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Tagung

„Rechtsextreme Rückzugsräume“ – Von Reichsbürgern, völkischen Siedlern und Imageboards

Ein verlassener Gutshof - ein Rückzugsort für Rechtsextreme? (© imago images/alimdi)
15.06.2020 – 16.06.2020 (8:30-20:00), Leipzig

15. Juni 2020 bis 16. Juni | 8:30 – 18:00 Uhr | Pentahotel, Großer Brockhaus 3, 04103 Leipzig

Raus aus der Stadt, aus dieser Gesellschaft, aus dem gesamten System … seit einigen Jahren sind in Teilen des rechtsextremen Spektrums Rückzugstendenzen zu beobachten. So entdecken manche eine neue Lust am Landleben, kaufen alte Bauernhöfe und wollen „naturverbunden“ leben. Andere kündigen ihre Staatsbürgerschaft auf und werden zu Bürgern des „Deutschen Reichs“, weil sie die Legitimität der Bundesrepublik nicht anerkennen. Wieder andere finden im Netz eine neue Gemeinschaft – dort, wo „wahre“ Meinungsfreiheit herrscht und wo gemeinsam Hass auf Andersdenkende geschürt wird. Schließlich gibt es noch jene, die sich schon heute auf die Apokalypse von morgen vorbereiten.

In der Öffentlichkeit wird über diese Menschen gerne mit dem Kopf geschüttelt, sie werden als Spinner und Freaks abgestempelt. Doch ihr Tun nur zu belächeln kann gefährlich sein: Erinnert sei an einen „Reichsbürger“, der 2016 in Franken einen Polizisten erschoss und drei weitere verletzte. Erinnert sei auch an Rechtsterroristen wie Brenton Tarrant und Stephan Balliet oder an Alek Minassian, der in Toronto aus Frauenhass zehn Menschen tötete – sie alle radikalisierten sich in digitalen Rückzugsräumen.

Umso wichtiger ist es, Rechtsextreme und ihre Rückzugsräume ernst zu nehmen, denn sie sind allgegenwärtig: ob auf dem Land, in den eigenen vier Wänden, in der Garage nebenan, oder im Internet. Es sind Flucht- und Lebensmittelpunkte. Dort können Rechtsextreme ihr Leben gestalten, können Gemeinschaften bilden und aussprechen, was sonst sanktioniert wird. Der Begriff Rückzugsort mag dabei auf den ersten Blick irritierend sein, denn er suggeriert eine Abnabelung, wo tatsächlich eine Sammlung stattfindet. Denn es geht den rechtsextremen Akteuren nicht um das individuelle private Glück, sondern darum, Keimzelle zu sein für die Veränderung, für die Überwindung der demokratischen Gesellschaft.

Wer sind die Menschen, die der Gesellschaft hier den Rücken zukehren? Und was lässt sich gegen die Abwanderung in solche rechtsextremen Rückzugsräume tun? Die zweitägige Fachtagung in Leipzig sucht Antworten auf diese Fragen. Organisiert wird die Fachtagung von der Bundeszentrale für politische Bildung. Auch unsere Kolleg*innen sind zahlreich auf der Tagung vertreten:

  • Jan Rathje leitet gemeinsam mit David Begrich am 15.06. von 13:15-15:00 Uhr einen Workshop zum Themenkomplex Reichsbürger mit dem Titel: „„Deutschland ist nicht souverän!“ Über Souveränisten, „Reichsbürger“ und die Bundesrepublik Deutschland„.
  • Miro Dittrich vom Projekt De:Hate spricht am Montag den 15.06. zur selben Zeit mit der Journalistin Carolin Schwarz über Imageboards: „4chan, 8chan, what chan? Über digitale Rückzugsräume„.
  • Marius Hellweg leitet am 16.06. von 10:15 – 11:45  gemeinsam mit Laura Schenderlein ein Pannel über die Anastasia-Bewegung mit dem Titel: „Zwischen Öko-Idyll und Verschwörungsideologie“.
  • Dr. Matthias Quent spricht zur gleichen Zeit am Dienstag den 16.06. mit Dr. Volker Weiß im Pannel Apocalypse Now?! über die „Untergangsszenarien in der extremen Rechten“.

Das vollständige Programm finden Sie PDF-Icon hier.

Zur Anmeldung geht es hier entlang.

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