Ausgabe Nr. 144, September 2017

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
 

In eigener Sache

 

Liebe Leserinnen und Leser,

nein, es steht uns keine Schicksalswahl bevor. Am 24. September wird der neue Bundestag gewählt und ja, die rechtspopulistische AfD ist eine Herausforderung. Vielleicht wird sie stärker, als es die Umfragen vermuten lassen, vielleicht wird sie schwächer. Ihre Provokationen und Selbstinszenierungen sind allseits bekannt, ihre Themen ebenfalls. Was diese Partei noch so zu bieten hat außer ihren aggressiven Obsessionen gegen Vielfalt in der Demokratie, wird man sehen. Im Grunde steht am Ende der politischen Visionen dieser Partei ein Land, das keiner mehr will: Frauen, die „Mäuschen“ sind und am besten schwangere Bäuche haben, und Männer, die sie vor den „fremden Horden“ verteidigen. Dazwischen ist Platz für viel heiße Luft und Phantasien über die Gleichschaltung aller Medien in ihrem Sinne. Man fragt sich, wer eine solche Partei ernsthaft zu wählen bereit ist. Offenbar ist in Deutschland viel Hass und Aggression unterwegs. Ja, auch das. Aber eben nicht nur. Was diese Populisten jedoch geschafft haben ist, dass wir ständig über sie reden. Auf diese Weise kriechen auch ihre toxischen Narrative in unseren Alltag. Diese sollen das Denken und die Perspektiven der Menschen vergiften, wenn es um Themen wie Asyl, Einwanderung, Menschenrechte und Emanzipation geht. Also genau die Themen, in denen die Gesellschaft, trotz aller Probleme, in den letzten 30 Jahren bereits enorme Fortschritte gemacht hat.

So. Wir reden schon wieder darüber. Aber wie sonst sollten wir darauf reagieren? Etwa nicht reagieren? So tun, als gäbe es das alles nicht? Nur noch über die schönen Dinge des Lebens sprechen? Was tun wir z.B. gegen islamistische Radikalisierungen? Überlassen wir dieses Thema den Populisten und Rassisten? Dass die Umfragewerte solcher Gruppierungen wie der AfD wieder steigen, liegt auch daran, dass solche Fragen von Demokraten entschiedener als bisher beantwortet werden müssen. Die Tatsache, dass Populisten sich damit wichtigmachen, darf die gegen Rechtsextremismus handelnde Zivilgesellschaft nicht abhalten, sich ebenfalls gegen Radikalisierung zu engagieren. Das gleiche gilt für andere Themen. Rassismus und Antisemitismus. Beides wird noch immer nur vage diskutiert. Eine große und klug gemachte Initiative gegen Rassismus in Behörden, bei der Polizei und anderen staatlichen Institutionen ist bisher ausgeblieben. Wir warten darauf mit Nachdruck. Spätestens seit den Ereignissen um den NSU wurde dies immer wieder gefordert und versprochen.

Rassismus zu identifizieren und zu bekämpfen heißt jedoch nicht, Problemen gegenüber blind zu sein. Antisemitismus ist so ein Problem. In der Einwanderungsgesellschaft, zu der alle gehören, gibt es keine klare Haltung zu Antisemitismus, weder bei Einwanderern noch bei sogenannten „Biodeutschen“. Im schlimmsten Fall zeigen sie mit dem Finger auf den jeweils anderen, wenn mal wieder etwas passiert ist, das die Öffentlichkeit erregt. Doch entweder sind wir eine Gesellschaft, dann müssen Probleme auch gleich behandelt und angegangen werden. Oder wir sind es nicht, und die Rechten triumphieren mit ihrem giftigen „Wir“ gegen „Die“. Mit anderen Worten: wenn wir den vergifteten Erzählungen der rechten Populisten wirklich entgegentreten wollen, dann müssen wir mehr tun, als nur die vielen guten Geschichten erzählen, die es ja auch tonnenweise gibt. Die zu erzählen ist wichtig. Noch wichtiger ist es aber die Konflikte und Probleme ernst zu nehmen und zu handeln. Demokratisch handeln ist nicht nur ein Slogan, es ist mühsam und es erfordert Mut.

Ich weiss nicht, vielleicht haben Sie ja eine bessere Idee, was wir tun können. Toxische Narrative zu bekämpfen, braucht viel präzise Arbeit und langen Atem auf einem langen Weg. Mir fällt da keine Abkürzung ein. Aber vorher sollten wir alle wählen gehen.

Herzliche Grüße,
Ihre Anetta Kahane

 

Im Fokus

Positionieren. Konfrontieren. Streiten. Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD

 

Als die AfD die politische Bühne betrat und in viele Talkshows eingeladen wurde, war die Aufregung groß. CSU bis LINKE riefen dazu auf, die AfD zu »entzaubern« und »inhaltlich zu stellen«. Doch nach wie vor tun sich Medien, Parteien und Zivilgesellschaft im Umgang mit rechtspopulistischen Inhalten und Strategien schwer. Eine neue Handreichung der Amadeu Antonio Stiftung ermutigt zur sicheren und inhaltlichen Auseinandersetzung mit Positionen und Strategien der AfD.

 

Der Hass zieht in den Bundestag

© Andreas Issleib

 

Mit dem Einzug der AfD in den Bundestag wird sich das politische Klima verändern. Aber was erwartet uns konkret? Während sich bundesweit bereits einige Veränderungen abzeichnen, gibt der Einzug der AfD in zahlreiche Länderparlamente bereits einen Vorgeschmack auf ihre Rolle im Bundestag.

 

Konferenz connect 2017 – Gemeinsam mehr erreichen

 

Am 7. Oktober veranstalten wir das zweite Mal in Folge die Konferenz "connect – Willkommensstruktur trifft Selbstorganisation", diesmal in der Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung in Berlin. Connect bietet eine Plattform, damit geflüchtete Menschen, Migrant_innen und deutsche Unterstützer_innen zusammen kommen, sich gegenseitig zuhören und gemeinsam diskutieren können. Das Ziel: eine bessere Vernetzung von Selbstorganisation und Unterstützungsarbeit vor Ort.

 

Geförderte Projekte

Vor der Wahl ist nach der Wahl: Beim Streiten für eine demokratische Kultur und für die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus braucht es die Menschen vor Ort, die sie führen. Die Amadeu Antonio Stiftung unterstützt sie dabei mit Rat und finanzieller Förderung. Ihre Spende macht das möglich. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

Spenden

 

Wie sich eine Stadt ihrer Geschichte stellt

© Lars Maibaum

 

Zum 26. Jahrestag des Pogroms in Hoyerswerda 1991 wird am 17. September die Onlineplattform „Hoyerswerda - seit 1991“ eröffnet. Das Projekt beleuchtet, wie die Angriffe von 1991 in der Stadt aufgearbeitet wurden und wie eine Stadt es schaffen kann, Rechtsextremismus entgegenzutreten. Franziska Schindler sprach mit Julia Oelkers, Dokumentarfilmerin und Leiterin des Projekts.

 

"Es ist sehr emotional, wir sind hier mit gemischten Gefühlen"

 

Weder Zuhause, noch in der Schule wurde darüber gesprochen: Junge Rom_nja und Sinti_zze setzten sich in Berlin mit dem Antiziganismus zur Zeit des Nationalsozialismus und der damit verbundenen Verfolgung und Ermordung an circa 500.000 Sinti_zze und Roma_nja in Europa auseinander und lernen so auch etwas über ihre eigene Geschichte.

 

Aktuelle Publikation

Rechtspopulistische Erzählungen vergiften das Klima in den Sozialen Netzwerken

 

Eine rechts-alternative Medienlandschaft versucht, mit ihren Erzählungen die Debatte zu vergiften - insbesondere in den Sozialen Netzwerken mit großer Reichweite. Überzogen dargestellte Ereignisse und verfremdete Realitäten werden dadurch in die öffentliche Debatte und in die Leitmedien getragen: das Erfolgsrezept der Rechtspopulisten. Die Publikation "Toxische Narrative. Monitoring rechts-alternativer Akteure" ordnet das Phänomen der Narrative ein, untersucht ihre Verbreitung, und zeigt auf, wie ihnen am besten begegnet werden kann.

 

Termine

07.09.2017 I Vortrag und Diskussion: „Ist es nicht geil, jeden Montag Männertag?!“ Zur Rolle von Antifeminismus und Rückgewinnung von Männlichkeit im Rechtspopulismus I Berlin
Gender oder Gender Mainstreaming spielen als Feindbilder im Rechtspopulismus eine zentrale Rolle: Damit gelingt es scheinbar, eine Klammer für breite Zielgruppen zu bilden und Anschluss an den Mainstream zu finden. Rachel Spicker von der Amadeu Antonio Stiftung wird zunächst Einschätzungen und Thesen zum Thema vorstellen. Daran wird Prof. Dr. Rolf Pohl in seinem Vortrag „Die Re-Souveränisierung des Mannes. Zur Sozialpsychologie von Sexismus, Fremdenhass und Gewaltbereitschaft in der ‚Mitte der Gesellschaft‘“ anschließen.
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13.09.2017 I Vortrag: Wie antisemitische Verschwörungsmythen die Welt verklären I München
Unser Kollege Jan Rathje geht in seinem Vortrag auf Funktionen und Ursachen von Verschwörungstheorien ein, die sehr häufig antisemitische Ideologieelemente enthalten. Anhand von aktuellen Beispielen zeigt Jan Rathje zudem die gesellschaftlichen Folgen von Verschwörungsideologien und -theorien auf.
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16.09.2017 I 1. Flüchtlingskonferenz in Forst (Lausitz)
Das Flüchtlingsnetzwerk Forst (Lausitz) veranstaltet in Kooperation mit unserem Projekt "Vom Willkommen zur Integration" die 1. Flüchtlingskonferenz in Fort. Die Konferenz von und für Geflüchtete soll einen intensiven Austausch über Engagement in Forst ermöglichen: Es wird Tische geben, an denen in Muttersprache diskutiert wird. Ziel ist es, die Bedürfnisse und Wünsche der Geflüchteten bekannt zu machen, Lösungen vorzuschlagen und eigene Ideen des Engagegements zu entwickeln.

16. und 17.09.2017 I Fortbildung zum Thema „Rassismus, Trauma und EmPOWERment“ I Hannover
Rassismus wirkt alltäglich und oft subtil auf die Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen, People of Color und Menschen mit Migrationsgeschichte. Dies kann einfach nur nerven, aber auch zu Stress und Belastungen führen. Dileta Fernandes Sequeira, Autorin und Trainerin für rassismuskritische Psychologie wird in dieser zweitägigen Fortbildung Einblicke in das Themenfeld Rassismus, Trauma und Empowerment geben. Neben Inputs wird sie für die Teilnehmenden interaktive Übungen und Impulse für praktische Handlungsmöglichkeiten anbieten. Es handelt sich hierbei um einen safe place, der ebenso Raum für Austausch, Fragen und Vernetzung bietet.
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07.10.2017 I Konferenz: Connect - Willkommenstruktur trifft Selbtsorganisation I Berlin
Zum 2. Mal findet unserer große Konferenz Connect statt, in diesem jahr gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung. Die Konferenz bietet eine Plattform, damit geflüchtete Menschen, Migrant_innen und deutsche Unterstützer_innen zusammen kommen, sich gegenseitig zuhören und gemeinsam diskutieren können. Es wird Podiumsdiskussionen und Workshops geben, die sich in diesem Jahr fragen, wie sich die deutsche (Zivil-)Gesellschaft für die Geflüchteten öffnet, wie wir Integration mittels Engagement fördern können und warum migrantische Selbstorganisationen einen elementaren Bezugspunkt für viele Geflüchtete bilden.
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09. bis 10.10. I Fachtagung zu Wikingerkult und Rechtsextremismus I Oeversee (Schleswig-Holstein)
Ob Rituale, Runen, Musik oder Kleidung – Wikingermotive und Mythen dienen der extremen und neuen Rechten als Fundamente für eine Identitätsproduktion, die immer noch in der „Blut und Boden“ Ideologie verankert ist. Die Fachtagung will aus multidisziplinärer Perspektive mit Expert_innen aus Theorie und Praxis den Verbindungslinien von Wikingerkult und Rechtsextremismus nachgehen. Mit dabei ist unser geschätzter Kollege Enrico Glaser von der Fachstelle Gender und Rechtsextremis, der zu Genderkonstruktionen referieren wird.
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Redaktionsschluss: 07. Septembert 2017

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Redaktion: Robert Lüdecke, Timo Reinfrank (verantwortlich)
Mitarbeit: Anetta Kahane, Milan Swarowsky, Franziska Schindler

 
 


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