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Mario Jödecke

, 23 Jahre

Der 23-jährige Mario Jödecke wurde am 24. Januar 1993 bei einer Auseinandersetzung während einer Heavy-Metal-Party in Schlotheim (Thüringen) mit einem Messer erstochen.

Die Party war Teil einer Veranstaltungsreihe im Nebenraum einer Pizzeria. Dort regelmäßig verkehrende Gäste überzeugten den Besitzer, den Nebenraum für diese Heavy-Metal-Partys nutzen zu dürfen. Der Besitzer bestimmte aus den Reihen der Veranstalter:innen eine „Ordnungsgruppe“, die bei den Partys für Ordnung sorgen sollte. Bei der ersten Veranstaltung, an der ca. 100 Personen teilnahmen, kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen der „Ordnungsgruppe“ und einer Gruppe Punks. Der spätere Täter zog bei dieser Auseinandersetzung ein Messer, das er jedoch nicht benutzte.

Am 24. Januar, als Mario Jödecke ermordet wurde, fand erneut eine Heavy-Metal-Party in der Pizzeria statt. Eine kleine Gruppe Punks, zu der auch Mario Jödecke gehörte, wollte an der Veranstaltung teilnehmen. Bereits am Eingang drohte der spätere Täter, der Teil der „Ordnungsgruppe“ war, einem der Punks mit „Dich hau ich noch in die Fresse!“. Als dieser „wenn dir das was gibt“ erwiderte, reagiert der Täter mit einem Faustschlag. Als die „Ordnungsgruppe“ sich daraufhin sammelte, holten Mario Jödecke und einer seiner Freunde einen Baseballschläger und eine Schreckschusspistole aus einem Auto.

Der Täter stach Mario Jödecke direkt ins Herz

Als Mario Jödecke mit dem Baseballschläger bewaffnet auf den Angreifer zuging, zog dieser ein ca. 8cm langes Messer. Er hielt es wie eine Stoßwaffe und wartete, bis Mario Jödecke kurz vor ihm stand. Dann stach er mit dem Messer unvermittelt auf Brusthöhe zu. Er traf Mario Jödecke direkt ins Herz, der noch am Tatort starb.

Der Täter wurde später vor Gericht freigesprochen, da es sich um Notwehr gehandelt habe. Der Alkoholkonsum hätte die motorischen Fähigkeiten des Täters eingeschränkt. Dem Gericht zufolge lasse die Aufforderung des Täters zur Gewalt „keinen sicheren Schluss auf das Vorliegen der Absicht“ zu.

Die Opferberatungsstelle ezra ruft jährlich zum Gedenken an Mario Jödecke auf und fordert eine staatliche Anerkennung. Sie führt an zu dem Fall an: „Insbesondere in den 1990er Jahren werden Taten oftmals aufgrund nachlässiger Ermittlungen entpolitisiert. Fälle, bei denen rassistische oder sozialdarwinistische Motive zumindest eine tatbegleitende oder -eskalierende Rolle gespielt haben, können so kaum nachvollzogen werden“.

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