Weiter zum Inhalt

Sächsischer Förderpreis: Vergangene Preise

Der Sächsische Förderpreis für Demokratie 2015

In einer feierlichen Preisverleihung wurden am Abend des 9. November in Dresden sechs sächsische Initiativen und ein Bürgermeister für ihr herausragendes Engagement mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2015 ausgezeichnet.

AND THE WINNER IS ...

die  Bürgerinitiative „Gesicht zeigen" - Netzwerk für demokratisches Handeln, die den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt,
 
sowie Jürgen Opitz, Bürgermeister der Stadt Heidenau, der den undotierten Kommunenpreis verliehen bekam.
 

Die Wahl der Bürgerinitiative "Gesicht zeigen - Netzwerk für demokratisches Handeln“ begründete die Jury mit deren „unermüdlichen mutigen Engagement, auch unter Anfeindung, Bedrohung und vielfacher Ignoranz“. Die Bürgerinitiative reagiert auf eine Reihe von rechtsextremen Übergriffen in der Umgebung und setzt dabei auf Partnerschaften mit Gemeinwesen und Politik. Anlass zur Gründung war der Angriff von drei Neonazis auf einen alternativen Jugendlichen in Lunzenau Anfang 2012. Die Jury hob den persönlichen Einsatz des Bündnisses hervor: „Es stemmt über Jahre ein beeindruckendes inhaltliches Programm, das bisher vor allem aus privaten Aufwendungen der Mitglieder finanziert wird.“

Der undotierte Kommunenpreis ging an den . Die Stadt Heidenau wurde überregional bekannt, als es im August zu tagelangen gewalttätigen Ausschreitungen im Anschluss an eine flüchtlingsfeindliche Demonstration der NPD kam. Die Jury würdigte die klare Haltung des Bürgermeisters der Stadt, Jürgen Opitz, der die Übergriffe scharf verurteilte und für Solidarität mit den Flüchtlingen wirbt: „Jürgen Opitz ist ein Hoffnungsträger in der sächsischen Kommunalpolitik. Wie andere Bürgermeister sorgte er sich um die Verurteilung einer ganzen Stadt, ohne zu beschönigen, dass auch Bürger aus Heidenau unter den Demonstranten waren.“

 

Anerkennungspreise in Höhe von je 1.000 Euro gingen an:

 

Die Preisverleihung fand am 9. November 2015 im Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresdenstatt; Yellow Umbrella und Sebastian Krumbiegel sorgten für gute Stimmung. Insgesamt 64 Initiativen, Projekte, Kommunen und Landkreise hatten sich an der Ausschreibung zum Sächsischen Förderpreis für Demokratie 2015 beteiligt. Viele von ihnen wurden von Dritten vorgeschlagen, die sich ebenfalls für Demokratie und eine lebendige Initiativenlandschaft engagieren. In ihrer Laudatio würdigte die Journalistin und Moderatorin Anja Reschke alle nominierten Initiativen für ihr mutiges Engagement in Orten und Regionen, in denen rechtsextreme Bedrohungen und Gewalt alltäglich sind.

Eine kleine Pressenachlese hier beim mdr, der lvz und auf Netz gegen Nazis.

 

Die Preisträger 2014

„Ein Vakuum an Menschenwürdeschutz in Deutschland“ diagnostizierte die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihrer Laudatio: Angriffe gegen Flüchtlinge, Ausgrenzung von Schwulen und Lesben und Islamfeindlichkeit zeigten, dass die Würde des Menschen in Deutschland stellenweise eben doch antastbar sei. Doch gebe es glücklicherweise ebenso Initiativen, die sich mit diesem Vakuum nicht abfinden wollten. Eine Auswahl von ihnen wurde am 7. November bei einer feierlichen Preisverleihung im Leipziger Rathaus mit dem Sächsischen Förderpreis geehrt. Musikalisch wurde der Abend durch Sebastian Krumbiegel untermalt, dessen Songs die Botschaft des Abends transportierten. So sang er etwa „Meine Nation sind die Liebenden der Welt.“

 

Hauptpreis für „Bautzen bleibt bunt“
Den mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis erhielt das Bündnis „Bautzen bleibt bunt– Budyšin wostanje pisany“ für seinen „unermüdlichen und bewundernswerten Einsatz für geflüchtete Menschen in Bautzen“, so die Jurybegründung. Das Bündnis hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine lokale Willkommenskultur zu etablieren und die Integration der Geflüchteten vor Ort zu unterstützen. Für Carsten Thurau, Jury-Mitglied und Leiter des ZDF-Landesstudios Sachsen, ist das ein Ziel mit Vorbildcharakter: „Mit ihrem Engagement stellen sie sich nicht nur den rassistischen Mobilisierungen, sondern auch der Passivität und dem Stillschweigen der Mehrheit entgegen.“ Eine Vertreterin des Bündnisses betonte, dass die Situation in Bautzen immer noch kritisch sei: Immer noch würden Nazis regelmäßig vor einem Hotel, in dem derzeit Flüchtlinge untergebracht sind, grölen und hetzen. Viele der geflohenen Menschen hätten Angst, in die Stadt zu gehen. „Wir wünschen uns mehr Unterstützung, auch vom Landkreis“, so die Forderung.


Schwierige Wahl

Neben „Bautzen bleibt bunt - Budyšin wostanje pisany“ erhielten fünf weitere Initiativen Anerkennungspreise in Höhe von je 1.000 Euro:

Initiative Ebersdorf/Hilbersdorf bei der AG In- und Ausländer e.V. in Chemnitz
BSG Chemie Leipzig e.V. (Fanszene und Verein)
CSD Pirna e.V.
Jugendgruppe der Initiative für eine Alevitische Gemeinde in Dresden
Partysahnen e.V. zusammen mit Augen auf e.V., Ostsachsen

Für Thurau haben allerdings alle Initiativen, die sich um den Förderpreis beworben hatten, einen Anerkennungspreis verdient – die Auswahl sei der Jury schwer gefallen. Der Leiter des ZDF-Landesstudios Sachsen erzählte, wie er selbst 2010 nach Dresden zog, nachdem er lange Jahre als Auslandskorrespondent gearbeitet hatte. Bei der Suche nach einem Kitaplatz für seine kleine Tochter sei ihm aufgefallen, dass es kaum Kinder mit Migrationshintergrund gebe. Darauf angesprochen sagte ihm die Leiterin einer Kita: „Ja, keine Sorge, so etwas gibt es bei uns nicht.“ Diese Antwort habe ihn schockiert, so Thurau. Zwei Tage später habe er von Anetta Kahane, Leiterin der Amadeu Antonio Stiftung, die Einladung bekommen, Jurymitglied für den Förderpreis zu bekommen.


Kommunen als wichtiger Partner: Das Beispiel Dresden-Leuben

Erstmals wurde 2014 auch eine kommunale Verwaltung mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet – denn gerade deren Engagement ist für eine lebendige demokratische Kultur vor Ort enorm wichtig, aber leider eben auch keineswegs selbstverständlich. „Wenn kommunale Akteure nicht mitspielen, dann haben es zivilgesellschaftliche Akteure sehr schwer“, führte Moderator Bastian Wierzioch aus. Geehrt wurde das Ortsamt Dresden-Leuben, das sich seit Jahren gemeinsam mit zivilgesellschaftlich Handelnden gegen die wachsenden rechtsextremen Umtriebe im Stadtteil einsetzt. Für die Jury ist dieses Engagement für einen erfolgreichen Kampf gegen Rechts zentral: „An der Verwaltungsspitze müssen starke und überzeugende Demokraten sein, damit die Menschen, um die es bei unserer Arbeit besonders geht, in ihren Kommunen zu ihrem Recht kommen.“ Amtsleiter Jörg Lämmerhirt freute sich sichtlich über die Auszeichnung, betonte aber auch, dass der Rechtsextremismus schon lange in der bürgerlichen Mitte angekommen sei. „Dort müssen wir Flagge zeigen“, so Lämmerhirt. Er wünsche sich insgesamt noch mehr bürgerschaftliches Engagement.


Ermutigt und unterstützt

2014 wurde der Sächsische Förderpreis für Demokratie bereits zum achten Mal verliehen. Insgesamt gingen 60 Bewerbungen ein, aus denen eine prominent besetzte Jury die Hauptnominierten auswählte. Ausgelobt wurde der Preis von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung, der Stiftung Elemente der Begeisterung und der Sebastian Cobler Stiftung.
Für Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist es bis zum Idealzustand eines weltoffenen, toleranten Landes noch ein weiter Weg, aber genau deswegen sei der Förderpreis so wichtig: „Alle Ausgezeichneten sind Pflastersteine auf diesem Weg in eine gesellschaftliche Zukunft, die sich durch Menschenfreundlichkeit auszeichnet“, betonte sie. Schon eingangs hatte Dorothee Freudenberg gesagt: „Ich hoffe, wir gehen mit dem Gefühl nach Hause, dass wir wieder einen Schritt weiter gekommen sind.“ Diese Hoffnung hat sich erfüllt.

(Beitrag: Alice Lanzke)

Der Förderpreis 2013

Im sächsischen Schneeberg, aber auch in der gesamten Bundesrepublik rotten sich in diesen Tagen immer wieder Rechtsextreme zusammen, um gegen die Unterbringung von Flüchtlingen im Ort zu hetzen. Sie verbreiten nicht nur ihre rassistische Hetze, sondern bekommen auch Zuspruch von angeblich besorgten Einwohnern aus der Mitte der Gesellschaft. Diese Zustände sind in Sachsen kein Einzelfall: In Hoyerswerda engagierten sich zwei junge Leute gegen die Rechtsextremen vor Ort und wurden daraufhin von ihnen angegriffen. Statt die Betroffenen zu unterstützen, empfahl die örtliche Polizei ihnen, an einen geheimen Ort umzuziehen. Diese Ereignisse zeigen, dass unermüdliches Engagement gegen menschenverachtende Gruppierungen und solidarische Unterstützung von Betroffenen nach wie vor dringend von Nöten sind.

Um den mutigen Einsatz für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu würdigen, wurde am vergangenen Donnerstag zum siebten Mal der Sächsische Förderpreis für Demokratie an zehn Initiativen aus Sachsen verliehen. Die Preisverleihung fand in der neuen Synagoge in Dresden statt, die für sich schon auf den historisch-politischen Kontext der Veranstaltung verweist. Gedenk- und Erinnerungskultur müssen in Sachsen eng mit einer Auseinandersetzung über Antisemitismus und Rassismus verbunden bleiben, so lange diese Diskriminierungsformen gesellschaftlich wirksam sind.
„Nicht zu weichen, sondern zu stehen. Nicht zu schweigen, sondern laut zu schreien“, appellierte auch Andreas Petzold, der Herausgeber des Magazins stern, in seiner Laudatio an die geladenen Gäste und die sächsische Bevölkerung. Sein Respekt galt den zehn mutigen Initiativen, die sich in Sachsen engagieren und die an diesem Abend besonders ausgezeichnet wurden. „Mut den wir alle alle brauchen“ wie er dem Publikum gegenüber betonte.

 

Die beiden mit jeweils 5.000 Euro dotierten Hauptpreise erhielten das Soziokulturelle Zentrum Alte Brauerei e.V. aus Annaberg-Buchholz und die AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In Annaberg kommt es immer wieder zu rechten Übergriffen auf Flüchtlinge und unangepasste Menschen. Doch das Soziokulturelle Zentrum Alte Brauerei stellt sich schon seit Jahren mit einem breit angelegten Programm an Jugendbildung und kulturellen Veranstaltungen gegen die Aktivitäten der Freien Kameradschaften und Jungen Nationaldemokraten, die gerade auch in der Subkultur beispielsweise durch Rechtsrock-Konzerte versuchen, auf Jugendliche Einfluss zu nehmen.

Die AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, die sich ehrenamtlich für eine dezentrale, menschenwürdige Unterbringung und Behandlung von Flüchtlingen in der Region engagiert, erhielt den zweiten Hauptpreis. Sie ist ein Zusammenschluss aus von Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen, der mit einer Fahrradwerkstatt, Deutschkursen und Sammelaktionen für Winterkleidung Flüchtlinge unterstützt. Zu den großen Erfolgen der Initiative zählt, dass sie seit vergangenem Jahr 150 Asylsuchende dezentral in der Region unterbringen konnte.

 

Um das vielfältige und zahlreiche Engagement in Sachsen angemessen zu würdigen, erhielten weitere acht der Initiativen einen Anerkennungspreis in Höhe von 1000 Euro. Die Abschiebungshaftkontaktgruppe Dresden und die Projektstelle „Hilfe für Menschen in Abschiebungshaft“ beim Sächsischen Flüchtlingsrat erhielten den Preis für die Betreuung und Beratung, mit der sie Menschen in Abschiebehaft aus ihrer Isolation holen. Die Arbeitsgemeinschaft Jugendfreizeitstätten Sachsen e.V. wurde für ihr Projekt „Mut vor Ort – geschlechterreflektierende Präventionsarbeit gegen Neonazis“ gewürdigt, der Verein Arbeit und Leben Sachsen e.V. für ein Programm, dass interkulturelles Lernen in Kindertagesstätten unterstützt. Für ihr unermüdliches Engagement gegen die NPD und andere Rechtsextreme in ihrer Stadt, erhielt die Initiative für ein weltoffenes Geithain einen weiteren Anerkennungspreis. An der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland inszeniert das Projekttheater Zittau genreübergreifende Theaterproduktionen mit Roma, Tschechen und Deutschen. Mit ihrer Arbeit will die Gruppe auf die fortwährenden Diskriminierungen von Roma und Sinti in der Region aufmerksam machen und wurde dafür ebenfalls mit dem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Der Sächsische Flüchtlingsrat und das Kulturbüro Sachsen haben sich mit der Organisation der Initiativenkonferenz „Asyl in Sachsen“ um den Anerkennungspreis verdient gemacht, mit der sie zur solidarischen Stärkung und weitreichenden Vernetzung von Flüchtlingsgruppen beigetragen haben. Ebenso wie das Grass Lifting Camp, das in Zwickau mit künstlerischen Aktionen verhindert, dass Gras über die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds wächst, und das Schülerbegegnungsprojekt Auschwitz des Beruflichen Schulzentrums Wurzen, das mit Jugendlichen aus Polen, Israel und Deutschland gegen Vorurteile arbeitet.

 

In diesem Jahr wurde der Sächsische Förderpreis für Demokratie bereits zum siebten Mal verliehen. Insgesamt gingen 54 Bewerbungen ein, aus denen eine prominent besetzte Jury die zehn Hauptnominierten auswählte. Ausgelobt wird der Sächsische Förderpreis für Demokratie von der Amadeu Antonio Stiftung, der Freudenberg Stiftung und der Sebastian Cobler Stiftung. Neuer Kooperationspartner in diesem Jahr war die Stiftung Elemente der Begeisterung, eine Stiftung, die 2008 von Studierenden gegründet wurde und sich besonders für die Förderung jugendlichen Engagements und interkultureller Verständigung einsetzt. Der Sächsische Förderpreis für Demokratie entstand aus der Beobachtung heraus, dass Neonazis seit Jahren versuchen, ihre Kräfte in Sachsen zu bündeln und ein zunehmend antidemokratisches Klima zu schaffen. Mittlerweile haben sich zum Teil rechtsextreme Strukturen etabliert, die es immer mühsamer machen, sich für die Werte der Demokratie, Weltoffenheit und die Anerkennung der Menschenrechte einzusetzen. Doch die Gesellschaft reagiert: In Sachsen gibt es zahlreiche Initiativen, die bereits fachlich fundierte Erfahrungen im Umgang mit Rechtsextremismus besitzen. Sie sollen mit dem Förderpreis ermutigt und unterstützt werden.

In diesem Sinne forderte auch der Moderator der Preisverleihung Bastian Wierzioch in seinem Schlusswort das Publikum auf: „Bleiben Sie mutig!“.

(Beitrag: Zoé Sona)

Ermutigung zum Engagement - Der Förderpreis 2012

Nach der Selbstenttarnung dreier Neonazis, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, bezeichneten, rückte der Freistaat Sachsen in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Schnell bestimmte die „Zwickauer Zelle“ die Berichterstattung. Wie war es möglich, dass Zschäpe, Mundlos und Böhnhard jahrelang in der Kleinstadt im Südwesten Sachsens leben konnten, ohne dass irgendjemand etwas bemerkte? Im Freistaat spricht man nicht gern von der „Zwickauer Zelle“, schließlich sei das Trio doch aus Thüringen gekommen. Die Reaktion ist nachvollziehbar, und dennoch erscheint die Diskussion, ob nun „Zwickauer Zelle“ oder „Thüringer Trio“ der geeignetere Begriff für die rechtsextremen Mörder sei, nebensächlich. In manchen Regionen Sachsens konnte sich über Jahre hinweg eine rechtsextreme Alltagskultur etablieren – vollkommen unabhängig vom Terror des selbsternannten NSU.
Seit 2004 ist die NPD im Landtag vertreten, die Neonazis zogen damals mit einem Rekordergebnis von 9,2% in das Landesparlament in Dresden ein. In einigen Gemeinden machten mehr als 20% ihr Kreuzchen bei den Rechten. Bei den Wahlen 2009 wurden deutlich weniger Wählerstimmen erreicht, dennoch ist die NPD weiterhin mit acht Sitzen im Parlament vertreten. Die NPD ist jedoch nicht die einzige Gefahr von rechts. Freie Kameradschaften, „Autonome Nationalisten“ und lose organisierte Jugend-Gangs verbreiten rechtsextreme Hetze auch ohne Parteibuch. Die Neonazis schüchtern Andersdenkende ein, bedrohen Migrantinnen und Migranten oder grölen ihre Parolen auf Volksfesten. Und sie schlagen zu – immer wieder. Sie prügeln, schmeißen Steine und Flaschen, zerstören Schaufenster von Wahlkreisbüros demokratischer Parteien oder die Autos ihrer „politischen Feinde“. Sie arbeiten daran, ein Klima der Angst zu schaffen, für alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen.

Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die den Neonazis nicht das Feld überlassen. Die hinsehen, aufstehen und einschreiten. Menschen, die sich für die Stärkung der Demokratie einsetzen und vor Ort gegen Rassismus und Antisemitismus engagieren. Die sich nicht einschüchtern lassen und für ein gewaltfreies, weltoffenes Miteinander eintreten. Diese Menschen verdienen höchsten Respekt. Mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie soll diese Anerkennung erwiesen werden. Der Preis soll diejenigen auszeichnen, die mit gutem Beispiel vorangehen und alle ermutigen, eine gewaltfreie und demokratische Zukunft mitzugestalten.

2012 ging der Preis an das Bündnis „Nazifrei! Dresden stellt sich quer“, das jedes Jahr im Februar gegen den Aufmarsch von Neonazis in Dresden vielfältige Gegenproteste organisiert, und den Initiativkreis „Menschen.Würdig“, der sich für die menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen in Leipzig einsetzt und gegen den alltäglichen Rassismus kämpft. Sie stehen stellvertretend für 56 Initiativen, die sich mit ihrem Engagement um den Preis beworben hatten.

 

Zu den weiteren von der Jury - Dr. Dorothee Freudenberg, Anetta Kahane, Arno Köster, Sebastian Krumbiegel, Rupert von Plottnitz, Anna-Laura Seidel, Carsten Thurau, Wolfgang Tiefensee, Bastian Wierzioch, Prof. Dr. Andreas Zick - Nominierten gehörten:

• Initiative „Bunter Schall als Widerhall“ aus Vierkirchen
• Bürgerbündnis „Bunter Brühl“ aus Chemnitz
• „ColoRadio“, das Freie Radio in Sachsen
• Fan-Projekt Dresden
• Kulturfabrik Hoyerswerda und die RAA Ostsachsen / Hoyerswerda e.V. mit dem Projekt „Mitwisser gesucht!“
• Netzwerk für Demokratische Kultur Wurzen mit dem Projekt „Jugend wird aktiv“
• Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna
• WIR – Gemeinsam in Zwickau, eine Migrantenselbstorganisation

 

Bundestagsvizepräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse würdigte in seiner Laudatio alle nominierten Initiativen für ihr mutiges Engagement in Regionen, in denen rechtsextreme Bedrohungen und Einschüchterungen leider keine Seltenheit sind. Die Preisverleihung fand am Freitag, den 9. November im Festsaal des Kurländer Palais in Dresden statt.
 

 

 

Der Förderpreis 2011

Am 9. November wurde im Deutschen Hygiene-Museum Dresden zum 5. Mal der mit insgesamt 18.000 Euro dotierte Sächsische Förderpreis für Demokratie verliehen. Vor über 200 Gästen wurden „Augen auf e.V.“ und das „Bunte Bürgerforum für Demokratie Limbach-Oberfrohna“ mit den beiden Hauptpreisen in Höhe von je 5.000 Euro ausgezeichnet.
Dieses Jahr war alles anders. Ohne sächsische Staatsregierung und an einem neuen Schauplatz – dem Deutschen Hygiene-Museum – wurde, mit den Worten von Moderatorin Dr. Petra Lidschreiber, „der Oscar unter den zivilgesellschaftlichen Preisen“ verliehen. Die Vorkommnisse des letzten Jahres – der Verein Akubiz aus Pirna hatte die Annahme des Preises aus Protest gegen die Extremismusklausel verweigert – wirkten noch spürbar nach an diesem geschichtsträchtigen Datum.

Beeindruckendes Engagement gegen Rechtsextremismus
Bemerkenswert sei es, dass die Initiativen und die Stiftungen keine Beugung vor der Extremismusklausel gemacht haben, betonte Prof. Dr. Andreas Zick von der Universität Bielefeld gleich zu Beginn seiner Laudatio. Gleichzeitig appellierte er an die sächsischen Landesregierung: „Die Entscheidung kann nicht in Stein gemeißelt sein“.
In Anlehnung an Willy Brands legendäre Regierungserklärung „Mehr Demokratie wagen“ von 1969 regte er zudem an, dass das Credo 42 Jahre später lautet sollte, „mehr auf die Demokratie zu vertrauen“. In seiner Rede, die unter dem Motto „Die Erde ist gewaltig schön, doch sicher ist sie nicht“ stand, würdigte Zick insbesondere das vielfältige und nonkonformistische Engagement der sächsischen Initiativen für Demokratie: „Menschen in Sachsen haben wie auch anderswo in Europa mehr Vorurteile, wenn sie Regelkonformität gepaart mit Law & Order-Wünschen, Rufen nach einem starken Staat und Traditionalismus pflegen. Die nominierten Initiativen setzen dagegen vorbildlich auf eine positive Einstellung zur Vielfalt der Meinungen und Kulturen, die vor abwertenden Vorurteilen schützt und eine positive Haltung zu demokratischer Beteiligung ermöglicht.“

Ausgezeichnete Initiativen
Gewinner waren sie alle. Doch zwei der zehn nominierten Initiativen durften sich an diesem Abend ganz besonders freuen: „Augen auf e.V.“ und das „Bunte Bürgerforum für Demokratie Limbach-Oberfrohna“.

„Die Freude ist groß. Der Preis ist eine gute Referenz und zeigt, dass unsere Projekte sachsenweit Anerkennung finden und wir auf dem richtigen Weg sind“, erklärte Sven Kaseler von Augen auf e.V. im Anschluss an die Preisverleihung. Die Wahl des Oberlausitzer Vereins begründete die Jury mit der langjährigen und vielfältigen Arbeit im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien: „Der Verein organisiert seit 2003 ein äußerst breites Angebot an interkulturellen und länderübergreifenden Veranstaltungen in der Region Oberlausitz/Neiße, wobei Aktionen und Veranstaltungen für Demokratie und gegen Rassismus sowie Rechtsextremismus im Vordergrund stehen. Wichtigste Zielgruppe sind wegen der hohen Abwanderungsrate in erster Linie die in der Region verbliebenen jungen Menschen. Diese animiert „Augen auf e.V.“ zu mehr gesellschaftlicher Partizipation und bietet ihnen interkulturelle Aktivitäten an, um sie auf diese Weise gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu stärken.“ Auch die Extremismusklausel konnte die Feierlaune von Sven Kaseler und seinen Mitstreitern zu später Stunde nicht verderben. Wenngleich Kaseler unmissverständlich klar stellte: „Die Klausel braucht’s nicht. Demokratie braucht Vertrauen“. 
Nein, gerechnet habe er nicht wirklich mit der Auszeichnung für „seine“ Initiative – dem Bunten Bürgerforum für Demokratie Limbach-Oberfrohna, betonte Christoph Lordieck. Sie sei „Mutmacher und Ansporn für die künftige Arbeit der Initiative“. Mit Blick auf die umstrittene Extremismusklausel meinte er: „Wir haben gemerkt, dass die sächsische Wetterlage auch in Limbach-Oberfrohna Widerhall gefunden hat“. Im Unterschied zu Vereinen aus der Region sei die Arbeit des Bürgerforums jedoch von der Klausel kaum betroffen. Die Jury begründete die Preisverleihung mit dem vorbildlichen Engagement in einer Region, die durch eine starke und außerordentlich gewaltbereite rechtsextreme Szene geprägt ist. „Erklärtes Ziel des Bürgerforums ist es, eine bunte und engagierte Bürgergesellschaft zu fördern, die ihre demokratischen Rechte und Pflichten wahrnimmt und auf diese Weise den örtlichen Jugendlichen als Vorbild dient. Neben der Netzwerkarbeit konzentriert sich die Initiative darauf, die Bürgerschaft und örtliche Verantwortungsträger über die Gefahren des Rechtsextremismus aufzuklären.“

 

Die weiteren acht nominierten Projekte waren:
AG Asylsuchende Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
• AG Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus, Dresden
• Bündnis für Demokratie und Toleranz der Zwickauer Region
• chronik.LE, Leipzig
• Firma Klausels, Löbau
• Initiative "Bunter Schall als Widerhall", Vierkirchen
• RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V.
• Sprungbrett e.V. und der InitiatorInnenkreis des Riesaer Appells

 

Abschließend lobte Rupert von Plottnitz von der Sebastian Cobler Stiftung noch einmal das zivilgesellschaftliche Engagement in Sachsen: „Die Sache der Demokratie ist bei allen Initiativen viel besser aufgehoben als bei irgendwelchen Regierungen“.

Der Preisverleihung vorangegangen war eine Podiumsdiskussion zum Thema „Der Staat und die Zivilgesellschaft“. Den Input hielt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, welche die historische Bedeutung des 9. Novembers als Tag der Reichspogromnacht noch einmal hervorhob. Hierbei ging sie besonders auf die Bedeutung einer demokratischen Zivilgesellschaft ein. In der Diskussion wurde daraufhin sachlich und lebhaft auf das Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft eingegangen und ausführlich über die sächsische und die Bundesextremismusklausel gesprochen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich in diesem Kontext darüber einig, dass die Extremismusklausel ein Misstrauensakt des Staates gegenüber den Bürgerinitiativen ist. Denn diese erschwert die Arbeit der Stiftungen vor Ort, die meistens die einzigen sind, die sich in strukturschwachen ländlichen Regionen für eine demokratische Kultur einsetzen.
(Beitrag: Moritz Huber)

Von 2007 bis 2010 wurde der Sächsische Förderpreis durch die Stiftung Frauenkirche Dresden, die Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, die Freudenberg Stiftung und die Amadeu Antonio Stiftung verliehen.

Die Preisträger 2010

Bürger.Courage e.V.
„Wir träumen davon, dass sich Bürger.Courage auflöst, weil Engagement und ‚Gesichtzeigen’ für Demokratie und gegen Rechts zu Dresdner Selbstverständlichkeiten geworden sind.“ Diese Vision, nachzulesen auf der Internetseite des Vereins Bürger.Courage e.V., ist es, die seine Mitglieder und Macher immer wieder antreibt und in ihrem Engagement nicht müde werden lässt. Mit bewusst niederschwellig angesetzten, kreativen und vor allem öffentlichkeitswirksamen Aktionen sollen die Dresdner Bürger immer wieder aufgerüttelt, erinnert und zum Nachdenken angeregt werden.

Alltagsrassismus, Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und antidemokratisches Gedankengut sind die inhaltlichen Schwerpunkte, mit denen sich der Verein aktiv und kreativ auseinandersetzt.

Seit fünf Jahren arbeitet Bürger.Courage völlig ehrenamtlich als überparteiliche Bürgerinitiative für Demokratie. Ziel ist es, vor allem auch die „bürgerliche Mitte“ zu sensibilisieren und zu mobilisieren, erklärt Christian Demuth, Vorsitzender des Vereins. Auf der Suche nach neuen Partnern, interessierten Einzelpersonen, städtischen Akteuren oder Unternehmen erhielt der Verein viele positive Reaktionen, aber mitunter auch erschreckende Antworten, weiß Demuth zu berichten: „Auf eine Anfrage an ein großes Dresdner Unternehmen, ob es an einer Aktion für Demokratie teilnehmen wolle, erhielten wir eine Absage. Die Gründe lauteten damals: Erstens sei eine solche Aktion für Demokratie parteilich, das Unternehmen jedoch eine neutrale Institution. Und zweitens dürfe man nicht mitwirken, weil man sonst Andersdenkende diskriminiere und provoziere.“

Mittlerweile kann der Verein jedoch auf eine lange Liste erfolgreich umgesetzter Projekte im öffentlichen Raum zurückblicken. Die dabei sichtbar gewordene Professionalität, hat Bürger.Courage e.V. und seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern nicht nur einen guten Ruf beschert, sondern schafft auch neue Zugänge und Verbindungen. So konnten sowohl die Dresdner Verkehrsbetriebe als auch Dynamo Dresden vom Ansatz und den Ideen des Bürger.Courage e.V. überzeugt und als Kooperationspartner gewonnen werden.

Dennoch bleibt die eigene Auflösung vorerst eine Vision. Das zeigt auch das aktuelle Projekt der „18 Stiche“, welches aufsehenerregend ein Jahr nach dem rassistischen Mord an Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 im Landgericht Dresden startete. 18 stilisierte Betonmesser wurden über das Dresdner Stadtgebiet verteilt – eins für jeden Messerstich, den Marwa El-Sherbini hatte erleiden müssen. Die Betonmesser sollten aber nicht nur an den grausamen Mord erinnern, sondern auch an den oft kaum wahrnehmbaren und doch unerträglichen Alltagsrassismus. Stellvertretend für die kleinen und großen „Stiche“, die zahlreiche Menschen in unserer Gesellschaft aufgrund ihrer vermeintlichen Andersartigkeit Tag für Tag erleiden müssen, ragten die Betonmesser aus dem Dresdner Boden. Die ständigen Verletzungen, die diese Mitbürgerinnen und Mitbürger erleiden müssen, wurden auf diese Weise nicht nur sichtbar, sondern auch zum Gesprächsthema – weit über die Grenzen Dresdens hinaus.

(aus der Laudatio von Dr. Michael Wilhelm, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium des Innen)


AKuBiZ e.V.
(Der Preis wurde abgelehnt, da die Annahme zu einer Unterschrift unter die Extremismusklausel verpflichtete)

Pirna – das Tor zur Sächsischen Schweiz. Hier wurde im Herbst 2001 das Alternative Kultur- und Bildungszentrum, oder kurz: AKuBiZ, gegründet – ein Verein, der es sich zum Ziel gemacht hat, sich aktiv mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus auseinanderzusetzen. „Etwa zwanzig junge Menschen wollten damals helfen eine demokratische Kulturarbeit zu leisten und so rechte Alltagskultur und den anhaltenden Naziterror zurückzudrängen“, so Steffen Richter, der Vorsitzende des Vereins. Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit stellt seitdem das zentrale Element der Vereinsaktivitäten dar, die auf vielfältige Weise umgesetzt wird – etwa durch Zeitzeugengespräche, Vorträge, den „Antirassistischen Fußball-Cup“ oder auch durch den überaus erfolgreichen Comic „Jetzt reicht’s in Sachsnitz“, der junge Menschen schon früh auf rechtsextreme Bedrohungen aufmerksam macht. Auch die Ausstellung über rechtsextreme Kultur, Ideologien und Strukturen, „Rechts rockt Sachsen“ erwies sich als außerordentlich wirksam, war sie doch in den vergangenen vier Jahren an über 30 Orten, zumeist Schulen und Jugendklubs, zu sehen, wo sie viele Menschen erreichte. „Uns ist es wichtig Inhalte zu transportieren und als Partner für Analysen oder Diskussionen wahrgenommen zu werden“, erklärt Richter. „Und die vielen Anfragen zeigen die Wichtigkeit dieser Ausstellung, die in ihrer Art einmalig in Sachsen ist.“

Doch was bedeutet es eigentlich in der Sächsischen Schweiz gegen Rechtsextremismus aktiv zu werden? Ein kurzer Rückblick in das Jahr 2001, als das AKuBiZ gegründet wurde, genügt, um beispielhaft die Problematik zu verdeutlichen: Damals wurde die neonazistische Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS) vom sächsischen Innenministerium verboten, nachdem Hausdurchsuchungen bei Mitgliedern der SSS neben Propagandamaterial auch Waffen, Munition und Sprengstoff zu Tage gefördert hatten. In der Verbotsbegründung hieß es unter anderem, dass die Kameradschaft Straftaten zur Umsetzung ihrer politischen Ziele ausgeführt und Informationen über politisch Andersdenkende gesammelt und zu deren Verfolgung aufgerufen habe.

Auch das AKuBiZ und seine ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder haben in den knapp zehn Jahren des Bestehens schon häufig Erfahrungen mit Übergriffen machen müssen, so wurde etwa in diesem Frühjahr das Auto des ehemaligen Vereinsvorsitzenden abgebrannt. Für Menschen, die sich aktiv für Demokratie und Gleichwertigkeit einsetzen, ist die Sächsische Schweiz nach wie vor eine gefährliche Region. Und doch stellt Richter zusammenfassend fest: „Wir werden uns nicht einschüchtern lassen und weiter für humanistische Werte streiten. Für uns sind die Reaktionen der Neonazis ein Zeichen, dass wir mit der Arbeit genau in die richtige Richtung gehen.“ – Solche Menschen gilt es mit dem Sächsischen Förderpreis zu würdigen und zu unterstützen!

(aus der Laudatio von Dr. Pia Gerber, Geschäftsführerin der Freudenberg Stiftung)

Die Preisträger 2009

Medinetz Dresden e.V. (Dresden)

In Deutschland leben schätzungsweise eine halbe bis eine Million illegal eingewanderte Menschen, die hier über keinerlei Rechte verfügen, sich verstecken und aus Angst vor Entdeckung auch mit schmerzhaften Krankheiten nicht zum Arzt gehen. Laut Initiative handelt es sich dabei häufig um Krankheiten, die gut behandelt werden könnten.
Das "Medinetz Dresden" ist ein Netzwerk aus Medizinstudenten, jungen Ärzten, Psychologen und Hebammen, die illegale Einwanderer unentgeltlich behandeln und nicht an die Behörden melden. Die Mitarbeiter des Vereins machen mit Flyern und Mundpropaganda auf ihre Hilfeleistung aufmerksam und begleiten Patienten mit Sprachproblemen bzw. organisieren einen Dolmetscher. Für anfallende Material- oder Laborkosten, die ein selbstständiger Arzt nicht aus seinem Budget bezahlen kann, kommt der Verein auf. Es bestehen Kontakte mit Krankenhäusern in kirchlicher Trägerschaft, um zu diskutieren, wie "illegale" Patienten bei ihnen Operationen durchführen oder Geburten betreuen lassen können. Behandlungen dieser Art sind sehr kostenintensiv, daher wird derzeit mit den Krankenhäusern eine Pauschale vereinbart. Finanziert wird die Arbeit des Vereins durch Spendengelder und Erlöse aus eigenen Benefizveranstaltungen. Weitere Fördermittel sind dringend notwendig, um eine bessere Behandlung der Patienten und generell einen größeren Handlungsspielraum zu gewährleisten. Um die breite Öffentlichkeit für die schwierige Situation der "Illegalen" zu sensibilisieren, möchte der Verein im Sommer 2010 die Plakatausstellung "kein mensch ist illegal" in Dresden zeigen, inklusive eines Begleitprogramms mit Vorträgen von Organisationen wie z.B. Amnesty International, IPPNW oder Medico International.

Foto: Mitglieder des Vereins "Medinetz Dresden" nehmen in der Unterkirche der Dresdner Frauenkirche ihre Auszeichnung entgegen.

 
 

Roter Stern Leipzig ’99 e.V. (RSL) (Leipzig)
Fußballstadien und -plätze sind Sozialräume, in denen es oft zu Diskriminierungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Diese können rassistischer, sexistischer, homophober, antisemitischer oder anderer Art sein und richten sich gegen Spieler, Trainer, Funktionäre oder Zuschauer.
Der Fußballverein "Roter Stern Leipzig" betrachtet seine soziale und gesellschaftliche Aufgabe darin, Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexuellen Präferenzen (wie andernorts häufig anzutreffen) im Fußballsport zu unterbinden. Dies geschieht im sportlichen Bereich auf unterschiedliche Weise: Spielerinnen und Spieler treffen sich zum gemeinsamen Training, der Verein nimmt an der jährlichen Mondiali Antirazzisti (internationales antirassistisches Fußballturnier) teil, im Training werden die Prinzipien des Vereins (gewaltfreie Konfliktlösung, Erlernen demokratischer Grundwerte, Integration von Spielern mit Migrationshintergrund) übertragen und umgesetzt. Die vom Verein gegründete "Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball" sensibilisiert andere Vereine und den Fußballbund der Stadt Leipzig im Hinblick auf die Themen Integration und Diskriminierung. Der Verein sieht sich jedoch nicht nur als reinen Sportverein, was der Slogan "More than Soccer" zum Ausdruck bringt, sondern engagiert sich auch auf kultureller Ebene: Im ehrenamtlich geführten Fanprojekt werden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Diskussionen und Lesungen veranstaltet.
("Prinzen"-Sänger Sebastian Krumbiegel über den Roten Stern Leipzig)

Foto: Christian Petry (Freudenberg Stiftung) und Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung) mit Mitgliedern des Vereins "Roter Stern Leipzig e.V."
 
 

Hillersche Villa – Soziokultur im Dreiländereck e.V. (Zittau)
Aus einer Oberlausitzer Widerstandsbewegung gegen die SED-Diktatur Ende der 80er Jahre entstanden 1991 das "Multikulturelle Zentrum" in Zittau und das "Begegnungszentrum im Dreieck" in Großhennersdorf. Mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber als enge Partner, haben sich die beiden soziokulturellen Vereine der Mitgestaltung der Kultur-, Bildungs- und Soziallandschaft in der Grenzregion zu Polen und Tschechien verschrieben und zu einer Stärkung der Demokratie beigetragen. 2009 sind die beiden Vereine "fusioniert" und arbeiten unter dem Dach der "Hillerschen Villa".
Die "Hillersche Villa" sieht sich als "gemeinnütziges, mitgliedschaftlich organisiertes Unternehmen, das sich für ein demokratisches, solidarisches und kreatives Miteinander im Dreiländereck einsetzt". Abgesehen von zahlreichen Workshop- und Veranstaltungsangeboten (z.B. Musik, Filme, Literatur) beherbergt die Villa zum Beispiel eine theaterpädagogische Werkstatt, in der Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren die Möglichkeit erhalten, Themen und Situationen aus dem eigenen Lebensumfeld über die Methode des Improvisationstheaters zu bearbeiten und künstlerisch zu gestalten. Ein weiteres interessantes Projekt ist "Lanterna Futuri", ein interkulturelles Begegnungs- und Bildungsprojekt für Schüler und Lehrkräfte im Dreiländereck. Gemeinsam mit zwei soziokulturellen Vereinen aus Polen und Tschechien und in enger Zusammenarbeit mit zwölf Schulen werden in künstlerischen Workshops neue Lernformen zur Förderung von interkulturellen Kompetenzen, Eigenverantwortung, Kreativität und Teamarbeit entwickelt. In der "Geschichtswerkstatt" wird an die jüdische Kultur und Geschichte in Zittau erinnert und ein Generationen übergreifender Dialog zum Thema gefördert. Die Umsetzung erfolgt durch die Verlegung von Stolpersteinen, die Betreuung des Jüdischen Friedhofs und zahlreiche Kinder- und Jugendprojekte, Lehrerfortbildungen sowie Stadt- und Friedhofsführungen. Dies ist nur eine kleine Auswahl an Projekten der Hillerschen Villa, deren Aktivitäten hier nicht in Gänze aufgezählt werden können.

Foto: Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich gratuliert der "Hillerschen Villa" aus Zittau zum Sonderpreis.

Für den Sächsischen Förderpreis waren außerdem nominiert:
• "AG Kirche gegen Rechtsextremismus", ein Projekt der Evangelischen Erwachsenenbildung Sachsen (Dresden)
• Bürgerinitiative "Demokratie anstiften" (Reinhardtsdorf-Schöna / Kleingießhübel)
• "Deutsch-polnisches Schülerbegegnungsprojekt Auschwitz", ein Projekt des Beruflichen Schulzentrums Wurzen (Wurzen)
• Oberlausitz – neue Heimat e.V. (Löbau)
• "Peer Leadership – Training für interkulturelle Kompetenz und Demokratie", ein Projekt des RAA Sachsen e.V. (Dresden)
• Schülerinitiative gegen die NPD und andere Nazis (Dresden)
• "Soziokulturelles Zentrum in Mügeln", ein Projekt des Vive le Courage e.V. (Mügeln)

Fotos: Oliver Killig, MOMENT PHOTO

Die Preisträger 2008

Zwei Vereine aus Leipzig und Döbeln haben am 9. November 2008 den Sächsischen Förderpreis für Demokratie gewonnen. Die beiden Preise sind mit jeweils 15.000 Euro dotiert und belohnen herausragendes Engagement gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus in Sachsen.

 

„Grünau bleibt bunt“ - ein Projekt des Bunte Platte e.V. (Leipzig)

Marcus Freimann könnte mit seinen extrem kurzen Haaren auch als ein Sympathisant der rechten Szene durchgehen. Wer sich aber mit ihm unterhält, merkt schnell, auf welcher Seite der junge Mann steht: Ihm stinkt gewaltig, dass es in seinem Stadtteil zu viele Neonazis gibt. Schon seit einigen Jahren versuchen Rechtsextreme in Leipzig-Grünau, all diejenigen einzuschüchtern, die keinen braunen Stadtteil wollen, sondern einen bunten.

Der 23-Jährige Freimann ist Vorsitzender des Vereins „Bunte Platte“. Der Vereinsname gibt bereits Aufschluss über den Stadtteil, in dem eine Handvoll junger Leute vor fast zehn Jahren anfing, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie den Neonazis am besten Paroli bieten könnten. In Grünau reiht sich ein DDR-Plattenbau an den anderen, alles ist hier grau in grau. Damit aus dem Grau nicht bald Braun wird, möchten die gut 20 jungen Leute, die sich aktiv bei der „Bunten Platte“ engagieren, einen Treffpunkt im Stadtteil etablieren, der für alle Jugendlichen da ist, die sich nicht den Rechten anschließen wollen. „Entscheidend ist, dass wir einen festen Anlaufpunkt einrichten können, wo wir unsere Ideen umsetzen und Gleichgesinnte dafür begeistern können, sich gemeinsam mit uns für demokratische Werte einzusetzen“, erzählt Freimann.

„Grünau leidet seit der Wende an einem großen Bevölkerungsverlust“, berichtet Thomas Fabian, Leipziger Bürgermeister für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule. „Insbesondere seit Mitte der Neunziger häufen sich im Stadtteil die Probleme mit rechtsextremen Jugendlichen.“ Da sei es umso wichtiger, dass sich Menschen finden, die sich aktiv gegen diese Entwicklung stellen und neue Angebote schaffen, damit die demokratisch orientierten Jugendlichen in Grünau nicht resignieren und wegziehen, sondern bleiben. Das betont auch Marcus Freimann: „Noch wohnen hier junge Leute, die etwas verändern wollen, aber ich sage ganz bewusst: noch!“ Denn wenn diejenigen kapitulieren, die keine Neonazis in Grünau wollen, wer stellt sich dem braunen Mainstream dann noch entgegen? Mit dem Preisgeld des Sächsischen Förderpreises für Demokratie sind die Jugendlichen ihrem lang ersehnten Ziel ganz nah gekommen. Jetzt können sie die Räume anmieten und renovieren, die sie für ihren geplanten Treffpunkt so dringend benötigen. Die Stadt Leipzig hatte dem Verein zwar ein Domizil zur Verfügung gestellt, doch die Jugendlichen konnten bislang weder die Kosten für die dringend notwendigen Renovierungsarbeiten noch die Miete aufbringen.

Die Entscheidung, wer aus den vielen Bewerbern schließlich den Hauptpreis erhalten solle, sei den Jurymitgliedern nicht leicht gefallen, betonte Sebastian Krumbiegel. Der Sänger der Leipziger „Prinzen“ engagiert sich seit vielen Jahren für Demokratie und hat sich 2008 erstmals an der Jury für den Sächsischen Förderpreis beteiligt: „Mir war wichtig, dass Projekte mit dringendem Finanzierungsbedarf unterstützt werden, und zwar dort, wo es wirklich brennt, wo eine Region oder ein Stadtteil auf der Kippe steht“. Die jungen Leute aus Leipzig-Grünau werden einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich Hass und Gewalt in ihrem Stadtteil nicht weiter ausbreiten, sondern dass ein lebenswerter, bunter und toleranter Stadtteil entsteht. Marcus Freimann schmiedet bereits Pläne für eine Eventreihe zum Thema jugendliche Subkulturen: „Wir wollen Experten einladen, die gemeinsam mit uns darüber diskutieren, wie Neonazis die Subkulturen unterwandern und für ihre Zwecke zu instrumentalieren – und was wir konkret dagegen tun können“.

(Beitrag: Jan Schwab)

Marcel, Scarlett, Marcus und Patrick vom Verein "Bunte Platte" während der Preisverleihung in der Dresdner Frauenkirche, mit Vertreterinnen der Freudenberg Stiftung und der Amadeu Antonio Stiftung. (Foto: F. Kopetzky)

 
„Jugendbüro Diversity“ - ein Projekt des Soziokulturellen Vereins „Treibhaus e.V.“ (Döbeln)

Der „Treibhaus e.V.“ stellt mit seiner Arbeit seit 1997 eine Alternative zu den rechtsextremen Aktivitäten im Landkreis Döbeln dar. In den 1990er Jahren hat sich hier eine rechte Jugend- und Alltagskultur entwickelt; regelmäßig kommt es zu rechtsextremen Übergriffen auf alternative Jugendliche und Migranten. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das kulturelle Angebot in der Region zu bereichern und soziokulturelle Arbeit insbesondere für alternative Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund zu leisten, um rassistischen und extremistischen Einstellungen frühzeitig vorzubeugen. Zentrales Anliegen ist es, die politische Bildungsarbeit aktiv zu fördern, wobei die Arbeit auf einem demokratischen Grundverständnis beruht. Zentraler Treffpunkt ist das „Café Courage“, in dem regelmäßig Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Filmabende und Workshops stattfinden.

Mit dem „Jugendbüro Diversity“ soll ein Ort geschaffen werden, der sich als Ergänzung bestehender Beratungsangebote versteht. Entstehen wird ein Treffpunkt, der frei von Diskriminierung jeglicher Art ist und in dem die Verschiedenartigkeit junger Menschen als Bereicherung gilt. In der Region Döbeln existieren nur sehr wenige Einrichtungen, zu denen Migranten und asylsuchende Flüchtlinge einen Zugang finden. Dieser Treffpunkt richtet sich gezielt an alle jungen Menschen, mit und ohne Migrationshintergrund. Im Jugendbüro sollen Besucher und Vereinsmitglieder bei der Antirassismusarbeit, der demokratischen Bildungsarbeit und Projekten gegen Rechtsextremismus zukünftig stärker in die Planung der einzelnen Vorhaben einbezogen werden. Das geplante Angebot beinhaltet eine individuelle soziale Beratung und Begleitung von Jugendlichen und Flüchtlingen, den Aufbau einer Jugendbibliothek und einer „Computerlounge“ sowie die Organisation der interkulturellen Woche „Prisma“. Eine noch fehlende Kofinanzierung gefährdet derzeit das gesamte Projekt.

Den Sonderpreis des sächsischen Ministerpräsidenten erhielten:

Aktion Zivilcourage e. V. (Pirna)
Die Aktion Zivilcourage ist ein Verein junger engagierter Menschen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz. Das Ziel der Initiative ist es, besonders (aber nicht ausschließlich) Jugendliche für bürgergesellschaftliches Engagement zu begeistern, um neue Perspektiven zu eröffnen und Abwanderung aus der Region zu verhindern. Durch unterschiedlichste Aktivitäten soll die Demokratie gestärkt werden, damit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt keine Chance mehr haben.

Das Problem: Der Landkreis Sächsische Schweiz hat sich in den letzten Jahren zu einer Schwerpunktregion der rechtsextremen Szene innerhalb Sachsens entwickelt. Der Stimmenanteil für die NPD ist gerade unter Jungwählern sehr hoch. Zwar wurde 2001 die gewaltbereite Gruppierung „Skinheads Sächsische Schweiz“ verboten, doch viele Sympathisanten sind weiterhin in rechtsextremen Kameradschaften aktiv. Alltagsrassismus und gewalttätige Übergriffe gegen Migranten und Andersdenkende sind immer noch an der Tagesordnung.
Das Handlungskonzept der 1999 gegründeten Aktion Zivilcourage ist vielfältig und bunt: Der Verein organisiert beispielsweise Infoveranstaltungen über Rechtsextremismus, Diskussionen und Workshops für Schüler oder Jugendbegegnungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten und unterstützen Betroffene rassistischer Gewalt und machen mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf Rassismus und Diskriminierung aufmerksam. Einen Höhepunkt stellt der jährlich stattfindende „Markt der Kulturen“ dar, eine gemeinsame Veranstaltung mit der Stadt Pirna und zahlreichen anderen Partnern. Die Aktion Zivilcourage ist aktiver Mitarbeiter in zahlreichen Gremien, Verbänden und Netzwerken der Region. 2008 sollen in erster Linie die Aufklärungs- und Informationsveranstaltungen weiterentwickelt werden.

AG Markt der Kulturen (Pirna)
Aus einer Gegenveranstaltung zu einer geplanten rechtsextremen Demonstration 2002 in Pirna entstand die Idee für ein interkulturelles Fest auf dem Marktplatz. Ziel ist es, ein Zeichen für Demokratie und Toleranz und gegen Rechtsextremismus und Rassismus in der Region Sächsische Schweiz zu setzen. Einen Tag lang wird auf zwei Bühnen ein interkulturelles Programm präsentiert. Dazu gehören Konzerte, Lesungen, Tanzdarbietungen und Theateraufführungen, es gibt Ausstellungen, Diskussionen, Stände mit Kunsthandwerk oder internationalen kulinarischen Spezialitäten. Zudem stellen Kultur- und Antirassismusinitiativen, Schulen, Organisationen von und für Migranten, Vereine und demokratische Parteien ihre Arbeit vor.

Der Grundgedanke des Marktes ist es, die Vorurteile und Ängste auf beiden Seiten – der deutschen Mehrheitsgesellschaft wie der in Pirna lebenden Migranten – abzubauen und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Der „Markt der Kulturen“ wird durch Themenabende, Kunstausstellungen und Diskussionsrunden in den Tagen vor der Veranstaltung ergänzt. Die 2003 erstmals stattfindende Veranstaltung hat sich inzwischen als ein Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt etabliert: 2008 zählte der Markt mehr als 10.000 Besucher.

Für den sächsischen Förderpreis für Demokratie 2008 waren außerdem nominiert:
- BrennPunkt e. V. (Brand-Erbisdorf)
- Gerede e. V. (Dresden), Projekt „Respekt beginnt im Kopf!“
- HATiKVA – Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e. V. (Dresden) mit dem Projekt „Bildung und Begegnung statt Vorurteile und Abgrenzung“
- Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau e. V. (Torgau)
- Landesjugendpfarramt Sachsen (Dresden), Projekt „Demokratie lernen – Aufklärung gegen rechte Strategien“
- Objektiv e. V. – Verein für medienpädagogische Projektarbeit (Dresden) mit dem Projekt „Medien für Demokratie und Toleranz – gegen Ausgrenzung und Gewalt“
- Soziokulturelles Zentrum „Conne Island“/Projekt Verein e. V. (Leipzig)

 

Der Sächsische Förderpreis für Demokratie wurde 2008 zum zweiten Mal von der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, der Stiftung Frauenkirche, der Freudenberg Stiftung und der Amadeu Antonio Stiftung verliehen.

Die Preisträger 2007

Bündnis für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus im Landkreis Mittweida
Neben der Sächsischen Schweiz hat sich der Landkreis Mittweida inzwischen als eine Schwerpunktregion rechtsextremer Aktivitäten in Sachsen herausgebildet, was sich in den vergangenen Monaten vor allem durch zahlreiche Gewaltdelikte gegen Migranten, Studenten und Jugendclubs äußerte. Die Übergriffe gehen zu einem erheblichen Teil auf die mittlerweile verbotene rechtsextreme Kameradschaft „Sturm 34“ zurück. Darüber hinaus beobachten die Initiatoren des Bündnisses eine tiefe Verankerung rechtsextremen und rassistischen Gedankenguts bei Jugendlichen und Erwachsenen aller Generationen.
Als Reaktion auf diese Entwicklung gründete sich Anfang 2007 das Bündnis für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus und steht damit noch am Anfang seiner Arbeit. Ziel ist es, der rechtsextremen Alltagskultur im Landkreis Mittweida offensiv entgegenzutreten. Demokratische Lebensentwürfe und kulturelle Vielfalt werden gestärkt und gefördert: Aufklärungskampagnen, um die Öffentlichkeit in Bezug auf die Lebenssituation von Migranten zu sensibilisieren; Diskussionsveranstaltungen und interkulturelle Feste. Durch diese neuen Angebote soll den mitunter stark dominierenden rechtsextremen Gruppen der öffentliche Raum im Stadtgeschehen streitig gemacht werden. Zielgruppe des Bündnisses: ein möglichst breites Spektrum an Bürgern und verantwortlichen Akteuren vor Ort, weil aus Sicht der Initiatoren nur eine breite gesellschaftliche Basis effektiv gegen Rechtsextremismus erfolgreich sein kann.

Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (Wurzen)
Mit dem Kultur- und BürgerInnenzentrum D5 hat das 1999 gegründete Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (NDK) einen Ort für demokratisch orientierte Menschen in Wurzen und Umgebung geschaffen. Mit dem Erwerb und der ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit vollzogenen Renovierung eines dreistöckigen Hauses am Domplatz wurde ein dauerhafter Ort geschaffen, an dem ein breites Angebot an Freizeitaktivitäten für alle Altersgruppen besteht. Das Veranstaltungsspektrum ist breit: In der Kulturwerkstatt werden Kinoabende und Konzerte, aber auch Lesungen und Austauschprogramme für Jugendliche organisiert. Das D5 beherbergt außerdem eine Geschichtswerkstatt (Themenschwerpunkt Nationalsozialismus), eine Politikwerkstatt und eine Medienwerkstatt. Die Nachfrage nach den Angeboten der Initiative steigt kontinuierlich. Vor diesem Hintergrund erachtet das NDK eine Weiterführung der Sanierungsarbeit als dringend notwendig, um der zunehmenden Zahl der Projekte gerecht zu werden.

Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig e.V.
Die Ausstellung „Gegen den Strom – Schule im Widerstand“ des Schulmuseums Leipzig thematisiert Parallelen und Unterschiede der Schule im Umgang mit systemkritischen Lehrern und Schülern während der beiden deutschen Diktaturen. Im Vordergrund der Arbeit stehen Biografien von Außenseitern und Widerständlern im Dritten Reich und in der DDR. Schüler und Studenten recherchieren zu diesem Zweck in den Archiven zu den entsprechenden Schulakten der Stasi und der Gestapo. Das Ausstellungsprojekt will jedoch nicht nur Vergangenes dokumentieren, sondern auch einen klaren Bezug zur Gegenwart herstellen. So sollen neben Bild- und Archivmaterial auch Filme mit Zeitzeugen gezeigt werden, die nicht nur „konsumiert“ werden, sondern zu interaktiver Teilnahme anregen. Außerdem sollen die Besucher im Anschluss an den Ausstellungsbesuch an Rollenspielen (z.B. im DDR-Klassenzimmer) teilnehmen.
Die Ausstellung soll dazu beitragen, gegenüber jeglicher Form von Gleichschaltung und Unterdrückung demokratischer Entscheidungskompetenzen zu sensibilisieren. Die Beispiele von Zivilcourage unter extrem erschwerten Bedingungen der Diktatur werden insbesondere jungen Menschen helfen, demokratische Werte zu achten. Die geplante Ausstellung entsteht u.a. in Kooperation mit dem Stadtarchiv Leipzig, dem Sächsischen Staatsarchiv, der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, dem Regionalschulamt Leipzig und dem Historischen Seminar der Universität Leipzig.

Darüber hinaus waren die folgenden Initiativen nominiert: