Antifeministische Angriffe setzen die Gleichstellungsarbeit in Deutschland zunehmend unter Druck und gefährden damit auch demokratische Strukturen. Die neue Handreichung richtet sich an kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie ihre Verbündeten in Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Sie beleuchtet Formen, Ursachen und Auswirkungen antifeministischer Angriffe und zeigt auf, wie sich Gleichstellungsbeauftragte schützen und wirksam handeln können.
Inhalte und Ansatz der Handreichung
Die Publikation führt in zentrale Begriffe, Definitionen und Zusammenhänge ein. Sie analysiert Erscheinungsformen von Frauen- und Queerfeindlichkeit und ordnet die politischen Narrative hinter den Angriffen ein. Darauf aufbauend beschreibt sie konkrete Erfahrungen aus der kommunalen Praxis. Im Fokus stehen typische Muster antifeministischer Angriffe, ihre Auswirkungen auf den Berufsalltag sowie Strategien im Umgang damit. Ergänzt wird die Handreichung durch erprobte Praxisansätze, Schutzkonzepte und politische Handlungsempfehlungen. Sie macht deutlich, dass Gleichstellungsarbeit eine zentrale Säule der Demokratie ist, die gestärkt und geschützt werden muss.
Die Handreichung basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von über 350 Gleichstellungsbeauftragten sowie auf Expert*inneninterviews. Damit werden Erfahrungen, die bislang häufig nur punktuell sichtbar waren, erstmals systematisch erfasst und ausgewertet.
Zentrale Befunde
Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie stark Gleichstellungsarbeit unter Druck steht. 95 % der Befragten sehen sie durch antidemokratische Entwicklungen bedroht. 63 % berichten, dass sie mindestens eine Form antifeministischer Angriffe erlebt haben. 40 % waren innerhalb von zwei Jahren mehrfach betroffen, mehr als 10 % sogar mehr als sechsmal. Fast ein Drittel hat direkte verbale Anfeindungen im beruflichen Kontext erfahren.
Auswirkungen auf die Praxis
Die Angriffe wirken sich spürbar auf den Arbeitsalltag aus. Rund jede sechste Gleichstellungsbeauftragte schätzt die eigene Sicherheit oder die ihres Teams als gefährdet ein. Viele sehen sich gezwungen, ihre Arbeit anzupassen. Zwischen 22 und 30 % geben an, Themen oder Angebote einzuschränken. Veranstaltungen werden häufiger in geschlossenen Räumen durchgeführt, insbesondere bei sensiblen Themen wie reproduktiven Rechten, Geschlechterrollen oder geschlechtsspezifischer Gewalt. Gleichzeitig sinkt die Reichweite der Angebote, da Betroffene sie seltener in Anspruch nehmen oder ihre Anliegen zurückhaltender äußern.
Regionale Unterschiede
Antifeministische Angriffe betreffen Kommunen unabhängig von ihrer Größe. In Gemeinden mit bis zu 20.000 Einwohner*innen berichten 60 % der Befragten von mindestens einer Angriffsform. In Mittelstädten sind es 68 %, in Großstädten 67 %. Gleichzeitig zeigen sich regionale Unterschiede. In ostdeutschen Regionen berichten Gleichstellungsbeauftragte häufiger von rechtsextremer Gewalt und einem insgesamt feindlicheren Klima. In westdeutschen Kommunen stehen politische Angriffe stärker im Vordergrund. In süddeutschen Regionen treten besonders bei Themen wie Schwangerschaftsabbruch vermehrt Bedrohungen auf.
Fehlende Unterstützung und Handlungsbedarf
Viele Befragte sehen Lücken in der Unterstützung ihrer Arbeit. 56 % fordern stärkere gesetzliche Regelungen, etwa zum Schutz vor digitaler Gewalt. 54 % wünschen sich eine klarere Rückendeckung durch Verwaltung und Politik.
Gleichstellungsarbeit als demokratische Infrastruktur
Die Handreichung zeigt, dass Gleichstellungsarbeit kein Zusatzangebot ist, sondern ein zentraler Bestandteil demokratischer Infrastruktur. Um antifeministischen Angriffen wirksam zu begegnen und die Teilhabe aller Menschen zu sichern, braucht es verlässliche Schutzmaßnahmen, politische Unterstützung und praxisnahe Strategien.


