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Duy-Doan Pham

, 59 Jahre

Am 27. März 2011 wird Duy-Doan Pham in Neuss (Nordrhein-Westfalen) von zwei Männern im Alter von 18 und 38 Jahren zu Tode geprügelt.

Die drei Männer hielten sich gemeinsam in einer Unterkunft für Wohnungslose, der „Hin- und Herberge“ auf, als die Täter ihr Opfer zunächst ausraubten. Duy-Doan Pham verließ darauf Wohnheim und wollte sich in der Nähe einen Ort zum Schlafen suchen. Die beiden Männer folgen ihm wenige Stunden später und fordern noch mehr Geld von dem 59-jährigen. Aus Angst, er könne bei der Polizei aussagen, schlagen sie zehn Minuten lang mit einem Holzpfahl auf den wehrlosen Vater dreier Kinder ein. Anschließend beobachten sie ihn beim Sterben, bis ihr Opfer an seinem Blut erstickt.

Über Duy-Doan Pham

Duy-Doan Pham kam 1958 in Vietnam zur Welt. In den 1970er Jahren flüchtete er nach Deutschland, um hier zu studieren. Im Laufe seines Lebens erkrankte er sowohl physisch als auch psychisch. Er entwickelte eine Alkoholsucht und wurde wohnungslos. Regelmäßig nächtigte er in der „Hin- und Herberge“ in Neuss.

Der 18-jährige Täter Dennis E. räumte ein, Kontakte zur Hooligan- und Neonazi-Szene zu haben. Auf der Brust hat er nach eigenen Angaben zwei Hakenkreuze tätowiert. Auf Nachfragen des Gerichts sagte er, Ausländer seien für ihn „Kanacken“. Laut Gericht war der jüngere der beiden Angeklagten der Initiator der Tat. Auch sein Komplize, der 38-jährige Sven K., habe sich an der Tat beteiligt. „Allerdings war er nur Mitläufer, er hatte kein Mordmotiv und war obendrein noch stark angetrunken“, so der Staatsanwalt. Für ihn ordnete das Gericht nach der Verbüßung von mehreren Jahren im Gefängnis die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Er bekam neun Jahre Haft wegen Totschlags. Die zuständige Jugendkammer verurteilte den 18-jährigen Hauptangeklagten wegen Mordes zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe. Ein rechtsextremes Motiv kann das Gericht bei dem Haupttäter jedoch nicht erkennen. Die Vertuschung des Raubüberfalls wird als Hauptmotiv für den Mord an Duy-Doan Pham gewertet, der rechtsextreme Gewaltexzess entpolitisiert.

Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen überprüfte ab Mitte 2022 im Rahmen seines Projekts „ToreG NRW“ (Todesopfer rechter Gewalt in NRW) 30 zurückliegende Gewaltdelikte aus den Jahren 1984 bis 2020 auf eine mögliche politische Tatmotivation. Anfang September 2024 gab Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul bekannt, dass drei der geprüften Fälle nun als rechtsmotiviertes Tötungsdelikt zu bewerten sind. Der Fall Duy-Doan Pham wurde im Zuge des Projekts ebenfalls geprüft, gilt jedoch immer noch nicht als rechtsmotiviert.

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