Weiter zum Inhalt

Thomas Schulz

, 32 Jahre

Am 28. März 2005 trifft der 17-jährige Neonazi Sven K. in einer Dortmunder U-Bahn-Station auf eine Gruppe von etwa zwanzig Punks, als er gemeinsam mit einer Freundin auf dem Heimweg von einem Fußballspiel ist. Über die Rolltreppen hinweg fliegen wechselseitige Beschimpfungen. Die Punks ziehen weiter zu einem Konzert – bis auf den 31-jährigen Thomas Schulz. Der Familienvater, von seinen Freunden „Schmuddel“ genannt, ist alkoholisiert und bekifft und will Sven K. zur Rede stellen. Nach weiteren gegenseitigen Beschimpfungen zieht Sven K. ein beidseitig geschliffenes Wurfmesser aus der Innentasche seiner Bomberjacke und sticht dem unbewaffneten Opfer ins Herz. Schulz stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Wenige Tage danach kleben Dortmunder Neonazis in der Stadt höhnische Plakate: „Wer sich der Bewegung in den Weg stellt, muss mit den Konsequenzen leben.“ Sven K. sei ein „anerkanntes und respektiertes Mitglied“ der neonazistischen Kameradschaftsszene vor Ort, hält das Landgericht Dortmund im November 2005 in seinem Urteil fest, „zu seinen Feindbildern gehörten auch ‚Punker‘. Diese bezeichnete er als ‚Zecken‘.“ Seinem Hass hatte Sven K. schon einmal, ein Dreivierteljahr vor der Tötung von Thomas Schulz, freien Lauf gelassen: In einem Regionalzug beschimpfte und schlug er einen Punk mehrfach ins Gesicht. Nur drei Wochen vor dem Angriff auf Schulz wurde K. dafür zu einer Woche Dauerarrest und Schmerzensgeld verurteilt. Ausführlich geht das Gericht auf die Behauptung des Täters ein, er habe sich nur gegen Thomas Schulz gewehrt, quasi in Notwehr. Eine Bedrohung habe es nicht gegeben, das Opfer sei „in der konkreten Tatsituation arglos und damit wehrlos diesem Überraschungsangriff ausgesetzt“ gewesen, so die Richter. Wegen Totschlags wird Sven K. zu sieben Jahren Haft verurteilt. Aus dem Gefängnis verschickt er über neonazistische Websites Grüße an „die Kameraden“ und bittet in einschlägigen Szenepostillen um Briefe. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen begründet die Nicht-Erfassung in die PMK-rechts Statistik wie folgt: „Nach Bewertung des Gerichts beging Sven K. die Tat letztlich spontan und in Aufwallung von Wut und Verärgerung. Eine politische Motivation für die Tat stellte das Gericht im Ergebnis gerade nicht fest.“ Weshalb eine Tat aus spontaner Aufwallung von Wut, eine rechtsextreme Motivation ausschließt, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Punks ein Feindbild für den Täter darstellen, wird einem aus dieser Antwort nicht ersichtlich.

Mitmachen stärkt Demokratie

Engagieren Sie sich mit einer Spende oder Zustiftung!

Neben einer Menge Mut und langem Atem brauchen die Aktiven eine verlässliche Finanzierung ihrer Projekte. Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung für Demokratie und Gleichwertigkeit.