Der 51-jährige Fred Blank wurde am 25. März 2001 in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern) von zwei 17 und 21 Jahre alten Männern, die sich auf Raubzug befanden, erschlagen. Seine Geschichte wurde im Rahmen eines umfassenden Rechercheprojekts des Vereins LOBBI e.V. näher beleuchtet. Das Projekt „Kein Vergessen. Todesopfer rechter Gewalt in MV“ untersuchte die bis dahin dokumentierten Todesopfer rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern. Dafür werteten Projektmitarbeitende städtische Archive und Gerichtsunterlagen aus. Zudem suchten sie das Gespräch mit Personen aus dem Umfeld der Opfer, um deren Biografien und die tragischen Umstände ihres Todes akribisch zu rekonstruieren. Dank dieser Arbeit konnten zum Fall Fred Blank Details ans Licht gebracht werden, die zuvor kaum öffentlich bekannt waren.
Fred Blank wurde am 13. August 1949 in Greifswald geboren und wuchs im Kreis Grimmen auf. Er gründete dort eine Familie und wurde 1971 Vater einer Tochter, bevor er mit seiner Frau und dem Kind nach Neustrelitz zog. Später kehrte er in seine alte Heimat zurück. Im März 2001 lebte er als Frührentner ohne festen Wohnsitz in Grimmen und kam vorübergehend in der Wohnung eines Bekannten unter. Menschen aus der Nachbarschaft, die ihn kannten, beschrieben ihn als einen zurückhaltenden und friedfertigen Mann.
Die Tat
Am 25. März 2001 drangen zwei junge Männer, 17 und 21 Jahre alt, unter einem Vorwand in die Wohnung ein. Fred Blank, der zu diesem Zeitpunkt keinen festen Wohnsitz hatte, war dort vorübergehend untergebracht. Die beiden Angreifer, die der örtlichen rechten Szene angehörten, gaben sich zunächst als Polizisten aus. Unmittelbar nach dem Betreten der Räume begannen sie jedoch, massiv auf den 51-Jährigen einzuschlagen und ihn mit Stuhlbeinen sowie Tritten zu traktieren. Ziel des Überfalls war die Erpressung von Bargeld und EC-Karten. Während einer der Täter kurzzeitig vom schwer verletzten Fred Blank abließ, um dessen Bekannten zu berauben, setzte das Duo den Angriff danach gemeinsam fort. Fred Blank war den exzessiven Schlägen und Tritten gegen den Kopf schutzlos ausgeliefert. Er verstarb noch am Tatort an einer Hirnblutung.
Nachdem Fred Blank am nächsten Morgen tot aufgefunden worden war, verübten die Täter am Nachmittag des 26. März einen weiteren Raubüberfall. Da sich dieses Opfer jedoch erfolgreich wehren und die Polizei alarmieren konnte, wurden beide Männer kurz darauf festgenommen. In den Ermittlungen wurde deutlich, dass dieses Vorgehen – das gezielte Überfallen wehrloser Menschen zur Geldbeschaffung – für die Täter zur Gewohnheit geworden war. Die Staatsanwaltschaft unterstrich später, dass Fred Blank in der Wohnung völlig überrumpelt wurde und keine Chance hatte, sich gegen diesen plötzlichen Gewaltexzess zu verteidigen.
Tatmotiv: Verharmlosung als unpolitische Straftat
Das Landgericht Stralsund verurteilte die beiden Täter im November 2001 wegen versuchter Erpressung und Totschlags zu Freiheitsstrafen zwischen vier und sieben Jahren. Obwohl einer der Angreifer einschlägig wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole vorbestraft war und beide der rechten Szene zugeordnet wurden, schlossen die Behörden ein politisches Motiv von Beginn an aus. Man sah in der Tat lediglich ein Raubdelikt ohne „ideologisches Fundament“. Diese Sichtweise ignorierte jedoch, dass das rechtsextreme Weltbild der Täter – geprägt von Gewaltverherrlichung und einer tiefen Verachtung für Menschen am Rande der Gesellschaft – die Hemmschwelle für diesen tödlichen Gewaltexzess massiv gesenkt haben dürfte.
Einordnung als Verdachtsfall
Der Tod von Fred Blank wird als Verdachtsfall geführt, da die Tat untrennbar mit dem massiven rechten Straßenterror der frühen 2000er Jahre in Mecklenburg-Vorpommern verbunden ist. In diesem Zeitraum wurden im Bundesland allein vier wohnungslose Männer Opfer tödlicher Gewalt. Es liegt nahe, dass sozialdarwinistische Denkmuster – die Abwertung von Menschen aufgrund ihres sozialen Status – die Hemmschwelle für diesen exzessiven Angriff massiv gesenkt haben und damit eskalierend wirkten. Da ein politisches Mitmotiv angesichts der Täterprofile und des damaligen gesellschaftlichen Klimas zwar nahe liegt, aber heute nicht mehr zweifelsfrei belegt werden kann, ist die Einstufung als Verdachtsfall die notwendige Entscheidung. Nur so lässt sich die Dimensionen rechter Gewalt in der Region lückenlos dokumentieren.
Gemeinsam Fred Blank erinnern
Angehörige und Menschen, die Fred Blank kannten, sind herzlich eingeladen, sich bei uns zu melden. Ihre Geschichten machen das Bild des Verstorbenen persönlich und sind für die Aufarbeitung und die Erinnerung von unschätzbarem Wert.
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Weiterführende Informationen
Mehr über die Lebensgeschichten und Schicksale der Todesopfer in Mecklenburg-Vorpommern erfahren Sie hier: kein-vergessen-mv.de. Dort finden Sie auch den ausführlichen Text über Fred Blank und die Ergebnisse der Recherchen.
Lokale Initiativen und Gruppen, die sich in den betroffenen Orten engagieren und das Andenken an die Todesopfer bewahren möchten, können sich an LOBBI MV wenden. Wenn Interesse daran besteht, tiefer in die individuelle Recherche einzusteigen und einen Ort der Erinnerung zu schaffen, um ein würdiges Gedenken zu ermöglichen, bietet LOBBI MV fachliche Begleitung und Unterstützung an. Die Amadeu Antonio Stiftung bietet im Rahmen ihrer Projektförderung auch die Möglichkeit zur Beantragung finanzieller Unterstützung für derartige Vorhaben.