche Themen waren wichtig, welche Akteurinnen und Akteure traten in Erscheinung? Simone Rafael, Chefredakteurin von Netz gegen Nazis, sprach mit unseren Kooperationspartner_innen in den jeweiligen Bundesländern über die Situation vor Ort im Jahr 2016.

 
Die Förderbilanz der Amadeu Antonio Stiftung 2016

Couragiertes Engagement vor Ort

 

Mit Hilfe unserer Spender_innen konnte die Amadeu Antonio Stiftung in diesem Jahr 134 lokale Initiativen mit insgesamt 212.967,70 Euro fördern. Initiativen und Projekte bundesweit, die sich für demokratische Kultur und den Schutz von Minderheiten engagieren. Wichtiger Förderschwerpunkt 2016 war der Austausch und das gemeinsame Engagement mit Flüchtlingen als Antwort auf rassistische Hetze und Gewalt. In 37 Fällen unterstützte die Stiftung mit dem Opferfonds CURA Betroffene rechter Gewalt.

 

Die AfD ist ein „Game Changer“

 

Bei allen fünf Landtagswahlen 2016 konnte die AfD zweistellig in die Landtage einziehen. In Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern stellt sie sogar die größte Oppositionspartei. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die AfD bei den drei Landtagswahlen im Frühjahr 2017 auch in die Landtage von Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein einziehen. Ein Interview zur besonderen Rolle der AfD mit Timo Reinfrank, Politikwissenschaftler und Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung.

 

Vernetzungstreffen der flüchtlingspolitischen Initiativen in Brandenburg

 

Ende November trafen sich im kleinen Örtchen Hirschluch über 80 Brandenburger_innen auf Einladung des Flüchtlingsrates zum 2. Vernetzungstreffen der flüchtlingspolitischen Initiativen. In diesem Jahr nahmen an dem Treffen überwiegend Geflüchtete teil - einige von ihnen bereits als Vertreter_innen von Selbstorganisationen. Für den Flüchtlingsrat waren zentrale Anliegen, die Vernetzung der Asylsuchenden sowohl mit dem Rat als auch untereinander zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten zu intensivieren.

 

„Dies ist ein Hilferuf“

 

In einem öffentlichen Brief an die Bundesregierung fordert die Amadeu Antonio Stiftung zusammen mit weiteren zivilgesellschaftlichen Initiativen den Ausbau der Demokratieförderung auf Grundlage bestehender Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag. Ziel ist die nachhaltige Absicherung der Rechtsgrundlagen und Strukturen für die Arbeit gegen wachsenden Rechtspopulismus, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit.

 

Geförderte Projekte

134 geförderte Projekte sowie mehr als 40 Opfer rechter Gewalt konnten dieses Jahr bereits finanziell unterstützt werden. Wir sagen Danke - nicht nur stellvertretend für die zahlreichen Projekte und Personen, sondern auch in unserem Namen: für den Zuspruch und den Einsatz, den wir immer wieder begleiten dürfen.

Ein wichtiger Bestandteil jeglichen Engagements ist neben tätiger und ideeller auch die finanzielle Unterstützung. Spenden Sie hier und machen Sie sich gemeinsam mit uns stark für eine offene und demokratische Zivilgesellschaft.

Spenden

 
Gefördertes Projekt

Das Recht auf Bildung kennt keine Ausnahme

 

»Schule für alle!« fordert, allen zugezogenen Kindern und Jugendlichen Regelschulplätze zur Verfügung zu stellen. Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine der vielen Unterstützer_innen der Kampagne und fördert unter anderem Projekte, die sich für das Recht auf Bildung einsetzen. Denn jedes Kind – ob in Deutschland geboren oder hierher geflüchtet – hat ein Recht auf Bildung.

 
Gefördertes Projekt

Der Comic „Nicht Neues aus Sachsnitz!“

 

Das Alternativen Kultur- und Bildungszentrum (AKuBiZ e.V.) aus Pirna hat einen weiteren Comic veröffentlicht: "Nichts Neues aus Sachsnitz!" Neben rechtsmotivierter Gewalt wird vor allem die Situation zahlreicher Anti-Asyl-Proteste und der dadurch erzeugten hasserfüllten Stimmung thematisiert. Zielgruppe sind vor allem Schüler_innen, die auf altersgerechte Art auf das Thema Rassismus aufmerksam gemacht werden sollen.

 
Gefördertes Projekt

Greifswald für alle: Wir haben die Wahl

© Greifswald für alle

 

Unter dem Motto „Gesellschaft gemeinsam gestalten – Wir haben die Wahl“ veranstaltete das Bündnis „Greifswald für alle“ diesen Sommer ein großes Fest. Neben einem vielfältigen Bühnenprogramm gab es vielfältige Möglichkeiten, sich über die anstehende Wahl in Mecklenburg-Vorpommern zu informieren und ins Gespräch zu kommen.

 

Aktuelle Publikation

Expertise zu Homo- und Trans*feindlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern

 

Die Expertise unseres Partnervereins Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern e.V. ist die erste umfangreiche Studie zum Thema Homo- und Trans*feindlichkeit für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Lebensgeschichtliche Interviews bieten einen Einblick in Alltagserfahrungen. Sie legen eine Vielzahl von Diskriminierungserfahrungen, aber auch Widerständigkeiten und Gegenstrategien der Betroffenen offen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Schule – hier erfahren gerade lesbische, schwule und trans* Jugendliche häufig Diskriminierung und Ausgrenzung.

 

 
Spendenideen 2016

Unterstützung mit Pfiff und Humor

 

Dieses Jahr hat uns und vielen unserer Partner und Mitstreiterinnen einiges abverlangt. Und doch haben die meisten sich nicht den Kopf von Hetze und fake news verwirren lassen. Im Gegenteil: Viele ließen ihre Kreativität sprühen, um nicht nur zu spenden, sondern unsere gemeinsamen Anliegen zu teilen. Hier sind einige der zahlreichen spannenden Aktionen, die uns dieses Jahr das Herz erwärmt haben.

 

Termine

02.12.2016-31.01.2017 I Austellung: Rechtsextreme Frauen in der DDR der 1980er Jahre im Blick von MfS und Polizei I Berlin
Frauen waren Unterstützerinnen, Mitwisserinnen und Täterinnen rechtsextremer Gewalt. Dennoch gelten sie weiterhin häufig als „friedliebend" und „unpolitisch", was den Neonazigruppen ein harmloses Image verleiht. Die Ausstellung der Amadeu Antonio Stiftung beleuchtet am Beispiel der DDR, ob es sich bei dieser verzerrten Wahrnehmung um ein neues Phänomen handelt oder ob es historische Kontinuitäten gibt.
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10.-26.01.2017 I Austellung: Oh, eine Dummel! Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit in Karikatur und Satire I Braunschweig
Die Wanderausstellung ermöglicht einen besonders jugendgerechten Zugang zu den Themen Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit: Anhand von ca. 60 aktuellen Karikaturen von namhaften Künstlern sowie satirischen Fernseh und Filmbeiträgen als auch einem Interview mit Timo Reinfrank von der Amadeu Antonio Stiftung, können sich die Ausstellungsbesucher_innen mit den typischen, allzu simplen rechtspopulistischen und rechtsextremen Problemlösungsversuchen und Argumentationsweisen auseinandersetzen und so deren gefährlichen Gehalt offenlegen.
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11.-15.01.2017 I Theater: Die NSU-Monologe I Berlin
Fünf Jahre nach Bekanntwerden des "Nationalsozialistischen Untergrunds" erzählt die Bühne für Menschenrechte, Trägerin des Amadeu Antonio Preises, mit "NSU-Monologe" von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU - von Elif Kubaşık, Adile Şimşek und İsmail Yozgat. Die NSU-Monologe sind dokumentarisches, wortgetreues Theater, mal behutsam, mal fordernd, mal wütend. Vom 11. bis zum 15. Januar findet täglich um 19.30 Uhr eine Vorführung im Heimathafen Neukölln statt.
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12.01.2017 I Vortrag: „Übersehen und unterschätzt – Frauen im Rechtsextremismus“ I Bonn
Unsere Kollegin Rachel Spicker wird an der Universität Bonn zum Thema „Übersehen und unterschätzt – Frauen im Rechtsextremismus“ vortragen.
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17.01.2017 I Vernissage der Ausstellung „BD et le Shoa“ (Comics and Holocaust) I Paris
Die Originale des Epilogs der Graphic Novel „Drei Steine“ von Nils Oskamp werden im Rahmen der Austellung gezeigt. Die Lehrbuchausgabe der Graphic Novel wurde von der Amadeu Antonio Stiftung herausgegeben und stieß auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse auf großes Interesse.
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15.-20.01.2017 I Tagung: "Rechtsradikalismus und Neonazismus - Neueste Tendenzen" I Trier
Unser Kollege Dr. Matthias Quent vom thüringer Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft wird im Rahmen der Tagung "Rechtsradikalismus und Neonazismus - Neueste Tendenzen" zum Thema "Rechtsextremismus - ein ostdeutsches Phänomen?" sprechen.
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19.01.2017 I Vortrag & Diskussion: "Die nehmen uns die Frauen weg!" Das Bild des übergriffigen Fremden I Osnabrück
Unser Kollege Enrico Glaser von der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung wird sich in seinem Vortrag mit den aktuellen asylfeindlichen bis völkischen Mobilisierungen und den darin enhaltenden Verschränkungen geschlechtlicher und rassistischer Zuschreibungen auseinandersetzen.
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26.01.2017 I Vortrag & Podium: Die DDR, Israel und der Antisemitismus I Berlin
Das Verhältnis der DDR zu Israel und die Rolle des Antisemitismus in der DDR sind bislang trotz vieler vorliegender Quellen nicht gut erforscht. Eine Ausnahme in diesem Forschungsfeld ist der Historiker Jeffrey Herf. Am Vorabend des 27. Januar, des Gedenktages zur Befreiung des Lagers Auschwitz durch Truppen der Roten Armee, wird Jeffrey Herf seine Analyse über das Verhältnis der DDR zu Israel und zum Antisemitismus votragen.
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Redaktionsschluss: 29. Dezember 2016 

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Mitarbeit: Anetta Kahane, Britta Kollberg, Philipp Müller-Markmann, Laura Piotrowski, Mick Prinz, Simone Rafael

 
 


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