shift & tell – Antisemitismuskritische Videocontentreihe (2025-2026)
shift & tell – antisemitismuskritische Videocontentreihe (2025-2026)
Videoreihe über Antisemitismus
Das Projekt shift & tell wurde von 2025 bis 2026 durch die Stiftung Mercator ermöglicht, mit Ablauf der Förderung endete das Projekt.
Das Projekt shift & tell zielte darauf ab, mit einer Kurzvideoreihe über Antisemitismus aufzuklären und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit antisemitischen Narrativen aufzuzeigen. Mithilfe von Storytelling-Elementen, Expert*inneneinordnungen und medienpädagogischen Praxistipps bekamen jungen Menschen einen Einblick in das Erleben von Allltagsantisemitismus in analogen und digitalen Lebenswelten. Die Inhalte sollen sensibilisieren, Abwehr und Falschinformationen begegnen und Gegenstrategien niedrigschwellig verbreiten.
In den Videos wird aufgezeigt, wie Antisemitismus jungen Jüdinnen*Juden in verschiedenen Lebensbereichen, wie soziale Medien, Clubs oder Universitäten, begegnet. Die Videos können als Ausgangspunkt einer Diskussion dienen und zur Reflexion anregen, begleitet von pädagogischen Fachkräften, die in Livestreams und der Kommentarspalte ansprechbar sind und die Videoveröffentlichungen mit betreuen. Ziel ist es, durch die Kombination von Empathie und kritischer Auseinandersetzung Lernräume zu schaffen und Betroffene zu empowern.
Darum ging es bei shift & tell
In kurzen Videoformaten auf TikTok verbreiten sich antisemitische Chiffren und Desinformationen. Antisemitische Inhalte werden häufig in verschlüsselten Codes und Memes versteckt, deren wahre Botschaften oft schwer zu erkennen sind. Bilder, die stark emotionalisieren, dekontextualisierte Videomitschnitte aus dem Nahostkonflikt kombiniert mit Popmusik und Filtern, können eine gefährliche Mischung ergeben. Auch rechtsextreme Akteur*innen versprechen sich durch TikTok große Reichweiten und die Mobilisierung junger Zielgruppen. Jüdische Creator*innen erleben, wenn sichtbar, eine Drohkulisse aus Hassrede, massivem Positionierungsdruck sowie fehlender Solidarität ausgesetzt.
Die virale Verbreitung von Antisemitismus ist nicht erst seit dem 7. Oktober 2023 eine Gefahr auf sozialen Medien. Insbesondere Plattformen, auf denen Inhalte algorithmisch ausgespielt werden und dadurch große Reichweiten versprechen, haben die Verbreitung von gefährlichen Falschinformationen und Verschwörungsnarrativen, die Judenhass schüren, mit angefacht. Inhalte, die stark emotionalisierend sind, erfahren eine hohe Interaktionsrate und so auch eine gesteigerte Verbreitung, die in einer digitalen Mobbildung münden kann. Junge Menschen, die auf diesen Plattformen unterwegs sind, begegnen so mit viel höherer Wahrscheinlichkeit mal mehr und mal weniger abstrakten Versatzstücken eines antisemitischen Weltbildes und verbreiten diese bewusst oder unbewusst weiter. In Livestreams wurde z.B. zu Vandalismus und Gewalt aufgerufen, Demonstrationen, auf denen antisemitische Slogans verbreitet wurden, konnten auch digital verfolgt werden. Dass derlei Stimmungsmache Angriffe und Gewalt zur Folge hat, zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist.
Es gibt eine große Leerstelle auf TikTok – gefährliche Verkürzungen, Emotionalisierungen und Dekontextualisierungen im Zusammenhang mit im Nahostkonflikt aufgekommenen Narrativen bleiben oft unkommentiert stehen. Über Antisemitismus in seinen unterschiedlichsten Formen aufzuklären, kommt kaum gegen eskalative Stimmung und Falschinformationen an.
Es brauchte ein Angebot, das nicht nur bisherige Engagierte unterstützt und vernetzt, sondern auch die Betroffenenperspektive stärkt. Mit Empathie und Entschlossenheit wurde hier ein neues Konzept entwickelt, um junge Menschen lebensweltorientiert und auf Augenhöhe zu erreichen und wieder ins Gespräch zu kommen, bereits entstandene Ressentiments zu hinterfragen und gemeinsam zu lernen, Ambivalenzen zuzulassen.
Pädagogische Ansätze & Ziele
Shift & tell stand für Perspektivwechsel und Austausch: für die Öffnung neuer Reflexions- und Gesprächsräume, die durch die Videos des Projekts angestoßen werden können. Eingeleitet wurde die Videoreihe mit einer Kampagne und Videovernissage im September 2025. Gemeinsam mit Betroffenen und aktiven Stimmen gegen Antisemitismus klärten wir darüber auf, wie Antisemitismus sich auf Betroffene im Alltag analog wie digital auswirkt. Begleitet wurden die Videos durch ein pädagogisches Community-Management.
Um sich gegen antisemitische Stimmungsmache im Kurzvideoformat zur Wehr zu setzen, stellte das Projekt zudem zielgruppengerechte Argumentationshilfen und praktische Tipps zur Verfügung. Das Projekt vernetzte sich mit anderen Akteur*innen, die sich gegen Antisemitismus in digitalen Räumen engagieren, und entwickelte gemeinsam Handlungsstrategien. Videos aus unterschiedlichsten Perspektiven, engagiertes Community-Management und gelebte Solidarität nutzten TikTok, um neue Vermittlungsräume zu schaffen.
Wir bedanken uns für die Projektförderung
