Beim verheerenden Überfall der Terror-Organisation Hamas am 7. Oktober auf Israel wurden mehr als 1200 Menschen brutal gefoltert, vergewaltigt, ermordet und verstümmelt, darunter viele Kinder, Frauen und Shoah-Überlebende. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Zahlreiche Bürger:innen anderer Staaten, darunter auch aus Deutschland, Polen oder Frankreich sowie Wanderarbeiter:innen aus Thailand und Nepal, wurden ermordet oder entführt. In der Folge nahmen antisemitische Angriffe weltweit zu – in der Nacht vom 17. zum 18. Oktober wurde auch ein Brandanschlag auf die Synagoge der Kahal Adass Jisroel e.V. Gemeinde in der Brunnenstraße verübt. Es folgten Angriffe auf Gemeinde-Mitglieder:innen sowie Jüdinnen und Juden und israelsolidarische Menschen. Der antisemitische Brandanschlag auf die Synagoge in der Brunnenstraße steht dabei in der Kontinuität der antisemitischen und rassistischen Gewaltgeschichte in beiden deutschen Staaten. Allein zwischen 1979 und 1988 ermordeten deutsche Rechtsextremisten 27 Menschen in West-Deutschland, davon 13 allein beim Münchener Oktoberfest-Attentat. Das antisemitische Massaker der Hamas und das proklamierte Ziel der Islamisten, jüdisches Leben auszulöschen, richtet sich gezielt gegen Jüdinnen und Juden weltweit und die Existenz des Staates Israel. In seiner eliminatorischen Praxis zielt diese genozidale Ideologie zugleich darauf, jede pluralistische und von Vielfalt geprägte Gesellschaft zu zerstören, ebenso wie die Bedingungen einer dem Frieden und der Gleichberechtigung verpflichteten internationalen Gemeinschaft. Deshalb richtet sich jeder antisemitische Angriff immer auch gegen das friedliche Zusammenleben von uns allen. Judenhass ist Menschenhass! Dabei entstehen Hass-Allianzen, die sich aus antiimperialistischen wie rechtsextremistischen und populistischen Ideologemen sowie Verschwörungserzählungen speisen. Ob jihadistisch, links, rechts oder aus der Mitte heraus, Antisemitismus ist wieder einmal der Kitt, der sie zusammenhält. Rassismus und Judenhass stehen in fundamentalem Widerspruch zu einer vielfältigen demokratischen Gesellschaft. Die Demokratie kann sich selbst nicht verteidigen. Es liegt an uns, gemeinsam gegen Antisemitismus und Rassismus und für die Bewahrung einer pluralen Gesellschaft einzustehen, die Gleichheit und Teilhabe gewährleistet. Wir müssen zugleich die mühsam von unten erkämpfte Erinnerungs- und Gedenkkultur vor Angriffen von rechts, links oder aus der Mitte unserer Gesellschaft heraus gleichermaßen verteidigen und den Forderungen nach einem Schlussstrich entgegentreten. Mit den Mahnwachen, die wir kontinuierlich seit 12 Monaten mit der Unterstützung verschiedener Initiativen und engagierten Einzelpersonen durchführen, wollen wir der antisemitischen Gewalt einen Ort des Austausches und der Bildung entgegensetzen und uns für die Vielfalt jüdischen Lebens einsetzen.
Info: Die Mahnwachen gegen Antisemitismus sind Teil der 21. Aktionswochen gegen Antisemitismus und nehmen zugleich an den Aktionstagen für NS-Überlebende aus der Ukraine teil. In diesem Zusammenhang rufen wir zur Solidarität und Spenden an das „Hilfsnetzwerk für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine“ auf, wodurch Überlebende der NS-Verfolgung, darunter Shoah-Überlebende, ihre Familien sowie durch den Krieg Betroffene direkt unterstützt werden.
Referent*innen:
Maya Wolffberg, Koordinatorin Programme zur Holocaust-Erinnerung und Bekämpfung des Antisemitismus, Israeli Community Europe e.V (ICE)
Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD)
Andrea Reinhardt, Programm Schänke Bajszel, Neukölln
Moderation: Kamil Majchrzak, Initiator der Mahnwachen gegen Antisemitismus, Vertreter des Polnischen Verbands Ehemaliger Politischer Häftlinge der NS-Gefängnisse und Konzentrationslager (PZBWPHWiOK)
Datum: 7.11.2024, 18:00 – 20:00 Uhr
Ort: Weinbergspark, Brunnenstr. 176 / Veteranenstr. 28, 10119 Berlin-Mitte
Veranstalter*innen: Initiative Mahnwachen gegen Antisemitismus
Veranstaltungslink: https://mahnwachen-gegen-antisemitismus.org/