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„Jeder Besuch ist eine kleine Demonstration für die offene Gesellschaft“

Rassist*innen nicht das Feld überlassen, sondern intervenieren, informieren und streiten: Darum geht es der Initiative Moment mal! Aktion für eine offene Gesellschaft. Das von der Amadeu Antonio Stiftung geförderte Projekt will rassistischer Stimmungsmache in der Gesellschaft mit Aufklärung begegnen.

von Ibo Muthweiler

Moment mal!, das sind ein bis zwei Handvoll Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen politischen Biographien. Sie alle sind Teil der Wiesbadener Stadtgesellschaft, die sie stark machen wollen gegen rechte Parolen und Hetze. „Unsere gemeinsame Wahrnehmung war, dass durch Rechtspopulismus und Rechtsextremismus eine Gefahr für die Demokratie ausgeht“, erinnert sich Georg Habs, Mitglied der Initiative. „Da stellten wir uns die Frage: was können wir dagegen tun?“. Die AfD hat bei der letzten Bundestagswahl in Wiesbaden 11,2% der Stimmen bekommen. Durch den Einzug in die Parlamente macht die vermeintliche Alternative rassistisches Gedankengut gesellschaftsfähig und erscheint zunehmend als „normale“ Partei. Diesem Bild will die Initiative entgegenwirken und organisiert Vorträge und Diskussionen zu Rechtsextremismus und Neuer Rechten.

Dabei stellt die Gruppe einen hohen Anspruch an die eigene Arbeit: „Wir wollen die Abschottung von Lebenswelten durchbrechen und in Bereiche vordringen, in denen wir bisher nicht wahrgenommen wurden“, so Habs. Denn ein Bildungsangebot, das sich nur an diejenigen richtet, die sowieso schon Position bezogen haben, führe am eigentlichen Ziel vorbei. Deshalb achtet die Initiative darauf, alle Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten durchzuführen, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Ob im Rathaus oder dem Kulturzentrum Schlachthof, verschiedene Orte heißt verschiedene Leute. Doch das ist nicht das einzig Besondere an dem Format: Da in Zeiten von Populismus Fake News und bloße Meinungen als Tatsachen gelten, soll den Besucher*innen nicht einfach eine Meinung angeboten werden. Statt einer „Heilslehre der Demokratierettung“ werden die Teilnehmenden durch aktive Diskussionen und differenzierte Perspektiven dazu befähigt, selbst zu reflektieren und sich kritisch mit rassistischen Phrasen und Parolen auseinanderzusetzen.

Bereits fünf Vorträge mit Expert*innen wurden durchgeführt, Audiomitschnitte und Videointerviews ins Internet gestellt. Die Initiative will zeigen, „dass Demokrat*innen keine Leisetreter sind“ – die vollen Säle und angeregten Diskussionen der vergangenen Veranstaltungen bestätigen das. Das Projekt hat viel Zuspruch erhalten, weshalb die Initiative gerade ihre Weiterentwicklung plant. Wir hoffen, dass die Aktiven auch weiter so viele Menschen erreichen und dem Hass mit dem begegnen, was ihm am meisten schadet: Humanität und Aufklärung.

— Die nächste Veranstaltung mit dem Titel Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Politik machen wird am 15. Oktober im Museum Wiesbaden stattfinden —

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