Häufige Fragen zum Vorfall an einer Schule in Sachsen
Fragen und Antworten zum Vorfall an einer Schule in Sachsen
An einer Oberschule in Schleife (Sachsen) wurde in Trägerschaft der Falken Berlin ein Workshop zum Thema Mut durchgeführt. Ziel war es, Jugendlichen angesichts rechtsextremer und demokratiefeindlicher Entwicklungen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zu vermitteln.
Im Verlauf des Workshops wurden verschiedene Zeitungsmaterialien ausgelegt, aus denen gemeinsam ein Wandbild gestaltet werden sollte. Darunter befand sich unbeabsichtigt auch ein einzelnes Magazin mit sexualisierten Inhalten und nackten Personen. In der Folge beschwerten sich Eltern bei der Schulleitung, woraufhin der Workshop, der für eine Woche ausgelegt war, am ersten Tag abgebrochen wurde. Ursprünglich waren mehrere Workshops geplant.
Für die Workshopreihe wurde eine finanzielle Förderung in Höhe von 2.500 Euro bei der Amadeu Antonio Stiftung beantragt und bewilligt. Nachdem uns der Vorfall bekannt wurde, haben wir reagiert und die Förderung der gesamten Workshopreihe gestoppt.
Der Vorfall ist inakzeptabel und widerspricht klar unseren Förderkriterien und pädagogischen Qualitätsstandards.
Wir nehmen das Geschehen sehr ernst. Es tut uns aufrichtig leid, dass es im Rahmen eines von uns geförderten Projekts zu dieser Situation gekommen ist und dafür bitten wir um Entschuldigung.
Für uns ist klar: Unangemessene Inhalte dürfen in der Arbeit mit Jugendlichen keinen Platz haben. Das widerspricht sowohl unseren pädagogischen Standards als auch dem Jugendschutz.
Wir arbeiten mit Nachdruck daran, den Vorfall vollständig aufzuklären und stehen dazu im engen Austausch mit dem Projektträger und der Schulleitung. Wir ziehen daraus konkrete Konsequenzen und schärfen unsere Förder- und Qualitätsstandards, um solche Vorfälle künftig auszuschließen.
Stellungnahme des Projektträgers:
Die Falken Berlin haben ausführlich Stellung zum Vorfall bezogen und ordnen die Geschehnisse während des Workshops ein.
Wie konnte es dazu kommen, dass unangemessenes Material zu sehen war?
Die Falken Berlin haben als Projektträger in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass das Magazin aus gespendeten Workshop-Materialien stammte, die im Vorfeld nicht ausreichend gesichtet wurden, und „in keiner Weise bewusst als pädagogisches Material vorgesehen“ war.
Selbstverständlich gehört sexualisiertes Material nicht in die Hände von Schüler*innen. Inhalte, die Schüler*innen überfordern, unangemessen konfrontieren oder sogar den Jugendschutz verletzen, widersprechen klar den Grundsätzen unserer Projektförderung und Bildungsarbeit.
Welche Konsequenzen zieht die Stiftung aus den Vorfällen in Schleife?
Wir werden aus dem Vorfall Konsequenzen ziehen und sicherstellen, dass unsere Förderpraxis höchsten pädagogischen und demokratischen Standards entspricht. Entsprechend überprüfen und schärfen wir unsere Qualitätskriterien in der Projektförderung. Künftig werden wir Verfahren für den Umgang mit Problemen und Vorfällen weiter standardisieren – dazu gehören klare Meldewege, Maßnahmen zum Schutz von Betroffenen und Leitlinien zu möglichen Förderabbrüchen.
Zudem legen wir bei zukünftigen Projekten im schulischen Bereich noch stärkeren Wert auf die Einbindung der jeweiligen Schule sowie auf die pädagogische Qualifikation und Erfahrung der Durchführenden. Dazu gehört auch, dass entsprechende Schutz- und Präventionskonzepte vorliegen und erweiterte Führungszeugnisse verpflichtend sind.
Darüber hinaus werden wir die Betreuung geförderter Projekte intensivieren. Träger erhalten künftig klarere Leitlinien und Checklisten zur Projektdurchführung, insbesondere zu Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Auch erwarten wir von Trägern, die außerhalb ihres regionalen Kontextes arbeiten, eine stärkere lokale Anbindung und Kooperation.
Was heißt Förderstopp?
Die Förderung des gesamten Projektvorhabens wurde mit sofortiger Wirkung gestoppt, Mittel sind an uns zurückzuzahlen. Es werden keine weiteren Workshops im Rahmen des Projektes mit unseren Mitteln durchgeführt.
Ist das Projekt steuerfinanziert?
Nein. Die Projektförderung der Stiftung wird getragen aus Eigenmitteln der Stiftung, Erträgen aus dem Stiftungskapital und zweckgebundenen Drittmitteln, die die Stiftung für den Zweck der Projektförderung erhält. Staatliche Zuwendungen werden für die Projektförderung der Amadeu Antonio Stiftung nicht eingesetzt.
Wie werden die Projekte überprüft, die von Ihrer Stiftung gefördert / unterstützt werden?
Wir prüfen anhand der Antragstexte die Träger und die darin dargestellten Vorhaben und Ziele auf der Grundlage unserer Förderkriterien. Außerdem beurteilen wir die Träger selbst durch Nachfragen und intensive Hintergrundrecherchen. Die Falken Berlin sind ein erfahrener, professioneller und angesehener Bildungsträger. Die Arbeit der Falken wird zum Beispiel auch vom Land Berlin finanziert. Im Vorfeld hatten wir keine Zweifel daran, dass der Träger in der Lage ist, das Vorhaben erfolgreich umzusetzen.
Wie entwickelt sich die mediale und digitale Dynamik rund um den Vorfall und welche konkreten Folgen hat sie für die Beteiligten?
Im Zuge der medialen Berichterstattung, die durch einen tendenziösen Artikel in der Jungen Freiheit ihren Auftakt fand und auch in zahlreichen weiteren rechts-alternativen Medien aufgegriffen wurde, kommt es zu massiven Anfeindungen, Selbstjustizfantasien bis hin zu Morddrohungen gegen den Schulleiter und den Bürgermeister der Stadt Schleife. Online mobilisieren rechtsextreme Meinungsmacher, vorrangig gegen die Workshopgebenden, deren Namen und Bilder online veröffentlicht wurden, aber auch gegen die Schulleitung und den Lehrkörper. Auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen und in Messenger-Gruppen wird orchestriert versucht, die Privatadressen der Betroffenen zu ermitteln. In der medialen rechtsalternativen Berichterstattung wird zugespitztes tendenziöses Bild (“Pädo-Stiftung”, “Porno-Skandal”, “Linksextreme Pornoaktivisten”) gezeichnet, das die Beteiligten gezielt diskreditiert und weiter unter Druck setzt.
Wir behalten uns vor, gegen die Verbreitung unwahrer Tatsachenbehauptungen juristisch vorzugehen und bringen diffamierende sowie Drohnachrichten zur Anzeige.