Unmittelbar im Anschluss an die Massaker des 7. Oktober 2023 hat sich eine Palästina-Solidarität in den Metropolen des Westens formiert, der seither gelungen ist, was keine linke Bewegung der letzten 30 Jahre vermochte: Massenhafte, gut organisierte Proteste, die von einem augenscheinlich äußerst diversen und verhältnismäßig jungen Milieu getragen sind, drängen seither regelmäßig auf die Straßen und Plätze, haben sich im Kulturbetrieb und den Universitäten etabliert und dabei eine eigene Protestfolklore ausgebildet, die es den Parteigängern dieser Bewegung erlaubt, äußerst widersprüchliche Positionen und Perspektiven scheinbar zwanglos zu vereinen.
Für Palästina‘ einzutreten ermöglicht es, gemeinschaftlich für Sozialismus und Barbarei, Feminismus und Patriarchat, Queerness und Gottesstaat, unbedingte Diversity und ethnische Homogenität, Weltrevolution und Nationalismus, Emanzipation und Djihad, Antiautoritarismus und Hamas, globale Freizügigkeit und indigene Erdverbundenheit, Krieg und Frieden zu kämpfen, und sich dabei sowohl für das Pogrom als auch gegen den Antisemitismus auszusprechen.
Über alle möglichen Widersprüche hinweg prozessiert die Bewegung als ein dynamisches Ganzes, das von einen ebenso ritualisierten wie besinnungslosen Daueraktivismus getrieben ist: Palästina ist ein Versprechen für uns alle“ oder Palestine will free us all“.
Was aber ist eigentlich das Objekt dieser Bewegung und was verspricht es? Wie ist dieses Versprechen zu fassen und woher bezieht die Bewegung ihre unheimliche Dynamik? Wie lässt sich dies psychoanalytisch fassen? Dieser und anderen Fragen soll im Vortrag nachgegangen werden.
Dazu soll zunächst die grundlegende Frage danach, was man eigentlich tut, wenn man mit psychoanalytischen Begriffen gesellschaftliche Phänomene verstehen und kritisieren möchte, angesprochen werden und anschließend wird anhand von Beispielen (Bilder, Texte) aus der Bewegung gearbeitet.
Christine Kirchhoff ist Professorin für Psychoanalyse, Subjekt- und Kulturtheorie an der Internationalen Psychoanalytischen Universität (IPU) in Berlin und Psychoanalytikerin (DPV/IPA).
Mehr Informationen finden sich hier.
Referent*innen: Christine Kirchhoff
Datum: 30.10.2026 (19:30 Uhr)
Ort: Hörsaal VI, Hauptgebäude Universität zu Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50931 Köln
Veranstalter*innen: Bündnis gegen Antisemitismus Köln
Eine Veranstaltung im Rahmen der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus.
