Zum Ende des Jahres 2025 erschien mit „Die Alarmierten – Was Verschwörungstheorien anrichten“ das bislang jüngste Buch des Amerikanisten und Literaturwissenschaftlers Michael Butter, der an der Universität Tübingen lehrt. Bereits mit früheren Veröffentlichungen wie „Nichts ist, wie es scheint“ oder „Plots, Designs, and Schemes“ hat er sich als wichtiger Referenzpunkt in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Verschwörungserzählungen etabliert. Seine Arbeiten verbinden kulturwissenschaftliche Perspektiven mit einer Analyse gesellschaftlicher Dynamiken und werden sowohl in Forschung als auch in der Bildungsarbeit häufig rezipiert. Vor diesem Hintergrund haben wir mit Michael Butter über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Umgang mit Verschwörungsideologien gesprochen.
Sie haben ihr neustes Buch „Die Alarmierten“ genannt. Können Sie kurz ausführen, wenn Sie damit meinen?
Der Titel ist bewusst doppeldeutig. Zum einen bezieht er sich auf diejenigen, die überall Verschwörungen entdecken; zum anderen sind die gemeint, die sich vor den Auswirkungen von Verschwörungstheorien fürchten. Beide Seiten, so eine These des Buchs, neigen dazu, die Dinge zu schwarz zu zeichnen.
Wie gefährlich sind aktuell Ihrer Meinung nach Verschwörungstheorien – z. B. die aktuellen Mythen über Juden im Kontext der Epstein-Files?
Da müssen wir differenzieren. Verschwörungstheorien sind dann gefährlich, wenn sie sich mit menschenfeindlichen Ideologien wie Antisemitismus oder Rassismus verbinden. Das tun sie aber nicht immer. Sie können auch mit unproblematischen Ideologien wie Liberalismus oder Sozialismus verknüpft sein. Aus guten Gründen stören sie und dann weniger und fallen uns auch weniger auf.
Es gibt bereits Beratungsstellen für Angehörige, Politische Bildung für Schüler*innen und Online-Tools im Netz – Was muss Ihrer Meinung nach noch getan werden, damit der Umgang mit Verschwörungstheorien gut gelingt?
Ich habe vor kurzem mit Lehramtsstudierenden das Material des Beratungskompass gesichtet. Vieles – z.B. einige Online-Tools – ist in der Pandemie entstanden und daher mittlerweile veraltet. Für den Schulunterricht ist es daher nicht mehr geeignet. Zudem wurde das meiste Material für Schüler*innen der gymnasialen Mittel- und Oberstufe konzipiert. Wichtig wären Unterrichtshilfen für jüngere Kinder und andere Schultypen. Und da wir wissen, dass besonders ältere Menschen anfällig für Verschwörungstheorien sind, brauchen wir Ideen, wie wir die sinnvoll erreichen.

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