Hassgewalt nimmt in Berlin spürbar zu. Betroffen sind Menschen, Initiativen, Kulturorte und zivilgesellschaftliche Einrichtungen, die für eine demokratische, solidarische und offene Gesellschaft unverzichtbar sind. Das erleben der Schutzfonds und der Soforthilfefonds der Amadeu Antonio Stiftung in ihrer täglichen Arbeit mit Betroffenen und bedrohten Räumen.
Die Ist-Situation kennen wir längst. Entscheidend ist jetzt die Frage, was sich ändern muss – und wer Verantwortung übernimmt. Mit der Fachveranstaltung „Betroffene schützen, bedrohte Räume stärken: Verantwortung bündeln gegen Hassgewalt“ möchten wir Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Sicherheitsbehörden, Strafverfolgung, Politik, Wissenschaft, Journalismus und Betroffenenperspektiven zusammenbringen.
Wir wollen darüber sprechen, was gesellschaftlich, politisch und institutionell falsch läuft, wie Bedrohungen früher erkannt werden können und welche Unterstützung Betroffene und bedrohte Räume konkret brauchen. Dabei geht es nicht darum, unterschiedliche Formen von Hassgewalt gegeneinander auszuspielen. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Frage, wie Menschen und Orte geschützt und handlungsfähig gehalten werden können.
Eine Anmeldung bis einschließlich Montag, 12. Oktober 2026 ist erforderlich.
In der Tagesveranstaltung geht es um aktuelle Entwicklungen von Hassgewalt in Berlin, um Herausforderungen von Strafverfolgung und Prävention, um Queerfeindlichkeit und den Schutz queerer sowie anderer marginalisierter Räume, um digitale Hassdynamiken und ihren Weg in reale Bedrohungen auf der Straße sowie um islamistische, rechtsextreme, antisemitische, rassistische und weitere menschenfeindliche Bedrohungsdynamiken.
Ausgehend von Einblicken in die Arbeit des Schutzfonds und des Soforthilfefonds fragen wir: Warum brauchen immer mehr Menschen und Räume Schutz? Wo greifen bestehende Strukturen zu spät oder nicht ausreichend? Und wie können unterschiedliche Akteur*innen besser zusammenarbeiten, damit Betroffene nicht allein bleiben? Nach den fachlichen Beiträgen und Gesprächen wird es jeweils Gelegenheit für Rückfragen und Austausch mit dem Publikum geben.
Außerdem wird die neu aufgelegte Aktion Noteingang vorgestellt – ein Projekt, das Schutzräume für Betroffene von Hassgewalt im Berliner Stadtraum schafft.
Mit Beiträgen und Gesprächen von / mit:
- LKA / Polizei Berlin: Aktuelles Lagebild zu Hassgewalt in Berlin, polizeiliche Herausforderungen und Handlungsbedarfe aus Sicht der Sicherheitsbehörden.
- Staatsanwaltschaft Berlin / Zentralstelle Hasskriminalität: Strafverfolgungspraktische Perspektive auf Hasskriminalität, Herausforderungen im Verfahren sowie Hinweise für Betroffene und zivilgesellschaftliche Akteur*innen.
- Caspar Schliephack: Berater im Feld Islamismusprävention und Gemeinwesenberatung. Beitrag zu digitalen Hassdynamiken und ihrem Weg in reale Bedrohungen.
- Sascha Adamek: Investigativer Journalist, Autor und Filmemacher. Beitrag zu bedrohten zivilgesellschaftlichen Räumen, Islamismus und Einschüchterungsdynamiken.
- Alex Carstiuc: Historiker, Sozialpädagoge und Mitbetreiber der ProgrammSchänke Bajszel. Gespräch zu Betroffenenperspektiven und bedrohten Räumen in der Praxis.
- Schutzfonds und Soforthilfefonds der Amadeu Antonio Stiftung: Einblicke aus der Arbeit mit Betroffenen von Hassgewalt, bedrohten Orten und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen.
- Aktion Noteingang: Vorstellung des Projekts, das Schutzräume für Betroffene von Hassgewalt im Berliner Stadtraum schafft.
- Politisches Panel: Diskussion mit Vertreter*innen demokratischer Parteien über politische Verantwortung, Zuständigkeiten und notwendige Veränderungen im Umgang mit Hassgewalt. Moderation: Dr. Nikolas Lelle, Projektleiter der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung.
Das Programm und die Liste der Teilnehmenden werden fortlaufend aktualisiert.
Durch die Tagesveranstaltung führt Marina Koren, Projektleiterin Schutzfonds der Amadeu Antonio Stiftung.
Hinweis zur Verpflegung: Wir bitten um Verständnis, dass im Rahmen der Tagesveranstaltung kein Buffet angeboten werden kann. In den Räumen der Urania befindet sich jedoch ein Café, in dem Getränke und kleine Speisen erhältlich sind.
Abendveranstaltung im Bajszel
Ort: Bajszel, Emser Str. 8–9, 12051 Berlin
Beginn: 19:00 Uhr
Keine Voranmeldung erforderlich
Am Abend wird die Veranstaltung im Bajszel fortgesetzt. Während in der Urania die Lage, Ursachen und Verantwortlichkeiten breiter diskutiert werden, richtet sich der Abend stärker auf notwendige Handlungsstränge: Was muss sich ändern? Wer muss sich an diesen Veränderungen beteiligen? Welche politischen, finanziellen, rechtlichen und praktischen Schritte sind notwendig, damit Betroffene und bedrohte Räume nicht erst nach einer Eskalation Unterstützung erhalten?
Der Abend soll Raum geben, Handlungsbedarfe klarer zu benennen, Verantwortlichkeiten sichtbar zu machen und Akteur*innen miteinander ins Gespräch zu bringen. Im Anschluss bleibt bewusst Zeit für Austausch, Begegnung und Vernetzung.
Mit:
- Alex Carstiuc: Historiker, Sozialpädagoge und Mitbetreiber der ProgrammSchänke Bajszel. Moderation des Abendgesprächs.
- Tahera Ameer: Vorständin der Amadeu Antonio Stiftung. Arbeitsschwerpunkte unter anderem Antisemitismus, Rassismus, Erinnerungskultur, kulturelle Bildung und migrantischer Feminismus.
- Tugay Saraç: Bildungsreferent und Projektleiter im Feld Islam & Diversity. Arbeit zu Queerness, Islam, Antisemitismus, Salafismus und Radikalisierungsprävention.
- Nikolai Schreiter: Politikwissenschaftler und Autor im Feld Antisemitismuskritik, Rechtsextremismus und Gesellschaftskritik.
- Seyran Ateş: Rechtsanwältin, Autorin, Frauenrechtlerin und Gründerin der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee (angefragt).
Das Programm und die Liste der Teilnehmenden werden fortlaufend aktualisiert.

