Chronik der Angriffe auf Zivilgesellschaft 2026
Chronik Angriffe auf demokratische Zivilgesellschaft 2026
Zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine und engagierte Einzelpersonen schaffen Begegnung, stärken Zusammenhalt und machen Demokratie praktisch erfahrbar. Sie stärken Stimmen, die sonst oft überhört werden und schaffen Räume für Schutz und Solidarität. Gerade deshalb werden sie zunehmend zur Zielscheibe rechtsextremer und demokratiefeindlicher Angriffe. Seit Januar 2026 beobachten wir eine große Bandbreite solcher Angriffe, die in ihrer Wirkung ineinandergreifen: Sie versuchen demokratische Strukturen zu schwächen, schüchtern diejenigen ein, die sich für Menschenrechte einsetzen und verengen die Räume für zivilgesellschaftliches Engagement.
Die Angriffe reichen von gewaltsamen Übergriffen, Vandalismus und Störungen bei Veranstaltungen über Diffamierungen und digitale Hetzkampagnen bis hin zu strukturellen Eingriffen wie Fördermittelentzug oder rechtsextremer Einflussnahme auf Fördergremien. Sie erzeugen Ängste und Unsicherheit und sollen Betroffene dazu bringen, ihr Engagement einzuschränken oder ganz aufzugeben. Gleichzeitig gefährden strukturelle Angriffe die Stabilität und Arbeitsfähigkeit von Initiativen.
Diese Chronik dokumentiert Angriffe, die wir seit Januar 2026 beobachtet haben und macht sichtbar, wie stark die demokratische Zivilgesellschaft unter Druck gerät.
Hier findest du die dokumentierten Fälle aus dem Jahr 2025.
Januar 2026
Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern

Mehrfache gewaltsame Angriffe auf Hausprojekt in der Silvesternacht
Das Hausprojekt „Gütze59“ wird in der Silvesternacht mehrfach angegriffen. Vermummte Personen tauchen dreimal vor dem Gebäude auf, werfen Fensterscheiben ein und bedrohen Personen. Die Betroffenen schätzen die Angriffe als rechtsextrem motiviert ein, u.a. wegen Morddrohungen und antilinken Beschimpfungen, die die Angreifer*innen rufen. In der Vergangenheit hat es bereits mehrfach Angriffe auf das Gebäude gegeben. Weitere Infos
Glauchau, Sachsen

Drohungen und Anfeindungen gegen Jugendhaus
Im Stadtgebiet tauchen vermehrt rechtsextreme Sticker mit Drohungen gegen das Jugendhaus H2 auf. Die Sticker haben Bezug zu NSU-Symbolik und zeigen das Jugendhaus mit einem Fadenkreuz. Weitere Infos
Bad Dürkheim, Rheinland-Pfalz

Anfeindungen gegen Band, die bei Kundgebung für Demokratie auftritt
Die Band „Anonyme Giddarischde“, die bei einer Gegendemonstration zu einer AfD-Wahlkampfveranstaltung spielte, wird nach dem Auftritt online massiv angefeindet und kündigt an, sich vorerst aus politischem Engagement zurückzuziehen. Weitere Infos
Saalfeld, Thüringen

Rechtsextremer Brandanschlag auf Kulturzentrum
Auf das Kulturzentrum „Schlossberg“ wird ein rechtsextremer Brandanschlag verübt. Das Gebäude sowie weitere Orte in Saalfeld werden zudem mit rechtsextremen Symbolen beschmiert. Weitere Infos
Saalfeld, Thüringen
AfD macht Kulturzentrum nach Brandanschlag verächtlich
Nach einem rechtsextremen Brandanschlag auf das Kulturzentrum „Schlossberg“ gibt die Saalfelder AfD in einem Fragenkatalog an das Rathaus vor, sich um die Sicherheit der Jugendlichen, die das Kulturzentrum besuchen, zu sorgen. Sie macht das Jugendzentrum als „Bruchbude“ verächtlich und behauptet, die bei dem Angriff angebrachten Hakenkreuze würden „bei diesem Schandfleck gar nicht auf[fallen]“. Weitere Infos
Februar 2026
Pirna, Sachsen
AfD-Stadtratsfraktion blockiert Födergelder für Demokratieverein
Der Pirnaer Stadtrat streicht auf Antrag der AfD Fördermittel für zwei Projekte des Vereins Aktion Zivilcourage e.V. Weil das Vorgehen rechtswidrig war, widerspricht der Oberbürgermeister und setzt eine Sondersitzung an. Aufgrund des geschlossenen Fehlens von AfD und Freien Wählern ist der Rat nicht beschlussfähig. In der Folge bekommen alle 13 Projekte auf der Liste kein Geld, bis ein rechtssicherer Beschluss zustande kommt. Weitere Infos
Jena, Thüringen
AfD kritisiert Förderung für Jugendverband
Die AfD Jena stellt die städtische Förderung für die Jugend-, Aktions- und Projektwerkstatt Jena in Frage und wirft der Initiative Kontakte zu vermeintlichem „Linksextremismus“ vor. Weitere Infos
Bitterfeld-Wolfen, Sachsen-Anhalt
AfD veröffentlicht Strategiepapier, um lokale „Partnerschaften für Demokratie“ anzugreifen oder für eigene Zwecke zu nutzen
Die AfD Bitterfeld-Wolfen veröffentlicht ein Strategiepapier, um das Bundesprogramm „Demokratie Leben“ auf kommunaler Ebene (in Form der „Partnerschaften für Demokratie“) anzugreifen oder zu ihren Gunsten umzubauen. Es geht u.a. um die Diffamierung von Mitarbeitenden in der Verwaltung, die für das Programm zuständig sind, und von Mitgliedern des Entscheidungsgremiums. Weitere Infos
Bayreuth, Bayern
AfD versucht, Einfluss auf inhaltliche Ausgestaltung der „Partnerschaft für Demokratie“ zu nehmen
Die Bayreuther AfD wirft der lokalen „Partnerschaft für Demokratie“ eine „bekannte Schlagseite“ vor und fordert, eine Quotenregelung einzuführen: Je 30 Prozent der Mittel sollen gegen Rechts-, Links- und islamistischen Extremismus eingesetzt werden, 10 Prozent gegen „Sonstiges“. Weitere Infos
März 2026
Dachau, Bayern
Rechtsextreme Angriffe auf autonomes Jugendzentrum
Innerhalb von drei Wochen kommt es zu zwei Angriffen auf das autonome Jugendzentrum „Freiraum“. Es werden rechtsextreme Symbole auf die Fassade geschmiert, während im Inneren des Gebäudes Veranstaltungen stattfinden. Weitere Infos
Schwarzenberg, Sachsen
Angriff auf Vereinsgelände
Bei einem Angriff auf das Vereinsgelände des Atomkinder e.V. wird der Briefkasten zerstört und die Angreifer urinieren auf die Einfahrt. Weitere Infos
Sachsen-Anhalt
AfD fordert Fördermittelentzug für Bürger*innenradio
Die AfD fordert in ihrem Wahlprogramm für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt 2026, dem Bürger*innenradio Corax die Fördermittel zu streichen und wirft ihm vor, „allen Spielarten des linken Fanatismus […] eine Plattform“ zu bieten. Das Radio wird ehrenamtlich gestaltet, positioniert sich klar gegen Diskriminierung und verschafft marginalisierten Stimmen Gehör. Weitere Infos
Weimar, Thüringen
Bündnis gegen Rechtsextremismus verliert städtische Förderung
Der Weimarer Stadtrat streicht dem Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus seinen städtischen Zuschuss von 30.000 Euro pro Jahr. Weitere Infos
Döbeln, Sachsen
AfD fordert, Fördergelder für soziokulturellen Verein zu streichen
Die AfD-Fraktion im Döbelner Stadtrat fordert in einem Antrag, für den Verein Treibhaus e.V. im Doppelhaushalt der Stadt für die Jahre 2027/2028 kein Geld einzuplanen. Der Antrag wird zunächst von der Tagesordnung genommen, die AfD kündigt jedoch an, ihn erneut einzubringen. Weitere Infos
Bundesweit
Rücknahme einer Förderzusage für Projekt gegen Rechtsextremismus
Die Förderung des Projekts „Mut-Muskel-Workshops“ der Organisation „Radikale Töchter“ wurde entgegen einer Förderzusage der Bundeszentrale für politische Bildung nach einer Intervention des Innenministeriums ohne Angabe von Gründen gestoppt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Kritik der Gründerin von „Radikale Töchter“ an Friedrich Merz‘ rassistischer Äußerung über das „Stadtbild“ Anlass für den Förderstopp war. Weitere Infos
Remagen, Rheinland-Pfalz
AfD erstattet Anzeige gegen zivilgesellschaftliches Bündnis
Die AfD Remagen erstattet Strafanzeige gegen das „Bündnis für Frieden und Demokratie“ sowie gegen den Remagener Bürgermeister wegen vermeintlicher Zweckentfremdung staatlicher Gelder, Untreue und Unterschlagung. Außerdem geht die AfD rechtlich gegen eine Plakatkampagne des Bündnisses vor, mit der dieses über die Verbreitung von Falschinformationen durch die AfD aufklärt. Weitere Infos
Bautzen, Sachsen
AfD fordert, Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt zu schließen
Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Bautzen fordert, eine jüngst eröffnete Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt in Bautzen wieder zu schließen. Seine Vorwürfe: Vernachlässigung von linksextremistisch motivierter Gewalt und Stigmatisierung der Region. Die Betreiber*innen der Beratungsstelle berichten von einem steigenden Beratungsbedarf. Weitere Infos
Landkreis Nienburg/Weser, Niedersachsen
Symbole gegen Rechtsextremismus im öffentlichen Raum zerstört
Engagierte stellen in mehreren Orten im Landkreis „Kreuze ohne Haken“ der Gruppe „Beherzt“ auf, um sich gegen Rechtsextremismus und völkische Siedlungsbewegungen in der Region zu positionieren. Kurz nach dem Aufstellen werden mehrere Kreuze entfernt, zerstört oder mit schwarzer Farbe übersprüht. Weitere Infos
April 2026
Neuruppin, Brandenburg
Sachbeschädigung bei Jugendwohnprojekt
Beim Jugendwohnprojekt Mittendrin e.V. werden nachts die Reifen von sämtlichen Fahrrädern zerstochen, die vor Ort parken. Laut den Engagierten gibt es Hinweise, dass die Tat aus einem politisch motivierten Umfeld stammt. Weitere Infos
Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen
Sachbeschädigung, rechtsextreme Schmierereien und Drohungen gegen Queeres Zentrum
Die Fensterscheibe des Queeren Zentrums Mönchengladbach wird mit einem Pflasterstein beschädigt, auf die Fassade werden Hakenkreuz und die Drohung „wir kommen“ gesprüht. Weitere Infos
Bitterfeld-Wolfen, Sachsen-Anhalt
Schwächung und Einflussnahme auf „Partnerschaft für Demokratie“
Nachdem der Stadtrat Bitterfeld-Wolfen die Mittel für die externe Fach- und Koordinierungsstelle der „Partnerschaft für Demokratie“ gekürzt und sich der bisherige Träger in der Folge zurückgezogen hatte, muss die Stelle neu vergeben werden. Der Stadtrat entscheidet für den Verein „Stadtring Bitterfeld-Wolfen 4.0″, der der AfD und „Pro Bitterfeld-Wolfen“ nahesteht und keine Erfahrung in Demokratie- oder Bildungsarbeit hat. Weitere Infos
Wurzen, Sachsen
Stadtrat verweigert Demokratieverein Fördermittel
Der Kulturausschuss der Stadt Wurzen verweigert die Zustimmung zum Sitzgemeindeanteil für die Kulturraumförderung des Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. für 2027 in einer geheimen Abstimmung. Durch die Streichung des Sitzgemeindeanteils von 10.848 Euro verliert der Verein Zugriff auf zusätzliche Fördermittel von rund 135.600 Euro. Weitere Förderung
Cottbus, Brandenburg
Angriff auf Wohnhaus von zivilgesellschaftlich Engagiertem
Die Wohnung eines zivilgesellschaftlich engagierten evangelischen Pfarrers wird von Neonazis angegriffen. Die Täter dringen in das Wohnhaus ein und randalieren vor der Wohnungstür des Betroffenen. Weitere Infos
Cottbus, Brandenburg
Rechtsextreme Schmierereien auf Hausfassade von Wohnprojekt
Die Hausfassade des Hausprojekts „Zelle 79″ wird mit Hakenkreuzen beschmiert. Weitere Infos
Cottbus, Brandenburg
Brandanschlag auf Wohnprojekt
Bei einem vermeintlich rechtsextremen Angriff wird eine Fackel in den Hausflur des Wohnprojekts „WK51″ geworfen. Weitere Infos
Ilm-Kreis, Thüringen
Demokratieförderprogramm im Landkreis wird beendet
Mithilfe der CDU/FDP-Fraktion und der Freien Wähler setzt die AfD im Kreistag die Streichung der Fördermittel für die „Partnerschaft für Demokratie“ im Ilm-Kreis durch. Nach Kritik nimmt der Kreistag den Beschluss zurück und nimmt nun doch weiterhin am Programm teil, baut jedoch den politischen Einfluss der Kreistagsfraktionen auf Förderentscheidungen aus. Weitere Infos
Mai 2026
Cottbus, Brandenburg

Zerstörung von Regenbogenbannern an Räumlichkeiten eines queeren Vereins
An der Eingangstreppe des Regenbogenkombinat Cottbus werden drei Regenbogenbanner mit Farbe beschmiert. Weitere Infos
Bonn, Nordrhein-Westfalen

AfD fordert, Kulturzentrum die Räumlichkeiten zu entziehen
Die Bonner AfD und der Bürger Bund Bonn (BBB) fordern, den städtischen Mietvertrag mit dem Kulturzentrum „Alte VHS“ in Trägerschaft des Rhizom e.V. zu kündigen. Sie werfen dem Verein vor, die Räume für politische Zwecke zu nutzen. Als Anhaltspunkte für die Vorwürfe werden Plena vom „Offenen Antifaschistischen Treffen“ und „Fridays for Future“ genannt. Weitere Infos
Magdeburg, Sachsen-Anhalt
Absage einer Lesung nach politischem Druck
Der Politikwissenschaftler und Journalist Arne Semsrott wird von einer geplanten Lesung aus der Magdeburger Stadtbibliothek wieder ausgeladen. Laut den Veranstalter*innen wurde die Veranstaltung nach politischem Druck aus der Stadtverwaltung abgesagt. Zuvor hatte die AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat eine kritische Anfrage zu einer vergangenen Lesung von Arne Semsrott gestellt. Weitere Infos
Döbeln, Sachsen
AfD fordert Fördermittelentzug für soziokulturellen Verein
Die AfD beantragt im Stadtrat, dem soziokulturellen Verein Treibhaus e.V. die städtische Förderung zu entziehen und diese aus dem Doppelhaushalt 2027/2028 zu streichen. Der Antrag wird vom Stadtrat abgelehnt. Weitere Infos
Juni 2026
Berlin-Pankow

Körperlicher Angriff bei Protest gegen AfD-Veranstaltung
Bei Protesten gegen einen „Bürgerdialog“ der AfD werden die Gegendemonstrant*innen verbal beschimpft und bedroht. Eine Teilnehmerin wird von einem Besucher der AfD-Veranstaltung geschlagen. Weitere Infos
Rostock, Mecklenburg-Vorpommern

Schmierereien und Beschädigungen am Stadtteilbüro Lichtenhagen
An mehreren Tagen in Folge werden die Räumlichkeiten des Stadtteilbüros in Rostock-Lichtenhagen angegriffen. Es werden Fensterscheiben eingeschlagen und das Gebäude sowie weitere Gegenstände mit Farbe beschmiert. Ende April 2026 wurden bereits das Gebäude und die Umgebung mit rechtsextremen Symbolen beschmiert. Weitere Infos
Nordhausen, Thüringen

AfD versucht, Vereinen die städtischen Zuschüsse zu entziehen
Die AfD Nordhausen stellt im Finanzausschuss des Stadtrats zahlreiche Änderungsanträge für den Haushalt und fordert, städtische Zuschüsse für mehrere Vereine zu streichen (u.a. Studio 44 e.V., Schrankenlos e.V. und die Falken). Die Anträge der AfD werden abgelehnt. Weitere Infos
Saarbrücken, Saarland

Rechtsextreme Schmierereien in Protestcamp
In das Protestcamp von Waldbesetzer*innen dringen nachts eine oder mehrere Personen ein. Es werden Hakenkreuze und SS-Runen auf Einrichtungsgegenstände geschmiert und der Inhalt eines Feuerlöschers versprüht. Weitere Infos
Glauchau, Sachsen

Beendigung einer Veranstaltungsreihe wegen Bedrohungslage durch Rechtsextreme
Die Diakonie beendet die Zusammenarbeit mit dem Verein Kulturknall e.V. Dieser hatte unter dem Namen Café Taktlos in Räumlichkeiten der Diakonie regelmäßig Konzerte organisiert. Die Diakonie begründet die Entscheidung mit der Bedrohungslage durch Neonazis, die in der Stadt, Sticker mit Gewaltandrohungen gegen das Café Taktlos verteilt haben. Weitere Infos
Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern
Ende für Demokratieförderprogramm beschlossen
Der Kreistag der Mecklenburgischen Seenplatte beschließt mit Stimmen von AfD und Teilen der CDU, das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ zu beenden. Damit verzichtet der Landkreis auf Fördermittel in Höhe von 140.000 Euro jährlich für die lokale „Partnerschaft für Demokratie“. Weitere Infos