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Chronik antisemitischer Vorfälle – Definition Erscheinungsformen

Fünf Erscheinungsformen und ihre Definitionen

Antisemitische Vorfälle treten in unterschiedlichen Varianten auf. Sie reichen von Hitlergrüßen und Rufen wie "Kindermörder Israel" bis hin zu Hakenkreuzen auf Stolpersteinen oder Angriffen auf als jüdisch erkennbare Personen. Auch das Markieren von Wohnhäusern mit Davidsternen sowie Gewaltandrohungen gegenüber Zionist*innen gehören zum Alltag.

 

Um diese Varianten von Alltagsantisemitismus besser zu erfassen und sichtbar zu machen, verwendet die Amadeu Antonio Stiftung eine Einteilung in fünf Erscheinungsformen, die im folgenden definiert werden.

 

Die Chronik antisemitischer Vorfälle erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Stattdessen werden Vorfälle anhand lebensnaher Begriffen eingeordnet, sodass Alltagsantisemitismus nachvollziehbar wird. Die Einteilung dient nicht der quantitativen Bewertung, sondern soll die Vielfalt und Präsenz antisemitischer Erscheinungsformen verdeutlichen. Einzelne Vorfälle können dabei mehreren Erscheinungsformen zugeordnet werden, da häufig verschiedene Formen gleichzeitig auftreten.

 

Unsere fünf Erscheinungsformen lauten wie folgt:

  • Verschwörungsideologien
  • Schuldabwehr Antisemitismus
  • Israelbezogener Antisemitismus
  • Antijudaismus
  • Antisemitisches Othering

Die Erscheinungsformen sind folgendermaßen definiert:

Unter „Verschwörungsideologien“ zählt die AAS:

  • Falsche, dämonisierende oder stereotypische Anschuldigungen gegen Jüdinnen*Juden oder Zuschreibung einer besonderen politischen oder ökonomischen Macht:
    • Mythen über jüdische Weltverschwörung oder
    • Kontrolle der Medien, Wirtschaft, Regierung und anderer gesellschaftlicher Institutionen
  • Verantwortlichmachen der Jüdinnen*Juden als Volk für (tatsächliches oder unterstellstes) Fehlverhalten einzelner Jüdinnen*Juden, einzelner jüdischer Gruppen oder von Nicht-Jüdinnen*Juden

 

Die Erscheinungsform „Schuldabwehr Antisemitismus“ beinhaltet bei der AAS:

  • Bestreiten historischer Tatsachen, des Ausmaßes, der Mechanismen (z.B. der Gaskammern)
  • Bestreiten der Vorsätzlichkeit des Völkermords an Jüdinnen*Juden durch NS-Deutschland und seine Unterstützenden und Kompliz*innen des Zweiten Weltkriegs
  • Behauptung Jüdinnen*Juden seien für die Shoah selbst verantwortlich
  • Vorwurf an das jüdische Volk oder Israel die Shoah übertrieben darzustellen oder erfunden zu haben
  • Schuldabwehr: Empörung und Zurückweisung von Positionen über Denkzeichen, die an die NS-Verbrechen an Jüdinnen*Juden erinnern, z.B. auch das Beschmutzen von Erinnerungsmalen wie Stolpersteinen oder antisemitische Rufe/Aussagen an Erinnerungsorten, wie z.B. "Ich hasse alle Juden"-Ruf beim Besuch einer Gedenkstätte
  • Verhöhnung der Opfer

 

Unter die Erscheinungsform „Israelbezogener Antisemitismus“ fallen bei der AAS:

  • Vorwurf gegenüber Jüdinnen*Juden, dass sie sich dem Staat Israel oder angeblich bestehenden weltweiten jüdischen Interessen stärker verpflichtet fühlen als den Interessen ihrer Heimatländer
  • Abstreiten des Rechts des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung, z.B. durch die Behauptung, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches/koloniales Unterfangen
  • Anwendung von Doppelstandards, indem man von Israel ein Verhalten fordert, das von keinem anderen demokratischen Staat erwartet und verlangt wird
  • Verwendung von Symbolen oder Bildern, die mit traditionellem Antisemitismus in Verbindung stehen (z.B. Vorwurf Christusmord oder Ritualmordlegende), um Israel oder Israelis zu beschreiben
  • Vergleich Israels Politik mit der NS-Politik
  • Bestreben alle Jüdinnen*Juden kollektiv für Handlungen Israels verantwortlich zu machen

 

Unter „Antijudaismus“ fallen bei der AAS:

  • Die Verbreitung von religiös begründeten antisemitischen Stereotypen oder aber antisemitische Ressentiments gegen das Judentum als eine Religion:
    • z.B. Jüdinnen*Juden seien für den Tod Jesu verantwortlich ("Gottesmörder")
    • z.B. Ritualmordlegende: Jüdinnen*Juden benutzen Blut christlicher Kinder für rituelle Zwecke ("Kindermörder")
    • z.B. die Dämonisierung von Jüdinnen*Juden z.B. indem sie als Teufel dargestellt werden
    • z.B. Legenden über Jüdinnen*Juden als Brunnenvergifter*innen
    • z.B. Stereotype des "Wucherjuden", also die Darstellung von Jüdinnen*Juden als betrügerisch oder gierig

 

Als „Antisemitisches Othering“ zählt die AAS:

  • Betroffene werden aufgrund einer angenommenen oder tatsächlichen Zugehörigkeit zum Judentum antisemitisch konfrontiert
  • Jüdinnen*Juden werden als fremd oder nicht-dazugehörig zur jeweiligen Mehrheitsgesellschaft beschrieben
    • z.B. jüdische oder nicht-jüdische Institutionen/Personen werden als "Jude" beschimpft oder als jüdisch markiert (z.B. durch Markierung von Häusern mit einem Davidstern).

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