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In eigener Sache

3 neue Verdachtsfälle in die Chronik der Todesopfer rechter Gewalt aufgenommen

Die Amadeu Antonio Stiftung recherchiert regelmäßig zu Todesopfern rechter Gewalt seit 1990, die entsprechende Chronik wird fortlaufend aktualisiert. Diese Recherchen umfassen sowohl Überprüfungen von Fällen, die sich bereits in der Chronik befinden und bei denen neue Erkenntnisse zutage kamen, als auch Fälle, die noch nicht Teil der Chronik sind.

Im Zuge dieser Recherchearbeit müssen wir nun drei neue Verdachtsfälle in unsere Chronik der Todesopfer rechter Gewalt aufnehmen. Die Amadeu Antonio Stiftung führt Fälle, bei denen ein menschenverachtender Hintergrund durchaus möglich, aber nicht sicher ist, als Verdachtsfälle. Mit der Aufnahme von Dario S., Angela S. und einem namentlich unbekannten Kind steigt die Zahl der Verdachtsfälle auf 17 – neben 214 Fällen, die wir gesichert als rechte Morde einstufen.

Angela S. und ihr Sohn Dario wurden am 21. Juni 1993 Opfer eines Brandanschlags auf ein Mehrfamilienhaus in Berlin, in welchem sich im Erdgeschoss ein kurdisches Restaurant befand. Die beiden starben in Folge einer Rauchgasvergiftung. Kurz vor dem Anschlag beschmierten Unbekannte das Haus, in welchem überwiegend Menschen mit Migrationsgeschichte lebten, mit Hakenkreuzen. Ein weiterer Brandanschlag auf eine türkeistämmige Familie ereignete sich zwei Wochen zuvor in der unmittelbaren Nachbarschaft.

Bei den Ermittlungen zum dem Brandanschlag wurden jedoch keine Verbindungen zwischen den Ereignissen gezogen – trotz der Hinweise der Angehörigen der Opfer sowie der Türkischen Gemeinde zu Berlin, welche von einem rechten Tatmotiv ausging. Angela und Dario S. wurden somit von der Bundesregierung nicht als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt. Wir führen sie nun aufgrund der hinreichenden Indizien als Verdachtsfälle.

In einem anderen Fall aus Kempten (Bayern) wurden die Ermittlungen kürzlich wiederaufgenommen. Am 17. November 1990 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf ein Wohnhaus, in dem überwiegend Bewohner:innen türkische Herkunft lebten. Während sich viele Bewohner:innen durch Sprünge aus den Fenstern mit teils schweren Verletzungen retten konnten, starb der jüngste Sohn der Familie S. an den Folgen einer Rauchvergiftung. Obwohl der Polizei ein Bekennerschreiben der sog. „Anti Kanacken Front“ vorlag, wurden die Täter:innen im Umfeld der Familie gesucht. Das Verfahren wurde nach kurzer Zeit erfolglos eingestellt.

Dank einer intensiven journalistischen Recherche erfuhr die Familie 30 Jahre nach der Tat, dass ihr Sohn und Bruder womöglich Opfer eines rechtsextremen Anschlags geworden ist. Auch die Generalstaatsanwaltschaft München nahm nun die Ermittlungen wieder auf. Der Tatvorwurf lautet nicht mehr Brandstiftung, sondern Mord. Der Fall wird von uns in der Chronik der Todesopfer rechter Gewalt zunächst als Verdachtsfall geführt, bis weitere Erkenntnisse vorliegen.

Unsere Kriterien zur Aufnahme von Fällen in unsere Chronik finden Sie hier.

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