Am 09. Oktober 2019 ereignete sich der rechtsterroristische Anschlag von Halle und Wiedersdorf, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren. In dem Prozess im darauf folgenden Jahr nahmen die Überlebenden beispiellose Mühen auf sich, um auf die omnipräsente Gefahr von Rechtsterrorismus, die Rolle der antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Ideologie des Täters sowie deren Verankerung in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Sie kreideten das staatliche Versagen im Umgang in all diesen Bereichen an.
Etwa ein Jahr nach dem Anschlag wurde der Täter zur Höchststrafe verurteilt: lebenslange Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Doch der staatliche und gesellschaftliche Wandel, der zur Prävention rechtsterroristischer Anschläge nötig wäre, bleibt aus.
Die Ursachen hierfür sind auf verschiedenen Ebenen zu suchen. Zum einen weist der Prozess eklatante Lücken auf: Das Versagen der Polizei während und unmittelbar nach dem Anschlag wurde ebenso wenig hinlänglich aufgeklärt wie die lückenhafte Ermittlungsarbeit der Polizeibehörden im Nachgang an die Tat. Die rassistischen Mordversuche an Aftax I. und İsmet Tekin wurden nicht anerkannt. Das Bild des Einzeltäters blieb trotz etlicher Indizien auf eine breite Online-Vernetzung nahezu unangetastet. Auch berichten Überlebende wie sie mit extremen Hürden zu kämpfen hatten, um ausreichend psychologische und finanzielle Unterstützung zu erlangen.
Des Weiteren nahm auch das öffentliche Interesse an den Betroffenen rasant ab, nachdem der Prozess beendet war. Doch die Grundlage für Taten wie den Anschlag von Halle bestehen weiter: Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus sind tief gesellschaftlich verankert und bieten einen Nährboden für rechte Ideologien. Dies schlägt sich auch in den steigenden Zustimmungswerten der AfD in Sachsen-Anhalt sowie im Rest von Deutschland nieder.
Wie kann es gelingen, Überlebende und Angehörige von Opfern rechten Terrors angemessen und solidarisch zu unterstützen? Was müssen Gesellschaft und Staat leisten, um Taten wie denen von Halle vorzubeugen?
Fragen wie diese werden bei dem Podiumsgespräch „Räume des Erinnerns schaffen!“ mit Nathan B. (Überlebender desTerroranschlags in Halle und Wiedersdorf und Mitglied der Soligruppe 9. Oktober) und Rachel Spicker (Systemische Beraterin, Prozessbegleiterin, Unterstützerin und Mitglied der Soligruppe 9. Oktober ) besprochen.
Datum: 20. August 2026, 19:00 Uhr
Ort: Offene Arbeit, Allerheiligenstraße 9, 99084 Erfurt
Die Veranstaltung wird durch die Projektförderung der Amadeu Antonio Stiftung finanziell unterstützt.Um noch mehr wichtige Projekte gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus fördern zu können, brauchen wir deine Spende!
