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In eigener Sache

20 Jahre Aktionswochen gegen Antisemitismus: Engagement, das nicht nachlässt

Die Vorständin der Amadeu Antonio Stiftung, Tahera Ameer, stellt 2022 in der Bundespressekonferenz die Kampagne der Aktionswochen gegen Antisemitismus vor. Quelle: picture alliance / SZ Photo | Jürgen Heinrich

2023 markiert das 20-jährige Jubiläum der Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung – zwei Jahrzehnte unermüdlichen Einsatzes gegen Judenhass, Verschwörungswahn und „Israelkritik“.

2003, zwei Jahre nach den Anschlägen von 9/11 – der Geburtsstunde unzähliger neuer antisemitischer Verschwörungserzählungen –, beginnt der Krieg gegen den Irak: Antiamerikanismus grassiert, flankiert von Antisemitismus. Für die Amadeu Antonio Stiftung, damals gerade erst fünf Jahre alt, ist klar: Antisemitismus muss stärker in den Vordergrund rücken.

Die Initialzündung ist 2003, im Folgejahr finden die „Überregionalen Aktionswochen gegen Antisemitismus“, wie sie damals noch heißen, in 28 Städten statt. Die Zahlen sind seitdem nur noch gewachsen. In den letzten zwei Jahrzehnten fanden mehr als 3.500 Veranstaltungen an mehr als 200 Orten in Zusammenarbeit mit mehr als 500 Organisationen statt.

Auch heute wären die Aktionswochen ohne die vielen Initiativen undenkbar, die jedes Jahr um den Gedenktag am 9. November herum nicht nur auf Antisemitismus aufmerksam machen, sondern auch jüdisches Leben in Deutschland thematisieren und feiern. Seit 2015 aber sind die Aktionswochen noch mehr als das, sie sind heute „Interventionen in die politischen Debatten der Zeit“, erklärt Projektleiter Nikolas Lelle. Ab diesem Jahr findet, in Zusammenarbeit mit dem Anne Frank Zentrum, im Aktionszeitraum zusätzlich eine bundesweite Kampagne statt. Jährlich mit anderem Schwerpunkt: Es geht um Erinnerungsabwehr und Antisemitismus im Gewand der „Israelkritik“, um Angriffe auf jüdische Schüler*innen und gleich zu Beginn der Corona-Pandemie um Verschwörungserzählungen.

Auch 2023 ist die Kampagne breit sichtbar. Auf Großplakaten in Berlin, Rostock, Dortmund, Stuttgart, München, Garmisch-Partenkirchen, Saarlouis, Jena, Leipzig, Bielefeld, Bremerhaven oder Hamburg – insgesamt in über 80 Städten und an mehr als 1.000 Standorten bundesweit – machen die Aktionswochen deutlich: Alle können und müssen etwas gegen Antisemitismus tun.

Im Jahr 20 der Aktionswochen heißt das Motto #ZeroAntisemitism: „Daran muss sich die gesamte Gesellschaft – von Politik bis Zivilgesellschaft – messen lassen“, erklärt Timo Reinfrank, Vorstand der Amadeu Antonio Stiftung. 2023 wird das so deutlich wie lange nicht mehr, denn die Aktionswochen werden in diesem Jahr am 9. Oktober eröffnet, zwei Tage nach dem brutalen Terrorangriff der Hamas auf Israel und zwei Tage nachdem auf deutschen Straßen Süßigkeiten verteilt wurden: zur Feier des Massakers an israelischen Zivilist*innen, zur Feier von Vergewaltigungen und getöteten und entführten Kindern.

Wie wichtig die Aktionswochen gegen Antisemitismus auch nach 20 Jahren noch sind, bekräftigt Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung, denn wir sehen ja, was passiert, wenn Antisemitismus konsequent zu Ende gedacht wird“, so Klein. „Wir sehen, was passiert, wenn diejenigen, die Jüdinnen und Juden mörderisch hassen, ihren Hass ungehemmt ausleben können.“

Die Arbeit geht den Aktionswochen nicht aus, auch nicht nach zwei Jahrzehnten. Noch ist überhaupt nicht absehbar, wie sich die Zäsur, die der 7. Oktober darstellt, und der Krieg, der dem Terror nun folgt, in den nächsten Monaten und Jahren auf den Diskurs rund um Antisemitismus und auf Jüdinnen*Juden auswirken werden. Das einzige Betätigungsfeld wird dies allerdings ohnehin nicht bleiben: „Wir werden noch viel mehr über die deutsche Rechte nachdenken müssen. Die Landtagswahlen im nächsten Jahr und die Bundestagswahlen 2025 werden uns beschäftigen“, erklärt Projektleiter Lelle. Es sind zwei Fragen, die ihn und sein Team umtreiben und die die zukünftige Arbeit der Aktionswochen bestimmen werden: „Wie kann man weiterhin an den Nationalsozialismus erinnern, auf eine Art und Weise, die nicht konsequenzlos ist und die etwas mit der Gegenwart zu tun hat? Und wie können wir es schaffen, Jüdinnen*Juden darin zu unterstützen, in diesem Land sorgenloser zu leben, als das im Moment möglich ist?“

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