Grußwort Ramazan Avci

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Kein Vergessen!


Grußwort der Initiative zu Gedenken an Ramazan Avci aus Hamburg anlässlich der Erinnerung an den 20.Todestag von Antonio Amadeu.

Wir begrüßen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Gedenkveranstaltung an Amadeu Antonio, die trotz der Witterungen zusammen gekommen sind. In Gedanken sind wir bei Euch.

Wir haben nicht vergessen, dass in einem rassistisch aufgeheizten Klima insbesondere zu Beginn der 90er Jahre tagtäglich Überfälle und Brandanschläge zu vermelden waren. Ein Klima der Angst wurde geschürt. Seither sind mehr als 137 dokumentierte Todesopfer zu beklagen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.

Bereits in den 80ern waren rassistische Schlägertrupps und neonazistische Gruppierungen im Westen der Republik aktiv. Die Mär, der Rassismus sei ein ostdeutsches Phänomen hält sich jedoch immer noch hartnäckig in manchen Köpfen.

Unsere Initiative gedenkt Ramazan Avci, der am 21. Dezember 1985 in Hamburg durch Skinheads angegriffen wurde. Am S-Bahnhof Landwehr hatten Skinheads ihn, zusammen mit seinem Bruder und einem Freund aus einer bekannten Skinheadkneipe heraus angegriffen. Sein Bruder und der Freund konnten in letzter Sekunde in einen Linienbus fliehen, der ebenfalls von den Nazis angegriffen wurde. Ramazan Avci rannte panisch auf die Fahrbahn. Er wurde von einem Auto erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert. Nach dem er auf der Straße aufschlug, liefen mindestens drei Skins auf ihn zu. Ramazan Avci wurde auf dem Boden liegend mit Baseballschlägern, Axtknüppeln und Fußtritten brutal malträtiert und verstarb am 24. Dezember 1985 an den Folgen dieser Schläge im Krankenhaus. Wenige Tage später wurde sein Sohn geboren, der nach ihm benannt wurde.

Bereits am 24. Juli 1985 wurde zuvor in Hamburg Mehmet K. von Rechtsradikalen angegriffen und ermordet. Sie zertrümmerten mit einer Betonplatte seinen Schädel. Dieser Mord wurde kaum publik.

Die damaligen Reaktionen und Erklärungen waren die selben, die bis heute nach rassistischen Übergriffen verbreitet werden. Die Täter sind verirrte und orientierungslose Jugendliche, unpolitisch, alkoholisiert, Einzeltäter, haben Angst um Arbeitsplätze, wurden von den Opfern provoziert etc. Obwohl die Mörder von Ramazan Avci aus dem Umfeld der neonazistischen FAP stammten wurde auch hier offiziell kein politisches Motiv gesehen. Die Verharmlosung solcher Verbrechen durch Politik, Medien und die Justiz hat diesen Gruppen den Rücken gestärkt und diese zu neuen Verbrechen ermuntert. Hamburger Neonazis wie Christian Worch, Thomas Wulff, Michael Kühnen, Jürgen Rieger konnten ungestört ihre Strukturen ausbauen und zu dominierenden Figuren der deutschen Neonaziszene aufsteigen.

Die rassistische Hetze, die da lautet: es leben zu viele Ausländer (in den 80ern), das Boot ist voll (in den 90ern) findet in Deutschland aktuell seine Fortsetzung in der Figur der integrationsunwilligen Moslems, die bereit stünden Deutschland zu übernehmen.

Der Mord an Marwa al-Sherbiny im Juli 2008 in einem Dresdener Gerichstgebäude ist das Ergebnis dieser Propaganda gegen Muslime von den extremistischen Rändern der Gesellschaft bis in deren Mitte. Unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit werden rassistische Thesen aus der Vergangenheit wieder aufgefrischt. Es verwundert uns nicht, dass gerade die weiße Mittelschicht offen ihre Sympathien für solche Thesen bekundet und den Mut der angeblichen Tabubrecher lobt.

Wir wollen am 21. Dezember mit einer Kundgebung am Ort des Verbrechens Ramazan Avci gedenken und uns mit seiner Familie solidarisieren.

Wir fordern die Anbringung eines Gedenktafels an Ramazan Avci und die Umbennung des S-Bahnhofsvorplatzes in Ramazan-Avci-Platz. Heute erinnert in Hamburg nichts an dieses Verbrechen vor 25 Jahren.

Wir wollen an diesem Tag auch den anderen Opfern von rassistischen Übergriffen gedenken und die Erinnerung an sie wach halten. Es ist richtig und wichtig jeden Einzelfall zu dokumentieren, damit diese nicht in Vergessenheit geraten.  Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist, sagt der Initiator der „Stolpersteine“, der mit jedem Stolperstein einem Opfer des NS Regimes einen Namen und eine Geschichte gibt.

Unbequem zu sein und den rassistischen Alltag zu stören, einzugreifen und aktiv zu sein, ist was uns verbindet und stärkt. Ihr seid nicht allein. Kein Vergeben! Kein Vergessen!

Solidarische Grüsse aus Hamburg

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

Spendenkonto

Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 00
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
BIC: GENODEM1GLS