Der rechte Rand der DDR-Aufarbeitung

Spenden gegen Rechtsextremismus

 
14.02.2019

[Berlin] Der rechte Rand der DDR-Aufarbeitung

14.02.2019

 

Leider ist die Fachtagung ausgebucht. Aufgrund des regen Interesses werden wir uns bemühen, eine Folgeveranstaltung zu organisieren. Sollten Sie bereits angemeldet und kurzfristig verhindert sein, bitten wir um Benachrichtigung.


Der Fall Hubertus Knabe ist in aller Munde. Bei den Debatten um seine Entlassung ist in den Hintergrund getreten, dass er auch eineScharnierfunktion zu den rechten Rändern der DDR-Aufarbeitung hatte. Er scheute nicht davor zurück, Nationalsozialismus und SED-Sozialismus als zwei „sozialistische“ Seiten einer totalitären Medaille zu betrachten und beide Regimes zu analogisieren – eine am rechten Rand typische Grenzüberschreitung.

Schon Mitte 2018 trennten sich die Gedenkstätte Hohenschönhausen und das Menschenrechtszentrum Cottbus vom ehemaligen DDR-Oppositionellen Siegmar Faust, der mit skandalösen Äußerungen zum nationalsozialistischen Judenmord und zum Holocaust-Leugner Horst Mahler hervorgetreten war. Sofort hieß es, es handle sich bei dem AfD-Sympathisanten, der in der historisch-politischen Vermittlungsarbeit tätig war, um einen Einzelfall. Doch davon kann keine Rede mehr sein. So publiziert der Vorsitzende des Fördervereins der Gedenkstätte Hohenschönhausen – wie andere Akteure der Szene – in Rechtsaußenblättern wie der „Jungen Freiheit“. Schon Anfang 2018 wies der „Spiegel“ darauf hin, dass eine Reihe vormaliger DDR-Bürgerrechtler politisch weit nach rechts abgedriftet ist.

Bereits 1991 sagte der spätere Vorsitzende der „Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG)“, Gerhard Finn: „Aus der Rassenfrage wurde in der DDR die Klassenfrage, aus der Frage nach dem arischen Großvater die Frage nach dem proletarischen Vater.“ NS-Täter wurden als „Opfer des Stalinismus“ geehrt. Ein anderer UOKG-Vorsitzender musste 2015 wegen antisemitischer und islamfeindlicher Äußerungen abtreten. Ein ehemaliges UOKG-Vorstandsmitglied, das Bücher in extrem rechten Verlagen publiziert hatte, wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er die Leiterin der Potsdamer Gedenkstätte Leistikowstraße angriff und verletzte.

Dass Diskussionsbedarf besteht, scheint offensichtlich. Ein Tribunal ist dagegen nicht intendiert. Die Aufarbeitung der SED-Diktatur bleibt unverzichtbar. Die DDR war aber auch ein Nachfolgestaat des nationalsozialistischen Deutschland. So stellen sich eine Reihe von Fragen: Sind die mitunter heftigen Auseinandersetzungen um das historische und erinnerungspolitische Verhältnis zwischen DDR und „Drittem Reich“ eine Fortsetzung des „Historikerstreits“? Welche Prioritätensetzungen spielten in der Aufarbeitung der verschiedenen Vergangenheiten eine Rolle? Welchen Einfluss hatten banalisierte Formen der Totalitarismustheorie? Schließlich: Diente die Aufarbeitung der SED-Diktatur manchen nicht auch als trojanisches Pferd für eine nationalistische und antidemokratische Agenda?

Es gilt also, Inventur zu machen, zu diskutieren, inwieweit die bisherige Anlage der Aufarbeitung möglicherweise Fehlentwicklungen befördert hat, welchen Umfang diese gegebenenfalls haben und wie sich diese eventuell beenden und künftig ausschließen lassen. Dazu laden wir herzlich ein.


Annetta Kahane, Enrico Heitzer, Klaus Bästlein.

 

Programm:

 

10.00-12.00 Uhr - Panel I: Zur Geschichte DDR-Geschichtsaufarbeitung  
mit: Habbo Knoch, Cornelia Siebeck, Helmut Müller-Enbergs und Detlef Garbe
 
13.00-15.30 Uhr - Panel II: Erfahrungsberichte aus der Arbeit und dem Umgang mit Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen
mit: Stephan Hilsberg, Annica Peter, Markus Decker, Martin Jander und Andrew Beattie
 
16.00-18.00 Uhr – Panel III: Rechte Einflüsse in der Praxis
mit: Klaus Bästlein, Jonas Kühne, Enrico Heitzer und Jens Schley
 
19.00-21.00 Uhr – Abschlusspodium
mit: Dieter Dombrowski, Anetta Kahane, Markus Meckel, Günter Morsch und Samuel Salzborn

 

Die Teilnahme ist kostenfrei, aber nur nach Anmeldung bis 7.2. an veranstaltung@amadeu-antonio-stiftung.de und nach schriftlicher Bestätigung durch die Amadeu Antonio Stiftung möglich.

Aufgrund der begrenzten Platzzahl bitten wir für den Fall, dass jemand nach bestätigter Anmeldung doch noch verhindert sein sollte, um eine umgehende Absage.

 

 

Kontakt

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Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

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Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

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