Weiter zum Inhalt

Stimmen zum Aktionstag gegen Verschwörungsmythen und Antisemitsmus

Foto: UKE

„Science, not Silence“ - dafür stehe ich weiterhin vehement"

Prof. Dr. Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektiologie der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)

 

Welche Erfahrungen haben Sie im Zusammenhang Ihrer Arbeit und Aufklärung rund um die Covid19-Pandemie und Verschwörungsmythen gemacht?

Ich habe von vielen Verschwörungstheorien gehört, vor allem in den sozialen Medien. Eine Kollegin in den Niederlanden hat das sogar wissenschaftlich untersucht und konnte zu einem Zeitpunkt in der Pandemie zeigen, dass bei einem Social Media Outlet die ersten acht Hits zum Thema COVID-19 „fake news“ und Verschwörungstheorien waren, bevor zuverlässige Quellen wie die WHO, das RKI oder das CDC in der Liste erschienen. Das ist inakzeptabel und schwierig, verunsichert die Bevölkerung und Gesellschaft und erschwert auch unsere Arbeit sehr. Insgesamt versuche ich mich als Ärztin und Wissenschaftlerin auf evidenzbasierte Fakten zu konzentrieren und kommuniziere diese so oft es geht, um dieser Entwicklung entgegenzuarbeiten.

 

Vor welchen Schwierigkeiten stehen Sie aktuell im Hinblick auf die Verbreitung von Desinformationen?

Wichtig ist, der Bevölkerung stetig transparent und sachlich die derzeitige Situation zu erklären. Diese Informationen und Quellen sind derzeit noch nicht genug dort präsent, wo die Desinformations- und Gerüchteküche kocht. Dazu kommt die Gefahr, dass andere oft extreme politische Randgruppen sich die Verunsicherung in der Gesellschaft in Kanälen zunutze machen, um eine andere politische Agenda hier mitschwingen zu lassen. Das ist sehr gefährlich.

 

Welche Gefahren sehen Sie für Ihre Arbeit im Zuge wachsender Wissenschaftsfeindlichkeit?

In meiner Wahrnehmung vertraut ein Großteil der Bevölkerung der Wissenschaft weiterhin und sucht nach Antworten und transparenter Evidenz. Das bleibt auch der Fokus meiner Arbeit. Dennoch beobachte ich persönlich diese Entwicklung von wachsender Wissenschaftsfeindlichkeit kontinuierlich und mit Sorge. Als Gesellschaft sollten wir diesem Trend entschieden entgegentreten. „Science, not Silence“ ist hier seit einigen Jahren das Motto, und dafür stehe ich weiterhin vehement.

"Lieber desinfiziert und informiert, als desinformiert und infiziert"

Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt, Kabarettist und Moderator

 

“Die Regierung ist bisher nicht konsequent gegen Verschwörungstheorien und die „Infodemie“ vorgegangen. Konkret: Wenn es im Netz heißt, wir sollten Desinfektionsmittel zum Schutz trinken, braucht es eine Stelle, die das zeitnah einordnen hilft. Lieber desinfiziert und informiert, als desinformiert und infiziert. Ich erlebe zwei Welten – eine offizielle und eine komplette Parallelwelt in den sozialen Medien. Das ist enorm gefährlich, weil sich psychologisch jeder die Informationen sucht, die zu seiner Weltsicht passen. Und die Algorithmen der Googles, Facebook und YouTubes dieser Welt verstärken und verzerren massiv zugunsten von Hass, Hysterie und Populismus. Von Menschen, die ich eigentlich für vernünftig gehalten habe, bekomme ich Videos weitergleitet mit den krudesten Typen und Botschaften. Auch Prominente beteiligen sich an der Verbreitung, bis hin zu Staatsoberhäuptern wie Trump und Bolsonaro, die eine antiwissenschaftliche Haltung weltweit salonfähig gemacht haben.”

Foto: Frank Eidel
DIG - Jour fix mit dem Botschafter Yakov Hadas-Handelsmann und Jochen Feilcke

"Hier müssen wir dagegenhalten, mit Fakten und Transparenz"

Jochen Feilcke, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V.

 

"In den vergangenen Wochen wurde unter anderem in Berlin mehrfach gegen die Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie demonstriert. Es gibt Anlaß zur Sorge, dass Antisemiten, Rechts- und Linkspopulisten und Verschwörungstheoretiker die derzeitige Krise und den Unmut über die Corona Regeln für ihre Zwecke zu nutzen versuchen. Die Maßnahmen rund um Corona werden von ihnen zunehmend für antisemitische Hetze und Schoa-Relativierung missbraucht.Zu diesen Protestansammlungen kommen regelmäßig auch Populisten aller Richtungen, auch der AfD und Anhänger von Verschwörungstheorien, ja auch der Kurzzeitministerpräsident von Thüringen Kemmerich unterstützt die Spinnereien.

Die Vorstellung, dass die Pandemie bewusst herbeigeführt wurde, um das Volk zu kontrollieren, und dahinter Bill Gates oder andere vermeintlich finstere Mächte stecken, reicht bis weit in die Mitte der Gesellschaft. Hier kippt der Protest schnell ins Antisemitische.Wenn Menschen Kritik üben, ist das selbstverständlich in Ordnung. Das Gefährliche daran ist, dass diese Leute mit ihren kruden Thesen auch Menschen erreichen, die eigentlich fest auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Die lassen sich dann für die Verbreitung von Verschwörungstheorien instrumentalisieren. Das Ausmaß der Verbreitung ist beängstigend! Hier müssen wir dagegenhalten, mit Fakten und Transparenz. Wir müssen Hassreden gegen Juden bekämpfen. Wir müssen jetzt handeln, um die Immunität unserer Gesellschaften gegen das Virus des Hasses zu stärken. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter müssen unangemessene Inhalte löschen!"

#Entschwörung mit Felix Klein

#Entschwörung mit Kobito

#Entschwörung mit Miki Hermer

#Entschwörung mit Dorothee Baer

Mitmachen stärkt Demokratie

Engagieren Sie sich mit einer Spende oder Zustiftung!

Neben einer Menge Mut und langem Atem brauchen die Aktiven eine verlässliche Finanzierung ihrer Projekte. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung für Demokratie und Gleichwertigkeit.