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Projekte von und mit Jugendlichen

Projekte von und mit Jugendlichen

Vielfalt in Bewegung

Wie kann Integration gelingen? Die Debatte um Teilhabe von Asylsuchenden wird tagtäglich in Politik und Gesellschaft geführt. Dass Inklusion in der Praxis auch ohne bürokratische Hürden funktioniert, beweist ein von der Amadeu Antonio Stiftung gefördertes Skate-Projekt.

 

Jeden Donnerstag geht es in Würzburg auf die Bretter, die für manch einen die Welt bedeuten. Der Förderverein Bechtolsheimer Hof nutzt mit dem Projekt-Workshop „Integratives Skaten“ die Möglichkeit geflüchtete Jugendliche zum gemeinsamen Skateboard fahren einzuladen. Nationalität, Konfession und Herkunft spielen dabei keine Rolle. Dem Verein ist es wichtig, seine neuen Nachbar*innen willkommen zu heißen. Neben der Möglichkeit, einander kennenzulernen, fordert der Sport Körper und Geist. Für ein paar Stunden rücken so die alltäglichen Sorgen in den Hintergrund. Insbesondere für geflüchtete Jugendliche eine willkommene und nötige Auszeit.

 

In vier Monaten bauten die Jugendlichen gemeinsam die benötigten Rampen, die dann wöchentlich befahren werden konnten. Das Brettgefühl entwickelte sich auf Augenhöhe und der ein oder andere Trick wurde gemeistert. Die regelmäßigen Treffen überwinden nicht nur Vorurteile – hier entstehen Freundschaften.

Gemeinsam skaten in Würzburg. Foto: © B-Hof

Lautstark gegen Rassismus und Neonazis

© Laut und Bunt

Ein Musikfestival auf die Beine zu stellen ist nicht einfach. Zehn Jugendlichen aus Rathenow war es aber so wichtig, andere junge Menschen zu ermutigen, sich gegen Rechts zu engagieren, dass sie es trotzdem wagten. Seitdem findet alljährlich das “Laut & Bunt“-Festival statt und vereint Musik und gute Laune mit einer klaren Haltung.

 

„In den vergangen Jahren haben sich in Rathenow und im gesamten Havelland feste Strukturen in der rechtsextremen Szene entwickelt. Hier gibt es fast alles: NPD-Abgeordnete im Kreistag, freie Kameradschaften, Anti-Antifa, rechtsextreme Musikgruppen und Sportvereine“, berichten die Organisator*innen des Laut & Bunt Festivals. Viele junge Menschen ziehen weg und von Seiten der Stadt wird den Jugendlichen kaum etwas geboten. „Neonazis versuchen hier anzusetzen und bei den Jugendlichen Sympathien zu gewinnen. Zum Beispiel wurde an Schulen die NPD-Schülerzeitung ‚Stachel’ verteilt“, erzählt Susanne Meier aus dem Organisationsteam

 

„Wir haben es satt, dass nur gemeckert, aber nichts getan wird“, sagten sich 2008 einige 16-jährige Jugendliche und stellten selbst etwas auf die Beine: Das „Laut & Bunt“-Festival war geboren. Ohne Erfahrungen schafften sie es, Förderer zu finden und ein buntes Festival mit regional und auch überregional bekannten Bands auf die Beine zu stellen. „Wir waren von der Resonanz überwältigt und fühlten uns bestätigt, weiter zu machen“, erzählt Susanne.

 

Doch es geht nicht nur um gute Musik und Spaß. „Von Anfang an stand die Positionierung gegen Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus im Vordergrund“, sagt Susanne. „Wir engagieren uns alle in unterschiedlichen Gremien gegen Rechts und wollen informieren sowie andere Jugendliche anregen, auch aktiv zu werden.“

Vorbildliches Engagement in der Sächsischen Schweiz

Die Aktion Zivilcourage wurde 1999 als Reaktion auf die damals erschreckend hohen Kommunalwahl-Ergebnisse rechtsextremer Parteien im Landkreis Sächsische Schweiz und einer zunehmenden Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen gegründet.

 

Mehrmals wurden Ende der neunziger Jahre „nicht-rechte“ Jugendliche und Migrant*innen in der Sächsischen Schweiz von Neonazis überfallen, wobei es zum Teil zu schweren Körperverletzungen kam. Das daraus entstandene Klima der Angst bei vielen Jugendlichen war der Auslöser für das Entstehen der Aktion Zivilcourage. Seit den ersten Ansätzen von damals hat die Initiative stetig an neuen Mitstreitenden gewonnen und konnte ihr Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen und mit einer Vielzahl von Projekten immer weiter ausbauen. Aus der Aktion Zivilcourage ist seitdem ein eingetragener Verein geworden, der mit einem engagierten Team die demokratische Kultur in der gesamten Region belebt. Ein wesentlicher Beitrag dazu ist der jährlich stattfindende Markt der Kulturen - ein buntes multikulturelles Straßenfest, das nur in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Pirna und der tatkräftigen Unterstützung hunderter ehrenamtlicher Helfer durchgeführt werden kann.

 

Mit einem umfangreichen Programm aus Workshops, Ausstellungen, Zeitzeugengesprächen, Lesungen und vielem mehr richten sich die Engagierten an Jugendliche und die, die mit ihnen arbeiten, wie beispielsweise Sozialarbeiter*innen oder Lehrer*innen. Das Motto der Aktion Zivilcourage: „Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber die demokratische Zukunft können wir alle gemeinsam aktiv mitgestalten.“

Markt der Kulturen in Pirna. Foto: © Aktion Zivilcourage