Für mehr Demokratie in Weimar

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Für mehr Demokratie in Weimar

In Weimar und Umgebung häufen sich rechtsextreme Übergriffe. Die Opfer: häufig alternative Jugendliche, die sich für mehr Demokratie in der Region stark machen. Die Amadeu Antonio Stiftung hat deshalb eine Workshopreihe gefördert, um diejenigen zu unterstützen, die sich gegen die Neonazis organisieren wollen.

Sowohl die Stadt Weimar als auch das Weimarer Land haben ein Problem mit Rechtsextremismus. Speziell rechtsextreme Gewalt hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. So versuchten im März 2008 rund 30 bewaffnete Neonazis, in das soziokulturelle Zentrum in der Gerberstraße in Weimar einzudringen. Dabei verletzten sie zwei Besucher so schwer, dass diese anschließend im Krankenhaus behandelt werden mussten. „Auf der einen Seite gibt es hier die organisierte Neonazi-Szene, auf der anderen aber auch eine lose rechtsorientierte Subkultur, deren Vertreter es in erster Linie auf nicht-rechte Jugendliche abgesehen haben“, berichtet Michael Raab vom Verein Bildungskollektiv (BiKo).

Der Übergriff in der Gerberstraße ist kein Einzelfall in Weimar und Umgebung. Regelmäßig kommt es hier zu Übergriffen, vor allem auf Jugendliche, die dem alternativen oder linken Spektrum zuzuordnen sind. Sie werden rassistisch und rechtsradikal beschimpft oder zusammengeschlagen. „Die Täter stammen jedoch keineswegs ausschließlich aus dem Umfeld organisierter Neonazis, sondern sehr häufig sind es junge Männer, die mit rechtsextremen Positionen sympathisieren oder Freunde in der rechten Szene haben“, erzählt Michael Raab weiter.

Was tun, um diese Situation langfristig zu verändern? Einfach ist es nicht, doch es gibt engagierte Menschen, die sich mit den Gegebenheiten nicht abfinden wollen. Im Rahmen einer Seminar- und Workshopreihe will der in Erfurt ansässige Verein „BiKo“ die alternative, nicht-rechte Jugendkultur im Raum Weimar stärken, damit langsam ein stabiles Gegengewicht zur allgegenwärtigen rechtsextremen Szene entsteht.

Weit verbreitet im Weimarer Land: Rechte Übergriffe und Alltagsrassismus

„BiKo“ steht für Bildungskollektiv. Der Verein wurde 1998 ins Leben gerufen und war zunächst unter dem Dach des zwischen Erfurt und Arnstadt ansässigen arranca e.V. tätig; seit 2005 ist der Verein selbstständig. BiKo tritt mit einem vielfältigen Bildungsangebot an die Öffentlichkeit, wobei nicht nur Wissen vermittelt wird, sondern die Teilnehmer auch dazu befähigt werden, sich an der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse aktiv zu beteiligen.

In Weimar selbst ist es einfacher, sich gegen die Rechten zu engagieren als im ländlichen Raum. Während in der Goethestadt alternative Jugendkulturen existieren, sind diese auf dem Land so gut wie nicht präsent. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines rechtsextremen Übergriffs zu werden, ohne dass Hilfe von wachsamen Mitbürgern kommt, wesentlich wahrscheinlicher als in der Stadt. Aber es kommt noch ein anderes Problem hinzu, mit dem die alternativen Jugendlichen immer wieder konfrontiert werden: Alltagsrassismus ist weit verbreitet in der Mitte der Thüringer Bevölkerung.

Wie umgehen mit antisemitischen Äußerungen?

Die Amadeu Antonio Stiftung hat die Workshopreihe „Rechtsextremismus erkennen, verstehen und dagegen handeln“ finanziell unterstützt, um das vorhandene Engagement für Demokratie zu stärken und auszubauen. Die Workshopreihe stellte sich unter anderem deshalb als so wichtig heraus, weil die jungen Leute auf diese Weise gemeinsam überlegen konnten, wie die bisherige Arbeit besser strukturiert werden kann. Darüber hinaus setzten sich die Jugendlichen intensiv mit Antisemitismus und rechtsextremen Strukturen auseinander. Sie beschäftigten sich mit der Entwicklung der verschiedenen Formen des Antisemitismus und untersuchten die Rolle der „Protokolle der Weisen von Zion“ für den modernen Antisemitismus und die entsprechenden Verschwörungstheorien. Eine spannende Frage war auch, inwiefern sich Antisemitismus von Rassismus und anderen Ungleichwertigkeitsideologien unterscheidet. Und, vielleicht am wichtigsten überhaupt: Wie gehen wir mit antisemitischen Äußerungen im Alltag um?

Michael Raab hofft, dass auf dem jetzigen Fundament ein Netzwerk aus engagierten Menschen und Organisationen entstehen wird – vielleicht sogar in ganz Thüringen. Im Sommer 2008 waren die Mitarbeiter von BiKo auf einer Tour durch Thüringen unterwegs, unter anderem in Meiningen und Suhl, um in Freizeiteinrichtungen über die vielfältigen Projekte des Vereins zu berichten und Jugendliche für demokratisches Engagement zu begeistern. „Im Moment sind wir informell vernetzt, daraus kann aber durchaus noch mehr werden“, verrät Raab. Die Ergebnisse aus den bisherigen Recherchen und Workshops werden im Frühjahr 2009 präsentiert.

Jan Schwab


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