Fed und "Zinskritik"

Spenden gegen Rechtsextremismus

 

Federal Reserve System (Fed) und "Zinskritik"

Signalbegriffe: „Freigeldmodell”, „internationale Hochfinanz”, „jüdisches Großkapital“, „Zinsknechtschaft“

 

von Lisa Scheibel

 

Spekulationen rund um Verschwörungen in der Finanzwelt erfreuen sich unter Verschwörungsideolog_innen großer Beliebtheit. Nicht selten werden finanzapokalyptische Szenarien vorhergesagt. Im Mittelpunkt dieser verkürzten Kapitalismuskritik stehen häufig die Zinswirtschaft und konkret die US-amerikanische Federal Reserve Bank.

 

Die Federal Reserve Bank (Fed) ist die halbprivate Zentralbank der USA . Sie wird von Verschwörungsideolog_innen als „globales Problem“ betrachtet, das z.B. für Kriege verantwortlich ist.

Die Gründung der Federal Reserve Bank (Fed) soll laut Verschwörungsideolog_innen auf die sogenannte Jekyll-Island-Konferenz im Jahr 1910 zurückgehen. Der Fed wird vorgeworfen als rein privates Unternehmen zu handeln und einen weltumspannenden Einfluss auf Wirtschaft und Politik zu besitzen.

Den gängigen Verschwörungsauffassungen zufolge sollen sich Familien, die bereits zuvor erfolgreich im Finanzwesen tätig waren, mit der Gründung der Fed zusammengeschlossen haben um ihre Macht zu bündeln. Die zugrunde liegende Logik ist folgende: Wenn Geld die Welt regiert, dann auch diejenigen, die Macht über das Geld haben.

Wenn man verschwörungsideologische Vorstellungen betrachtet, sollen gerade einmal acht Familien weltweit die Kontrolle über Banken besitzen; ihnen allen voran die Familie Rothschild. Aus dieser Bankiers-Dynastie soll die Idee der Zentralbanken in die USA gelangt sein.  An dieser Stelle kreuzen sich antisemitische Verschwörungsideologien zur Fed mit denen zum „Zionist Occupied Government“ („ZOG“).

Das Ziel der Federal Reserve Bank soll die „Neue Weltordnung“ sein, in der Banken und die von ihnen gesteuerten Unternehmen die Welt beherrschen. Ihnen wird in diesem Zusammenhang unter anderem vorgeworfen, Kriege zu ihrem wirtschaftlichen Nutzen „anzuzetteln“.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) soll für die Fed die wichtige Funktion einer globalen Zentralbank erfüllen. Die Tatsache, dass der Hauptsitz der BIZ in der Schweiz liegt, wo auch die Schweizer Freimaurergroßloge Alpina ansässig ist, deutet für Verschwörungsideolog_innen darauf hin, dass Freimaurer ebenfalls in die Machenschaften der BIZ und Fed verstrickt sind.

 

Friedensbewegung 2014

Innerhalb der Friedensbewegung 2014 nimmt die Verschwörungsideologie um die Fed eine zentrale Rolle ein.

Wie auch andere antiamerikanische Verschwörungsideologien, verschieben diese Theorien die Verantwortung für komplexe Probleme über den Atlantik.

Aufgrund des fehlenden Vertrauens vieler Verschwörungsideolog_innen in das Finanzwesen und finanzapokalyptische Vorhersagen, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass man sein Geld in Gold anlegen solle. Auch fordern viele Verschwörungsgläubige eine Rückkehr zu Gold als Zahlungsmittel, da sich der abstrakte Wert von Papiergeld für sie nicht erschließt. Dazu kommen diverse Spekulationen ob die Zentralbanken wahlweise überhaupt noch Goldreserven besitzen oder diese möglicherweise gestreckt sind. Zudem sollen die Zentralbanken die Goldpreise künstlich drücken.

 

Zinswirtschaft und „Freigeld“

Wenn es um das Finanzwesen geht, so wird in verschwörungsideologischen Kreisen auch schnell die Zinswirtschaft kritisiert. Nach Verschwörungsauffassung kann Zinswirtschaft nicht funktionieren. In einfachen Worten behaupten sie, wenn Person A Person B 20 € leiht, kann Person B der Person A keine 22 € zurückgeben. Dabei wird jedoch die wirtschaftliche Wertschöpfung und der erzeugte Mehrwert außer Acht gelassen.

Die Zinswirtschaft wird von Verschwörungsideolog_innen zum „raffenden Kapital“ gezählt, das Geld vermehren soll ohne „wirkliche“ Arbeit und ohne etwas zu produzieren. Diese Unterscheidung zwischen „schaffendem“ und „raffendem Kapital“ ist ein typisch antisemitisches Motiv. Schon im Nationalsozialismus wurde die „Brechung der Zinsknechtschaft“ gefordert. In der Logik von Verschwörungsideolog_innen werden die Auswirkungen einer kapitalistischen Wirtschaftsweise uminterpretiert zu einer weltweiten Verschwörung.

Um dem etwas entgegen zu setzen, fordern manche Verschwörungsideolog_innen das Freigeldmodell. Dies wurde von Silvio Gesell entwickelt, dessen sozialdarwinistische Einstellungen auch in sein Modell einflossen. Ein „Recht des Stärkeren“ im wirtschaftlichen und sozialen Sinne wäre die Konsequenz seines Systems. Gesell beschreibt in seinem Modell den Plan, alles Land zu enteignen und an den meist bietenden zu verpachten. Die Fortpflanzung der Menschen soll laut Gesell danach ausgerichtet sein, dass sich nur die Gesunden und Kräftigen fortpflanzen.

Einer seiner Grundgedanken ist der des „Schwundgeld“. Die Währung soll im monatlichen Rhythmus an Wert verlieren und so die Menschen dazu anhalten, es nicht zu horten, sondern auszugeben. Der Nachteil hierbei wäre, dass man kaum größere Summen ansparen könnte, z.B. für den Kauf eines Autos. Außerdem sieht Gesell in seinem Modell weder Rente noch Zins vor, er möchte stattdessen ein Müttergehalt (orientiert an der Anzahl der Kinder) einführen. Hiermit werden traditionelle Rollenbilder untermauert und Frauen auf ihre Eigenschaft als Mutter reduziert. Geld soll im Freigeldmodell nur noch durch „ehrliche Arbeit“ erwirtschaftet werden. Insgesamt kritisiert Gesell in seinem Modell zwar den Zins, nicht jedoch die kapitalistische Wirtschaftsform selbst.

 

 

Weiterführend

Wikipedia Artikel: Federal Reserve System

 

Peter Bierl: Schwundgeld, Menschenzucht und Antisemitismus. Die Tauschringe, die Lehre des Silvio Gesell und die Antiglobalisierungsbewegung (PDF-Dokument)

 

Kontakt

Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
 

info@amadeu-antonio-stiftung.de

Tel.:  ++49 (0)30. 240 886 10
Fax:  ++49 (0)30. 240 886 22

 

Spendenkonto

Amadeu Antonio Stiftung
GLS Bank Bochum
BLZ 430 609 67
Konto 6005 0000 00
IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
BIC: GENODEM1GLS